Um den Body-Mass-Index zu berechnen, dividiert man das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Wer dabei auf einen Wert oberhalb von 30 kg/m2 kommt, gilt nach der bisher üblichen Definition als fettleibig. Das überschüssige Körperfett geht oft mit zahlreichen Krankheiten einher: Es kann die Funktion verschiedener Organe beeinträchtigen und zu Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ-2 führen.
Doch nicht immer lässt der BMI zuverlässige Rückschlüsse auf das individuelle Gesundheitsrisiko zu. Zum einen gibt er keine Auskünfte über die Verteilung des Fettes im Körper. Dabei ist beispielsweise überschüssiges Bauchfett gefährlicher als Fett, das direkt unter der Haut gespeichert ist. Zum anderen können auch sportlich sehr aktive Menschen mit hoher Muskelmasse einen hohen BMI haben, ohne dass dies in Zusammenhang mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung stünde.
Zusätzliche Messwerte
Eine internationale Kommission um Francesco Rubino vom King’s College in London hat nun einen neuen Ansatz zur Diagnose und Definition von Übergewicht erarbeitet. „Das Ziel dieser Kommission bestand darin, objektive Kriterien für die Krankheitsdiagnose festzulegen, um die klinische Entscheidungsfindung und die Festlegung von Prioritäten für therapeutische Maßnahmen und Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erleichtern“, erklärt das Team.
Wenn möglich, soll der Kommission zufolge der Körperfettanteil dafür direkt gemessen werden, wobei je nach Alter und Ethnie unterschiedliche Grenzwerte gelten. Alternativ soll neben dem BMI mindestens ein weiteres Körpermaß hinzugezogen werden, beispielsweise der Taillenumfang, das Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang oder das Verhältnis Taille zu Körpergröße. Zwei dieser Werte können auch unabhängig vom BMI zur Diagnosestellung genutzt werden, so der Vorschlag der Kommission. Eine Ausnahme bildet jedoch eine extreme Adipositas: Bei einem BMI über 40 kg/m2 soll weiterhin der BMI allein als ausreichend gelten.
Zwei Formen der Adipositas
Zusätzlich unterscheiden Rubino und sein Team zwischen zwei unterschiedlich schweren Formen der Adipositas: klinische und präklinische Adipositas. Dabei kennzeichnet sich klinische Adipositas dadurch, dass die Fettleibigkeit die Organfunktion der Betroffenen bereits einschränkt oder eine bedeutende Beeinträchtigung bei alltäglichen Tätigkeiten darstellt. „Die klinische Adipositas definieren wir als eine chronische, systemische Erkrankung“, erklären die Forschenden. Mit dieser Definition als eigenständige Krankheit wollen sie dazu beitragen, dass Krankenkassen auch dann die Kosten für eine Adipositas-Behandlung übernehmen, wenn keine zusätzlichen Folgeerkrankungen vorliegen.





