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Schützt ein Hormon Frauen vor Leberkrebs?

Leber
Männer sind deutlich anfälliger für Leberzellkrebs als Frauen. (Bild: 7activestudio/ istock)

Unterschiede zwischen Mann und Frau zeichnen sich zunehmend auch im medizinischen Kontext ab – zum Beispiel, wenn es um die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen geht. So ist unter anderem bekannt, dass Männer deutlich häufiger an Leberzellkrebs erkranken als Frauen. Für diesen geschlechtsspezifischen Unterschied haben Forscher nun womöglich eine Erklärung gefunden: Offenbar schützt ein bestimmtes, in Fettzellen produziertes Hormon das weibliche Geschlecht vor dem Tumorleiden. Bei Männern scheint dagegen das Sexualhormon Testosteron die Produktion dieses schützenden Botenstoffs zu hemmen.

Weltweit erkranken jedes Jahr über eine Million Menschen an Leberkrebs. Die häufigste Form dieser Krebsart ist das sogenannte heptazelluläre Karzinom (HCC) – ein bösartiges Tumorleiden, das sich direkt aus den Leberzellen entwickelt. Diese Erkrankung zählt zu den vier häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Sie trifft deutlich mehr Männer als Frauen und öfter dicke als dünne Menschen. Doch warum ist das so? Wissenschaftler vermuten inzwischen, dass die Hormone eine Rolle spielen könnten. In den Fokus der Forschung ist in diesem Zusammenhang unter anderem der Botenstoff Adiponektin gerückt. Es handelt sich dabei um ein Peptidhormon, das in den Fettzellen gebildet wird und bestimmte Stoffwechselprozesse kontrolliert.

Hormoneller Botenstoff im Visier

„Interessanterweise ist der Adiponektin-Spiegel im Blut bei Frauen höher als bei Männern“, erklärt Guadalupe Sabio vom spanischen Zentrum für kardiovaskuläre Forschung (CNIC) in Madrid. Und nicht nur das: Auch von Übergewichtigen ist bekannt, dass bei ihnen die Konzentration dieses Hormons niedriger ist als bei normalgewichtigen desselben Geschlechts. „Ob Adiponektin aber tatsächlich eine Rolle bei der Entstehung des Leberzellkarzinoms spielt, war bisher umstritten und musste eingehender untersucht werden“, sagt Sabio.

Aus diesem Grund haben die Forscherin und ihre Kollegen den Einfluss des Botenstoffs nun genauer unter die Lupe genommen. Für ihre Studie führten sie Experimente mit Mäusen durch – auch bei den Nagern ist das männliche Geschlecht deutlich anfälliger für HCC als das weibliche. Im Experiment veränderte das Team die Versuchstiere mithilfe gentechnischer Methoden so, dass ihre Zellen kein Adiponektin mehr produzieren konnten. Wie würde sich dies auf ihr Risiko auswirken, an Leberzellkrebs zu erkranken? Es zeigte sich: Ohne das Hormon erkrankten Weibchen genauso häufig wie Männchen. Es gab keinen geschlechtsspezifischen Unterschied mehr. Adiponektin musste das Krebsrisiko demnach tatsächlich beeinflussen – aber wie?

Proteine blockieren Zellproliferation

Anschließende Untersuchungen offenbarten, dass das Peptidhormon zwei Proteine in Leberzellen aktiviert. Diese als p38 und AMPK bekannten Enzyme blockieren die Zellproliferation und beeinträchtigen das Tumorwachstum, wie die Wissenschaftler berichten. Unklar war damit jedoch noch immer eine weitere, entscheidende Frage: warum Männer weniger von diesem offenbar vor Krebs schützenden Hormon produzieren als Frauen. Um dies herauszufinden, führte das Team weitere Untersuchungen mit Nagern durch und stellte fest, dass das männliche Sexualhormon Testosteron dafür verantwortlich ist. Den Ergebnissen zufolge aktiviert Testosteron das Protein JNK1 in Fettzellen – und hemmt dadurch die Adiponektin-Produktion.

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„Wir haben damit ein Zusammenspiel zwischen Sexualhormonen, Fettgewebe und Leber aufgedeckt, das die Geschlechtsunterschiede beim Leberzellkarzinom erklären könnte“, konstatiert Sabio. Bestätigen sich die Resultate in künftigen Studien, eröffnen sich damit möglicherweise auch neue Möglichkeiten für die Therapie. So könnte sich zum einen die Gabe von Adiponektin selbst als Behandlungsansatz eignen. Zum anderen wäre auch eine Therapie mit dem Diabetesmittel Metformin denkbar, wie das Team erklärt. Denn dieser Wirkstoff wirkt auf dieselben Antikrebsproteine wie Adiponektin.

Quelle: Guadalupe Sabio (CNIC, Madrid) et al., Journal of Experimental Medicine, doi: 10.1084/jem.20181288

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