Alkoholmissbrauch kann auf Dauer die Leber schädigen. Dabei kommt es mit der sogenannten Zirrhose nicht nur zu einer allmählichen Vernarbung dieses Organs. Ein Drittel aller Alkoholiker entwickelt zudem eine alkoholische Hepatitis – eine schwere Leberentzündung. Wirklich wirksame Medikamente gegen diese lebensgefährliche Entzündung gibt es bisher nicht. Oftmals rettet nur eine rechtzeitige Lebertransplantation die Patienten vor dem Tod. Der Mangel an alternativen Therapien rührt auch daher, dass diese Form der Hepatitis bisher kaum verstanden ist. Zwar kann Alkohol Leberzellen direkt angreifen. Im Fall der alkoholbedingten Hepatitis scheinen jedoch auch Bakterien wie Enterococcus faecalis eine Rolle für die Leberschädigung zu spielen. Diese Keime kommen auch im Darm gesunder Menschen in geringen Mengen vor. In zu hohen Konzentrationen können sie jedoch gesundheitsgefährdende Effekte entfalten.
Forscher um Yi Duan von der University of California in San Diego haben die Bedeutung der Bakterien für die Lebererkrankung nun genauer unter die Lupe genommen – und dabei auch einen neuen Behandlungsansatz identifiziert. Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler zunächst Stuhlproben von Patienten mit alkoholbedingter Hepatitis und Personen ohne dieses Leberleiden. Es zeichnete sich ab: Erkrankte Probanden hatten im Schnitt fast 3000-mal so viele E. faecalis-Bakterien in ihrem Stuhl wie gesunde. Konkret ließen sich die Keime dabei bei 80 Prozent der Patienten nachweisen. Rund 30 Prozent der identifizierten E. faecalis-Stämme verfügten den Ergebnissen zufolge über ein Gen, das die Bauanleitung für ein Toxin namens Cytolysin enthält. Dieses Gift scheint für die schädliche Wirkung der Bakterien eine wesentliche Rolle zu spielen. Denn wie weitere Analysen enthüllten, ist die Anwesenheit von Cytolysin eng mit dem Grad der Leberschädigung und der Mortalität der Patienten verknüpft. So verstarben von den Betroffenen mit Cytolysin im Stuhl 89 Prozent innerhalb von 180 Tagen nach der Einweisung ins Krankenhaus. Bei den Hepatitis-Patienten ohne das Toxin waren es dagegen nur knapp vier Prozent.
Problematische Bakterien
Um den Einfluss der Cytolysin-produzierenden Bakterien näher zu untersuchen, führten die Forscher anschließend Experimente mit Mäusen durch. Sie besiedelten den Darm der Tiere entweder mit E. faecalis-Keimen, die das Toxin bilden konnten, oder mit Keimen ohne diese Fähigkeit. Ein Teil der Nager erhielt anschließend eine alkohohlreiche Ernährung, ein anderer blieb abstinent. Was würde passieren? Wie Duans Team berichtet, hatte die Kombination aus Alkoholmissbrauch und Cytolysin-bildenden Keimen die dramatischsten Auswirkungen: Nur diese Mäuse entwickelten besonders schwere Leberschäden und ihre Sterblichkeit war gegenüber Alkoholiker-Mäusen ohne diese Bakterien deutlich erhöht. Warum aber entfalten die Toxine der Darmbakterien ohne Alkoholeinfluss keine schädliche Wirkung? Auch dafür fanden die Wissenschaftler eine Erklärung: Ihren Untersuchungen zufolge scheint der übermäßige Alkoholkonsum die Durchlässigkeit der Darmwand zu erhöhen. Als Folge können Cytolysin-bildende E. faecalis-Bakterien vom Darm in den Körper und zur Leber gelangen, wo sie dann Entzündungsprozesse auslösen.





