Schleimige Quelle neuer Antibiotika - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Schleimige Quelle neuer Antibiotika

Durch Schleim schützen sich Fische vor Krankheitserregern. (Bild: eep5d/iStock)

Die Biester wappnen sich: Viele Krankheitserreger haben Resistenzen gegen gängige Antibiotika entwickelt – die einstigen Wunderwaffen der Medizin versagen zunehmend. Neue Wirkstoffe sind deshalb gefragt. Nun berichten Forscher über eine vielversprechende Quelle für neue Antibiotika: Fischschleim. Genauer gesagt produzieren spezielle Bakterien in dieser Schutzschicht der Wassertiere Substanzen mit antibiotischer Wirkung. Deren Potenzial konnten die Wissenschaftler bereits eindrucksvoll dokumentieren.

Immer häufiger lautet der Befund: „Sie haben sich mit einem multiresistenten Keim infiziert“. Und das bedeutet Lebensgefahr, denn wenn kein Antibiotikum mehr anschlägt, nähern sich die medizinischen Möglichkeiten dem Niveau wie vor Jahrhunderten. Die Ursache für das Versagen der einstigen Wunderwaffen ist die Anpassungsfähigkeit von Bakterien. Durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Medizin oder auch der Tiermast konnten sich Erbanlagen entwickeln und unter den Mikroben ausbreiten, die sie vor der Wirkung der Substanzen schützen. Besonders berüchtigt ist in diesem Zusammenhang etwa der sogenannte Krankenhauskeim MRSA – ein multiresistenter Stamm des Bakteriums Staphylococcus aureus. Wenn dieser Erreger sich im menschlichen Körper ausbreitet, droht Lebensgefahr.

Eine Goldgrube für Wirkstoffe?

Somit ist klar: Es besteht enormer Bedarf an alternativen Wirkstoffen zu den bisherigen Antibiotika. Forscher suchen bereits bei einer Vielzahl unterschiedlicher Lebewesen nach antimikrobiell wirksamen Substanzen. Ein Team der Oregon State University in Corvallis hat in diesem Zusammenhang nun den Schleim von Fischen in den Fokus gerückt. Diese Substanz wirkte vielversprechend, da bekannt ist, dass sie die Tiere vor Krankheitserregern in ihrer Umgebung schützt. „Fischschleim ist besonders interessant, weil die Umgebung, in der die Tiere leben, ausgesprochen komplex ist und es dort viele potenzielle Krankheitserreger gibt“, sagt Co-Autorin Molly Austin. „Somit erscheint es interessant herauszufinden, ob etwas im Schleim nicht nur Fische, sondern auch Menschen schützen kann“, so die Wissenschaftlerin.

Es lag bereits der Verdacht nahe, dass nicht nur Schleimsubstanzen die Schutzfunktion vermitteln, sondern auch spezielle „freundliche“ Bakterien, die in der viskosen Substanz leben – ähnlich wie im Fall der menschlichen Hautflora. Um das antimikrobielle Potenzial der mikroskopischen Schleimbewohner auszuloten, haben die Forscher Sekret untersucht, das von Jungtieren verschiedener Fischarten der südkalifornischen Küste stammt. Wie sie erklären, nahmen sie gezielt junge Fische ins Visier, weil sie ein weniger entwickeltes Immunsystem besitzen und mehr Schleim produzieren als erwachsene Tiere.

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Vielversprechende Ergebnisse

Wie sie nun auf dem Meeting der American Chemical Society in Orlando berichten, haben sie 47 verschiedene Bakterienstämme aus dem Schleim isoliert und deren Potenzial im Kampf gegen Krankheitserreger analysiert. Ihre vorläufigen Ergebnisse wirken sehr vielversprechend: Fünf bakterielle Extrakte hemmen demnach stark den gefürchteten multiresistenten Staphylococcus aureus. Darüber hinaus konnten die Forscher auch eine Wirkung gegenüber einem berüchtigten pilzlichen Krankheitserreger zeigen: Drei Extrakte hemmten Candida albicans. Substanzen eines Bakteriums aus dem Schleim des pazifischen Rotbarschs unterdrückten offenbar sogar das Wachstum von Laborkulturen von Darmkrebszellen, berichten die Forscher.

Diese vielversprechenden Ergebnisse werden nun die Grundlage weiterer Untersuchungen bilden, kündigt das Team an. Auch grundlegende Fragen gibt es offenbar noch zu klären: „Wir wissen bisher nicht genau, was zu einem gesunden Mikrobiom des Fischschleims gehört“, sagt Co-Autorin Sandra Loesgen. Konkret ist unklar, ob die Bakterien, die das Team gefunden hat, typische Schleimbewohner mit Schutzwirkung sind, oder ob diese Mikroben nur zufällig einen Ritt auf den Fischen unternommen haben und eher aus der Umwelt stammen.

Quelle: American Chemical Society

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