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Gesundheit+Medizin

Problematische Brauerei im Bauch

Alkoholproduzierende Darmbakterien können offenbar Leberschäden verursachen. (Bild: Nerthuz/iStock)

Nichts getrunken – und dennoch kann sich im Körper ein problematischer Alkohol-Spiegel aufbauen: Alkoholproduzierende Darmbakterien können an der Entwicklung einer weitverbreiteten Lebererkrankung beteiligt sein, geht aus einer Studie hervor. Viele Betroffene haben demnach bestimmte Mikroben in ihrem Darm, die Zucker in erhebliche Alkoholmengen verwandeln. Durch Versuche an Mäusen konnten die Forscher belegen, dass die „Brauerei im Bauch“ die Entstehung einer Fettleber begünstigen kann.

Diagnose Fettleber – die Ursache kann bekanntlich übermäßiger Alkoholkonsum sein. Doch die häufigste Form der Erkrankung hat nichts mit Trinken zu tun. Sie wird sogar als nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) bezeichnet. Schätzungen zufolge sind etwa ein Viertel der Menschen weltweit von diesem Problem betroffen. Bei ihnen kommt es im Laufe des Lebens zu einer übermäßigen Fettablagerung in der Leber, die das Organ belastet und im schlimmsten Fall zu einer Zirrhose führt. Übergewicht und Diabetes gelten als Risikofaktoren, die genauen Ursachen der Entstehung der NAFLD sind allerdings bislang unklar. Wie die aktuelle Studie nun nahelegt, kann offenbar doch Alkohol eine Rolle spielen – sogar bei Abstinenzlern.

Eigenbrauer-Syndrom der besonderen Art

Wie die Forscher um Jing Yuan vom Capital Institute of Pediatrics in Peking berichten, stand am Anfang der Studie die Untersuchung eines erstaunlichen Falls eines sogenannten Eigenbrauer-Syndroms. Dabei handelt es sich um eine seltene Darmerkrankung, die bisher als die Folge einer Besiedlung durch Hefepilze galt. Wie in einer Bierbrauerei setzten diese Organismen im Verdauungssystem Kohlenhydrate in erhebliche Alkoholmengen um. Die Betroffenen können dadurch nach dem Verzehr von zuckerreichen Lebensmitteln in einen Rauschzustand geraten und langfristig drohen gesundheitliche Schäden. Zunächst glaubten Yuan und seine Kollegen, es mit einem solchen Fall zu tun zu haben: Der Patient wirkte ohne Alkoholkonsum regelmäßig betrunken und hatte bereits einen Leberschaden erlitten.

„Wir dachten deshalb, dass Hefen für den Effekt verantwortlich sind – aber das Testergebnis für diesen Patienten war negativ und auch ein Medikament zur Bekämpfung von Hefe-Pilzen zeigte keine Wirkung“, berichtet Yuan. Wer stattdessen für die Alkoholproduktion verantwortlich war, zeigte dann die Analyse von Stuhlproben des Patienten. Die Wissenschaftler entdeckten darin Stämme des weitverbreiteten Bakteriums Klebsiella pneumonia, die ungewöhnlich produktiv waren: Sie erzeugten vier- bis sechsmal mehr Alkohol als Stämme, die bei gesunden Menschen vorkommen. „Wir waren überrascht, wie viel Alkohol diese Bakterien produzieren können“, so Yuan. Sein Kollege Di Liu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking bringt den Effekt auf den Punkt: „Wenn Sie viele dieser Mikroben im Darm haben, ist Ihr Körper ständig Alkohol ausgesetzt“.

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Alk-Bakis im Visier

So kam die Frage auf, ob diese Mikroben auch eine Rolle bei der Entstehung der „nichtalkoholischen“ Fettleber spielen könnten. Um ihr nachzugehen, untersuchte das Team die Darmflora von 43 NAFLD-Patienten und 48 gesunden Personen. Sie fanden heraus, dass etwa 60 Prozent der NAFLD-Patienten hoch- und mittelstark alkoholproduzierende Klebsiella-Bakterien besaßen, während nur sechs Prozent der gesunden Kontrollpersonen diese Stämme im Darm aufwiesen.

