Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine degenerative Erkrankung des Nervengewebes, die zu fortschreitenden Muskellähmungen führt. Bisher ist die Krankheit nicht heilbar und es gibt keine ursächlichen Behandlungen. Bisherige Therapien können das Fortschreiten der Krankheit nur in geringem Maße verlangsamen und konzentrieren sich darauf, die Symptome zu lindern. Ein Problem in der Erforschung neuer Medikamente ist, dass die Ergebnisse aus Tiermodellen für neurologische Erkrankungen nur in begrenztem Maß auf den Menschen übertragbar sind.
Hinweise aus Zellkulturen
Ein Team um Satoru Morimoto von der Keio University School of Medicine in Tokio hat daher einen anderen Ansatz genutzt: Statt sich auf Tiermodelle zu verlassen, nutzten sie induzierte pluripotente Stammzellen von ALS-Patienten und züchteten daraus Motoneuronen, also genau jene Nervenzellen, die die Muskelaktivität steuern und die durch die Krankheit geschädigt werden. An diesen testeten sie verschiedene Wirkstoffe – und stellten fest, dass ein Medikament namens Ropinirol, das bereits erfolgreich gegen Parkinson eingesetzt wird, zumindest im Labor die Schädigung der Motoneuronen verlangsamte. Bei Ropinirol handelt es sich um einen sogenannten Dopamin-Agonisten, der an die gleichen Rezeptoren bindet wie der Botenstoff Dopamin.
Um die Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments bei ALS-Patienten zu testen, führten Morimoto und sein Team eine klinische Machbarkeitsstudie mit einer kleinen Anzahl an Probanden durch. 13 Personen, die im Durchschnitt seit 20 Monaten an ALS litten, erhielten Ropinirol, sieben Personen ein Placebo. In den ersten sechs Monaten der Studie wussten weder die Ärzte, noch die Patienten, wer das echte und wer das Scheinmedikament erhielt. Dabei achtete das Forschungsteam auf mögliche Nebenwirkungen und erhob zudem den Zustand der Patienten mit Hilfe einer Bewertungsskala, die unter anderem erfasst, wie gut sich die Person bewegen kann, wie sie im Alltag zurechtkommt, und inwieweit sie sprechen und atmen kann.
Gute Sicherheit, fragliche Wirksamkeit
Mit Blick auf die Nebenwirkungen stellte das Team fest, dass Ropinirol bei den ALS-Patienten ein günstiges Sicherheitsprofil aufwies. Zwar berichteten Patienten aus der Rpoinirol-Gruppe etwas häufiger über Probleme wie Verstopfung, Übelkeit und Kopfschmerzen, schwerwiegende Nebenwirkungen blieben aber aus. „Wir haben festgestellt, dass Ropinirol für ALS-Patienten sicher und verträglich ist“, so Morimoto. Bezüglich der Wirksamkeit waren die Ergebnisse weniger vielversprechend: „Während der doppelt verblindeten Phase der Studie blieben bei den Probanden die Muskelkraft und die tägliche Aktivität erhalten, aber der Score, mit dem der funktionelle Status von ALS-Patienten bewertet wird, verschlechterte sich bei allen Probanden“, berichtet das Forschungsteam. „Dabei machte es keinen Unterschied, ob ein Patient das Medikament oder ein Placebo erhalten hatte.“





