Die innere Uhr bestimmt den Tagesrhythmus unseres Körpers: Sie beeinflusst, wann wir müde werden, wann bestimmte Stoffwechselvorgänge auf Hochtouren laufen – und damit auch, ob wir Nachteulen oder Frühaufsteher sind. Doch warum quälen sich einige Menschen morgens mühevoll aus dem Bett, während andere bereits beim Morgengrauen topfit sind? Forscher wissen inzwischen: Diese chronobiologischen Besonderheiten sind auch genetisch bedingt. Welche konkreten Genvarianten uns zu Nacht- oder Morgenmenschen machen, ist bisher jedoch erst in Teilen verstanden. Um dies zu ändern, haben Samuel Jones von der University of Exeter und seine Kollegen nun eine Großfahndung nach Frühaufsteher-Genen gestartet.
Dafür durchforsteten sie das Erbgut von 697.828 Personen, die nicht nur ihre DNA-Daten für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt, sondern auch Angaben zu ihrem Schlafverhalten gemacht hatten. Würden sich Zusammenhänge zwischen dem Chronotyp der Probanden und bestimmten genetischen Varianten finden lassen? Tatsächlich identifizierten die Wissenschaftler 351 Genorte, die für den Hang zum Frühaufstehen eine Rolle zu spielen scheinen. Unter diesen Regionen sind solche, die Insulin- und Glutamat-Signalwege steuern, aber auch Gene, die im Gehirn und im Retinagewebe des Auges exprimiert werden.
25 Minuten früher aus den Federn
Je mehr Morgenallele ein Studienteilnehmer in seinem Erbgut trug, desto früher wachte er nach eigenen Angaben auf: Die fünf Prozent der Probanden mit den meisten Frühaufsteher-Varianten hatten im Vergleich zu den fünf Prozent mit den wenigsten Morgengenen eine im Schnitt um 25 Minuten vorgezogene Aufwachzeit. Die Qualität oder die Dauer des Schlafes scheinen die nun identifizierten DNA-Abschnitte dagegen nicht zu beeinflussen, wie das Forscherteam berichtet. Um die Aussagekraft ihrer Ergebnisse zu überprüfen, führten Jones und seine Kollegen anschließend Untersuchungen mit rund 85.000 weiteren Probanden durch. Das Besondere: Diese Personen hatten an Schlafstudien teilgenommen – es gab somit objektive Messdaten zu ihrem Aufwachverhalten. Und tatsächlich: Auch hier zeigten sich die zuvor gefundenen Auffälligkeiten.
Für die Wissenschaftler ist damit klar, dass die von ihnen identifizierten Genorte tatsächlich mit der Neigung zum Frühaufstehen in Verbindung stehen. Statt zuvor 24 seien nun 351 Frühaufsteher-Gene bekannt. Doch diese Gene bestimmen offenbar nicht nur, ob ein Mensch eher ein Lerchen- oder ein Eulentyp ist. Die Auswertungen enthüllten auch Zusammenhänge mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen. Demnach neigen Morgenmenschen generell zu einem besseren subjektiven Wohlbefinden. Außerdem könnten sie weniger anfällig für psychische Störungen wie Schizophrenie oder Depressionen sein. Dass sich der Chronotyp auch auf das Körpergewicht und das Risiko für Diabetes auswirkt, darauf fanden die Forscher allerdings keine Hinweise.





