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Gesundheit+Medizin

Salz kann dem Gehirn schaden

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Zu viel Salz ist ungesund (Foto: Sebalos/ iStock)
Eine zu salzreiche Ernährung gilt als wichtiger Risikofaktor für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch zu viel Salz kann offenbar auch unserem Gehirn schaden, wie eine Studie mit Mäusen nun enthüllt. Demnach bewirkt eine salzreiche Kost im Darm die Ausschüttung spezieller Immunbotenstoffe. Diese wiederum beeinträchtigen die Funktion der Adern im Gehirn und führen zu messbaren kognitiven Einbußen – und dies ganz unabhängig vom Blutdruck oder bereits bekannten Entzündungsreaktionen.

Unser Körper braucht Salz: Ohne das Natrium des Kochsalzes, können die Nerven keine Signale übertragen und auch die Muskeln arbeiten nicht richtig. Salz hilft dem Körper zudem dabei, unseren Wasserhaushalt zu regulieren. Doch in den letzten Jahren mehren sich die Hinweise darauf, dass ein Zuviel beim Salz langfristig der Gesundheit schaden kann. So treibt dies bei bestimmten Menschen den Blutdruck in die Höhe und kann Gefäßentzündungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Gleichzeitig scheint eine erhöhte Salzzufuhr auch unabhängig vom Blutdruck das Herz zu belasten und zu einem erhöhten Risiko für eine Herzschwäche zu führen, wie Forscher erst im letzten Jahr herausfanden. Ausgehend von diesen Daten empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich zu sich zu nehmen.

Gedächtnisprobleme nach acht Wochen

Schon länger besteht zudem der Verdacht, dass eine salzreiche Kost auch dem Gehirn schaden könnte. Ob das so ist und welche Mechanismen dahinterstehen, haben nun Giuseppe Faraco von Weill Cornell Medicine in New York und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie verabreichten sie zunächst verschiedenen Mäusegruppen ein Futter, das vier oder acht Prozent Kochsalz enthielt. „Damit ist diese Diät vergleichbar mit dem, was Menschen mit einer sehr salzreichen Koste zu sich nehmen“, erklären die Forscher. Nach acht Wochen dieser Fütterung untersuchten die Forscher, wie sich die Durchblutung des Gehirns dadurch verändert hatte. Das Ergebnis: Der Blutfluss war bei den salzreich ernährten Tieren im Cortex um 28 Prozent, in dem für das Gedächtnis wichtigen Hippocampus um 25 Prozent gesunken.

Um herauszufinden, wie sich dies auf die kognitiven Leistungen der Mäuse auswirkte, führten die Forscher zwei verschiedenen Gedächtnistests durch. Im ersten beobachteten sie, ob die Tiere bereits bekannte Objekte von völlig neuen unterscheiden konnten – letztere müssten sie dann länger beäugen und beschnüffeln. Im zweiten sollten sich die Mäuse daran erinnern, wo der Ausgang in einem Labyrinth lag. Es zeigte sich: In beiden Tests schnitten die salzreich ernährten Tiere deutlich schlechter ab als die normal gefütterten Kontrollmäuse. Dies galt sowohl für jüngere als auch für ältere Mäuse, wie die Wissenschaftler berichten. Allerdings: Diese kognitiven Einbußen erwiesen sich als reversibel: Bekamen die Mäuse einige Wochen lang wieder die normale, salzarme Kost, verbesserten sich auch ihre Gedächtnisleistungen wieder.

Effekt unabhängig von Blutdruck und Entzündung

Nun stellte sich die Frage, wodurch das Salz diese Effekte verursachte. Die bisher bekannten Folgen einer salzreichen Ernährung lassen sich oft auf eine chronische Entzündung der Gefäße und Gefäßwände zurückführen. „Doch in diesem Fall haben wir keinerlei Hinweise auf eine verstärkte Aktivität entzündlicher Enzyme gefunden“, berichten die Forscher. Auch die Entzündungsgene in den Hirngefäßen wurden nicht verstärkt abgelesen. „Das spricht dagegen, dass die kognitiven Einbußen und Störungen der Hirndurchblutung auf eine Entzündungsreaktion zurückgehen“, so Faraco und seine Kollegen.

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Stattdessen entdeckten die Forscher bei näherer Analyse einen anderen Zusammenhang: Wenn die Mäuse salzreiche Kost erhielten, stieg in ihrem Darm die Zahl bestimmter Immunzellen und mit diesen auch die Menge des ausgeschütteten Botenstoffs Interleukin-17 (IL-17). Dieser Botenstoff wiederum zirkuliert im Blut und gelangt so auch ins Gehirn. Dort beeinträchtigt er die Versorgung der Blutgefäße mit Stickstoffmonoxid (NO), einer Verbindung, die für die Erweiterung der Adern und damit die gute Durchblutung des Gehirns sorgt. Experimente ergaben: Hemmten die Wissenschaftler bei den Mäusen die Produktion des Interleukin-17, blieben auch die kognitiven und neurovaskulären Folgen der salzreichen Kost bei ihnen aus.

„Damit enthüllen unsere Beobachtungen eine bisher unbekannte Verbindung zwischen Darm und Gehirn“, konstatieren Faraco und seine Kollegen. „Demnach kann salzreiche Kost die Hirngefäße schädigen und dadurch die Hirnfunktion und die kognitiven Leistungen beeinträchtigen – und das unabhängig vom Blutdruck.“ Zwar haben die Forscher einen Großteil ihrer Versuche mit Mäusen durchgeführt, sie halten es aber für sehr wahrscheinlich, dass dieser Effekt auch beim Menschen vorkommt. Denn in ergänzenden Versuchen reagierten auch menschliche Hirngefäßzellen auf das Interleukin-17.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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