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Gesundheit+Medizin

Mehr Herzinfarkte durch Fußball-WM

Fußballfans
Jubelnde Fußballfans. (Bild: efenzi/ iStock)

Sportliche Großereignisse wie eine Fußball-WM reißen Millionen von Menschen mit – und können durch das erhöhte kollektive Stressniveau das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen. Das legt eine Studie nahe, laut der während der Fußball-WM 2014 mehr Menschen mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurden als während des gleichen Zeitraums 2013 und 2015. Die Sterblichkeit der Patienten unterschied sich dagegen nicht – mit einer Ausnahme: Am Tag des Endspiels, als Deutschland in der Verlängerung das entscheidende Tor zum Weltmeistertitel schoss, starben überdurchschnittlich viele Herzinfarktpatienten.

Am 13. Juli 2014 verfolgten 34,5 Millionen Menschen in Deutschland das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Erst sieben Minuten vor Ende der Verlängerung fiel der entscheidende Treffer, das 1:0 für Deutschland. Das spannende Spiel war nicht nur für die Nationalspieler eine Herausforderung, sondern auch für das Herz-Kreislauf-System der Zuschauer. Schon länger ist bekannt, dass kollektiver Stress, etwa durch Naturkatastrophen, Terrorismus oder Krieg, die Anzahl der Herzinfarkte erhöht. Ob dies auch für sportliche Großereignisse gilt, war bislang umstritten.

Fußball-WM als Risikofaktor

Ein Team um Karsten Keller von der Universitätsmedizin Mainz hat nun analysiert, wie viele Menschen während der Fußball-WM 2014 mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurden und wie viele davon verstarben. Als Vergleich nutzten die Forscher den gleichen Zeitraum im vorigen und folgenden Jahr, also jeweils den 12. Juni bis 13. Juli 2013 und 2015, sowie den Folgemonat im gleichen Jahr, den 14. Juli bis 14. August 2014. „Die Gesamtzahl der Herzinfarktpatienten war während der Fußball-WM 2014 signifikant höher als während der Vergleichsperioden“, berichten die Forscher.

Während der WM wurden demnach 18.479 Patienten in Deutschland mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert – 2,1 Prozent mehr als 2013, 3,7 Prozent mehr als 2015 und 5,4 Prozent mehr als im Monat nach der WM. Die Zusammensetzung der Patienten in den verschiedenen Zeiträumen unterschied sich dabei nicht in Bezug auf Alter, Geschlecht oder Risikofaktoren. Das Durchschnittsalter betrug jeweils 71 bis 72 Jahre, rund zwei Drittel der Patienten waren männlich. Die verwendeten Behandlungsmethoden veränderten sich zwar über die Jahre hinweg, waren aber während der WM nicht grundlegend anders als davor oder danach. Auch die Wetterverhältnisse waren ähnlich.

Mehr Herztote beim WM-Finale

Was die Sterblichkeit der Patienten anging, stellten die Forscher keine Unterschiede zwischen der WM und den Vergleichszeiträumen fest. Die Ausnahme: „Während des Finales Deutschland gegen Argentinien war die Sterblichkeit mit zwölf Prozent am höchsten“, so die Forscher. An diesem Tag starben 144 Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts. An den Spieltagen davor lag die Sterblichkeit zwischen 7,9 und 9,3 Prozent.

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Zusätzlich analysierten Keller und seine Kollegen, inwieweit der Spielverlauf einen Einfluss auf die Herzinfarkt-Rate hatte. In drei von sieben Spielen schoss die deutsche Nationalmannschaft bereits in der ersten Halbzeit ein Tor. Der Zeitpunkt der Torschüsse – ob früh oder erst spät im Spiel – hatte jedoch keinen Einfluss darauf, wie viele Patienten am jeweiligen Tag einen Herzinfarkt hatten. Auch welche Mannschaften spielten, hatte keinen signifikanten Einfluss. Eine Ausnahme bildete nur das WM-Finale mit Beteiligung der deutschen Mannschaft. Auch die Behandlung der Patienten unterschied sich nicht abhängig davon, ob am jeweiligen Tag Deutschland spielte oder nicht.

Krankenhauskapazitäten einplanen

„Große Sportereignisse können das Auftreten von Herzinfarkten sowie die damit verbundene Sterblichkeit erhöhen“, fassen die Autoren zusammen. „Herzinfarkte sind für rund 20 Prozent aller Todesfälle in Europa und den USA verantwortlich. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Trigger zu identifizieren.“ Auch wenn die in der Studie ausgewerteten Daten nicht darauf hindeuten, dass die Behandlung der Herzinfarktpatienten während WM-Spieltagen schlechter war, kann das Wissen um Sportereignisse als Risikofaktor aus Sicht der Forscher dazu beitragen, die Abläufe entsprechend zu optimieren. „Unsere Daten können helfen, Krankenhauskapazitäten besser zu planen und so zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Kapazität bereitstellen zu können“, so Keller und seine Kollegen.

Quelle: Karsten Keller (Universitätsmedizin Mainz) et al., Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-90582-z

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