Das Rückenmark bildet die Verbindung zwischen unserem Körper und unserem Gehirn. Wird das Rückenmark geschädigt, beispielsweise durch einen Unfall, ist diese Verbindung unterbrochen. Da sich die Nerven des Rückenmarks von Natur aus nicht regenerieren können, bleiben die Betroffenen meist ihr Leben lang gelähmt. Ein möglicher Therapieansatz besteht darin, Elektroden ins Rückenmark zu implantieren, die die geschädigten Bereiche stimulieren und auf diese Weise dabei helfen, verlorene Funktionen teilweise wiederherzustellen. Bei einigen Menschen wurde sogar beobachtet, dass sich die Nerven in Folge der Stimulation beginnen, zu regenerieren. Die Implantation der Elektroden erfordert jedoch einen invasiven chirurgischen Eingriff am Rückenmark.
Stimulation von außen
Ein Team um Chet Moritz von der University of Washington in Seattle hat nun nachgewiesen, dass auch eine nicht-invasive Elektrostimulation dazu beitragen kann, dass Betroffene zumindest teilweise wieder die Kontrolle über ihre Gliedmaßen erlangen. 60 Personen, die nach einer Rückenmarksverletzung seit mindestens einem Jahr an Armen und Beinen gelähmt waren, nahmen an der klinischen Studie teil. „Alle Teilnehmenden durchliefen zunächst ein intensives, standardisiertes Rehabilitationsprogramm in der Klinik über einen Zeitraum von zwei Monaten“, berichten Moritz und sein Team. „Anschließend setzten sie das gleiche Rehabilitationsprogramm für zwei weitere Monate fort, dieses Mal aber mit zusätzlicher nicht-invasiver Elektrostimulation, um die Bewegung zu erleichtern.“
Eine Kontrollgruppe gab es nicht. Stattdessen verglichen die Forschenden für jeden einzelnen Probanden die Ergebnisse der Rehabilitation ohne Elektrostimulation mit den Ergebnissen nach der Elektrostimulation. „Dieses Design ermöglichte es den Teilnehmenden, als ihre eigenen Kontrollen zu fungieren“, erklärt das Team. „Dies ist das am besten geeignete Design, um die großen Unterschiede zwischen den Patienten in Bezug auf die Grundbeeinträchtigung, das Potenzial für die Reaktionsfähigkeit und die optimale Stimulationsdosis zu handhaben.“
Das verwendete Gerät trägt den Namen ARC-EX und umfasst zwei Elektroden, die am Rücken auf der Haut zwischen den Wirbelfortsätzen oberhalb und unterhalb der geschädigten Stelle angebracht werden. Zudem werden zwei weitere Elektroden als Gegenelektroden am Beckenkamm oder am Schlüsselbein angebracht. Kleine elektrische Impulse regen die Nerven des Rückenmarks an und erleichtern den Patienten dadurch, ihre Arme und Hände anzusteuern.
Deutliche Besserung
Und tatsächlich: „Die ARC-EX-Therapie vermittelte Verbesserungen der Funktionen der oberen Gliedmaßen, die über das hinausgingen, was mit der Rehabilitation allein erreicht wurde“, berichtet das Team. „Obwohl die Teilnehmenden der Studie bereits nach einer alleinigen Rehabilitationsphase eine gewisse Verbesserung der Arm- und Handfunktionen aufwiesen, verbesserte sich ihr neurologischer Status nur, wenn sie die ARC-EX-Therapie erhielten.“ Nach der mit ARC-EX unterstützten Therapie waren 43 von 60 Testpersonen in der Lage, ihre Hände und Arme besser als zuvor zu bewegen und mehr Greifkraft aufzubringen. Zudem entwickelten sie wieder etwas Gefühl in den oberen Extremitäten. Bei weiteren elf Personen verbesserte sich zumindest einer der Funktionsbereiche.