Um auszuloten, inwieweit die Mikroben an der Entstehung einer Fettleber beteiligt sein könnten, führten die Wissenschaftler anschließend Untersuchungen an Mäusen durch. Sie besiedelten den Verdauungstrakt der Versuchstiere dazu mit den Klebsiella-Bakterien, die sie aus dem besonders intensiv betroffenen Patienten isoliert hatten. Ergebnis: Die Mäuse begannen tatsächlich Fettlebern zu entwickeln. Nach zwei Monaten zeigten die Organe auch Anzeichen von Narbenbildung, was bedeutet, dass erhebliche Schäden aufgetreten waren. Das Ergebnis war vergleichbar mit dem bei Kontrolltieren, die mit Alkohol gefüttert wurden, sagen die Forscher.

„NAFLD ist eine Erkrankung, die viele Ursachen haben kann“, betont Yuan. „Aus unserer Studie geht nun allerdings hervor, dass eine Besiedlung durch bestimmte Klebsiella-Bakterien eine davon sein kann“, resümiert der Wissenschaftler. Unklar bleibt bisher, warum manche Menschen diese intensiv alkoholproduzierenden Stämme im Darm besitzen, während dies bei anderen nicht der Fall ist. „Wahrscheinlich gelangen diese Bakterien über bestimmte Träger aus der Umwelt in den Körper, beispielsweise über Lebensmittel“, sagt Liu. „Einige Menschen haben möglicherweise eine Darmumgebung, die besser für das Wachstum und die Besiedlung dieser Mikroben geeignet ist als andere“.

Welche Faktoren jemanden anfälliger machen, wollen die Forscher nun durch weiterer Untersuchungen klären. Die Ergebnisse könnten somit der Diagnose und Behandlung von durch Bakterien verursachte Fettlebern dienen. „Im Frühstadium ist die Erkrankung reversibel. Wenn wir die Ursachen früher identifizieren können, könnten wir Leberschäden somit verhindern“, sagt Liu.

Quelle: Cell Press, Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2019.08.018

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Here’s a French letter from the 17th century, encrypted probably in a homophonic system or a nomenclator. Can a reader decipher it?

A representative of Le Manuscrit Français has contacted me. Le Manuscrit Français is a French trading company specializing in the sale of autograph letters and manuscripts of historical figures.

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The representative has come across an encrypted letter from the 17th century he would like to have deciphered. Here it is:

Source: 17th century letter

The letter contains a few cleartext passages written in French. The plaintext is most likely French, too.

Le Manuscrit Français has asked me not to publish any details about the background of this letter for the moment. I will, however, provide more information next week.

As can be seen, the author of the letter used an alphabet consisting of numbers (one-digit and two-digit) and symbols. In my view, there are two likely explanations for this:

  • Each number and each symbol stands for a letter. Frequent letters (such as the E) have several representations. An encryption system of this kind is referred to as “homophonic substitution”.
  • Each number stands for a letter, each symbol stands for a word. If this is the case, we are dealing with a nomenclator.

In addition, some numbers or symbols might have no meaning at all (nulls) or even make the letter before or after meaningless (nullifyer).

As frequent readers of this blog will know, breaking a homophonic cipher or a nomenclator can be difficult, or even not impossible, if no additional information, such as a crib or the substitution table, is available.

However, many encryption systems of this kind are flawed. For example, many nomenclators make an easy-to-detect distinction between letters and words. This might be the case here, too. If the system used by the letter author is a nomenclator, I’m pretty sure that the numbers and the symbols are used differently – most likely, numbers stand for letters, while symbols stand for words. In general, the homophonic substitutions and nomenclators used in the 17th century were often weak compared to the systems of later centuries.

All in all, I think there’s a good chance that this cryptogram can be broken. If a reader is successful, please let me know.


Further reading: An unsolved encrypted letter from the 17th century

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