Schläft man mit dem Partner besser? - wissenschaft.de
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Schläft man mit dem Partner besser?

Schlafen in einem Bett tut Paaren offenbar gut. (Bild: andresr/iStock)

Sanfter Schlummer Seite an Seite? Viele Menschen wünschen sich, gemeinsam mit ihrem Partner in einem Bett zu schlafen – doch wie wirkt sich das auf die Schlafqualität aus? Offenbar kann sie profitieren, geht nun aus einer Studie hervor: Demnach fällt der für die emotionale Stabilität wichtige REM-Schlaf beim gemeinsamen Schlafen länger und stabiler aus, als wenn Paare getrennt voneinander die Nacht verbringen. Dieser Effekt hat somit möglicherweise eine Bedeutung für unser psychisches Wohlbefinden, sagen die Wissenschaftler.

In einer romantischen Beziehung wollen Menschen meist möglichst viel Zeit miteinander verbringen – dieses Bedürfnis erstreckt sich auch auf die Nacht: Es ist üblich, dass Partner das Bett miteinander teilen, selbst wenn getrennte Schlafmöglichkeiten vorhanden sind. Trotz der Bedeutung dieses menschlichen Verhaltens ist der Zusammenhang zwischen dem Teilen des Betts und Schlafqualität nur wenig untersucht und es liegen bisher teils widersprüchliche Ergebnisse vor. Die meisten Studien haben den Co-Schlaf mit dem Einzelschlaf bei Paaren verglichen, indem Forscher die Körperbewegungen erfassten. So wurde teilweise attestiert, dass Partner gemeinsam „unruhiger“ schlafen, als wenn sie alleine sind.

Doch wie die Forscher um Henning Drews vom Zentrum für Integrative Psychiatrie an der Christian-Albrechts Universität Kiel erklären, geben Bewegungen nur unzureichend Auskunft über die Schlafqualität. Was auf neurologischer Ebene beim Schlafen passiert, spiegelt sich hingegen in der Ausprägung bestimmter Schlafphasen wider. Aus diesem Grund haben sie nun dem Schlafverhalten von Paaren bei gemeinsamem und getrenntem Schlummer eine genauere Analyse gewidmet.

Doppel- und Einzelbett im Schlaflabor

An der Studie haben zwölf junge, gesunde Paare teilgenommen. Jeder Teilnehmer verbrachte vier Nächte im Schlaflabor unter zwei unterschiedlichen Umständen: allein in einem Einzelbett oder in einem Doppelbett der gleichen Bauart an der Seite des jeweiligen Partners. Die Wissenschaftler erfassten dabei die Schlafparameter durch das Verfahren der sogenannte Polysomnographie. „Dabei handelt es sich um eine sehr genaue und umfassenden Methode zur Erfassung des Schlafs auf verschiedenen Ebenen – von den Gehirnströmen über die Atmung, die Muskelspannung, die Bewegungen bis hin zur Herzaktivität“, sagt Drews. Zusätzlich füllten die Teilnehmer Fragebögen aus, mit denen Beziehungsmerkmale erfasst werden sollten – etwa die Dauer der Beziehung sowie der persönlich empfundene Grad der emotionalen Verbindung und Beziehungstiefe zum Partner.

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Wie die Forscher berichten, zeigte sich erneut, dass der Schlaf in Gegenwart des Partners von etwas mehr Bewegungen gekennzeichnet ist. Doch offenbar war dies nicht mit einer geringeren Schlafqualität verbunden, im Gegenteil: Wenn die Paare zusammen schliefen, fiel der mit schnellen Augenbewegungen verknüpfte REM-Schlaf um durchschnittlich zehn Prozent länger aus, als wenn die Probanden einzeln die Nacht verbrachten. Abgesehen von diesem Aspekt des Schlafens, waren keine anderen Stadien signifikant verändert, berichten die Wissenschaftler. Die leicht erhöhte Bewegungsaktivität stört demnach nicht die Schlafarchitektur. „Man könnte sagen, dass der Körper zwar etwas unruhiger ist, wenn man gemeinsam schläft, das Gehirn aber nicht“, so Drews.

Synchron optimierter REM-Schlaf

Der REM-Schlaf war beim Co-Schlafen nicht nur länger, er profitierte auch qualitativ, ging aus den Analysen hervor: Es kam zu vergleichsweise wenigen Unterbrechungen bei den Zyklen. Wie die Forscher erklären, handelt es sich dabei um einen sehr interessanten Befund, denn dem REM-Schlaf wird eine große Bedeutung zugemessen. Er wird nicht nur mit lebhaften Träumen in Verbindung gebracht, sondern auch mit der Regulation von Emotionen, der Gedächtniskonsolidierung, sozialen Interaktionen und kreativen Problemlösungsfähigkeiten. Mit anderen Worten: Er hat eine wichtige Bedeutung für unsere geistige Gesundheit, Leistungsfähigkeit und das emotionale Wohlbefinden.

Aus den Analyseergebnissen ging zudem hervor, dass sich das Schlafmuster von Partnern in einem gemeinsamen Bett synchronisiert. Diese Angleichung der Schlafphasen basiert dabei nicht etwa auf der gegenseitigen Störung durch die Aktivität des anderen, geht aus den Ergebnissen hervor. Interessanterweise zeigte dabei der Vergleich mit den Ergebnissen der Befragungen zu den Merkmalen der Beziehung: Je höher die Teilnehmer die Bedeutung ihrer Beziehung für ihr Leben einschätzten, desto stärker war die Synchronisation mit ihrem Partner im Schlaf.

Die Wissenschaftler räumen allerdings ein, dass nun weitere Untersuchungen nötig sind, um die Ergebnisse mit mehr Probanden zu bestätigen und die Bedeutung der Befunde weiter auszuloten. Es stellt sich unter anderem die Frage, ob die festgestellten Partner-Effekte beispielsweise auch bei älteren Menschen oder bei Partnerschaften mit bestimmten Merkmalen beziehungsweise Schlafverhaltensweisen vorhanden sind. So könnte sich genauer klären lassen, „inwieweit das gemeinsame Schlafen mit dem Partner Menschen tatsächlich einen Schub in Bezug auf ihre psychische Gesundheit, ihr Gedächtnis und ihre kreativen Fähigkeiten geben kann“, so Drews.

Quelle: Frontiers, Fachartikel: Frontiers in Psychiatry, doi: 10.3389/fpsyt.2020.00583

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