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Gesundheit+Medizin

Studie zu Vorzügen und Risiken des Vegetarismus

Salatteller
(Bild: unsplash.com, Anna Pelzer)
Die vegetarische Ernährung, sprich der Verzicht auf Fleisch, gilt als ein aktueller Trend. Dabei gab es diese Idee bereits in der griechischen Antike und seither hat sich das Ernährungskonzept in der Gesellschaft fest verankert. Auch die Weiterführung des Vegetarismus, der sogenannte Veganismus, wurde bereits im antiken Griechenland entwickelt und verzichtet vollständig auf den Genuss tierischer Lebensmittel wie Eier oder Milchprodukte. Lange Zeit stellten diese Ernährungsformen eine Minderheit dar. Das gilt zwar auch heutzutage noch, jedoch lässt sich eine starke Tendenz zur fleischfreien und pflanzlichen Ernährung erkennen. Angesichts dieser Entwicklung ist es interessant, einmal einen Blick auf die aktuelle Studienlage zu werfen, um zu klären, ob Vegetarier wirklich gesünder leben und welche Auswirkungen ihre besondere Ernährung sonst noch mit sich bringt.

Mögliche Gründe für Vegetarismus?

Die Gründe, weshalb sich ein Mensch gegen den Genuss von Fleisch oder tierischen Lebensmitteln im Allgemeinen entscheidet, sind vielfältig:

  • Manchen Personen schmecken entsprechende Lebensmittel schlichtweg nicht.
  • Viele versprechen sich davon gesundheitliche Vorteile.
  • Der Tierschutz wird ebenfalls oft als Grund aufgeführt.
  • Ebenso der Umweltschutz, allen voran der Kampf gegen den Klimawandel.

Diese sind nur einige Beispiele und jeder Mensch hat unterschiedliche Beweggründe für diese Entscheidung. Letzterer Punkt ist aber von besonderer Relevanz, denn der Klimawandel ist aktuell ein brisantes Thema und in diesem Zuge ist es nicht verwunderlich, dass der Vegetarismus sowie Veganismus derzeit einen Aufschwung erleben. Es handelt sich also zwar um kein neues Konzept, es ist aber durchaus ein solcher Trend erkennbar.

Inwiefern wird die Umwelt geschützt?

Tatsächlich hat die vegetarische Ernährung einen positiven Einfluss auf die Umwelt, was an verschiedenen Aspekten liegt, die an dieser Stelle aber nur grob angerissen werden sollen. Werden mehr pflanzliche und weniger tierische Produkte verzehrt, schafft das auch mehr Raum für das Wachstum von Pflanzen, was für das Klima von großer Wichtigkeit ist. Demgegenüber sind weniger Weideflächen notwendig, für welche viele Wälder, darunter auch der Regenwald, abgeholzt werden. Zudem produzieren die Rinderherden 150 bis 250 Liter Methan aus – und zwar pro Tag sowie Tier. Dadurch werden erhebliche Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases freigesetzt.

Ein weiteres Problem liegt im enormen Wasserverbrauch, welchen die Tierhaltung im Allgemeinen verzeichnet. Diese sind nur einige von vielen Aspekten, weshalb eine pflanzliche Ernährung als umweltfreundlicher gilt im Gegensatz zur tierischen – unabhängig davon, ob es sich um Fleisch oder nur um tierische Produkte wie eben Milch oder Eier handelt. Um bis zu 70 Prozent könnten demnach die klimaschädlichen Emissionen reduziert werden, wenn alle Menschen auf der Welt eine rein vegetarische Ernährung verfolgen würden, so das Ergebnis einer Studie der University of Oxford.

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Junge Frau mit Salatschale und Burger in den Händen
(Bild: stock.adobe.com, bondvit)

Ist Vegetarismus gesünder?

Gesünder für die Umwelt ist die vegetarische Ernährung somit auf jeden Fall. Neben dem Umwelt- und Tierschutz ist aber für viele Menschen, die als Vegetarier oder Veganer leben, vor allem ihre eigene Gesundheit das wichtigste Entscheidungskriterium. Da stellt sich die Frage, ob eine fleischlose Ernährung tatsächlich gesünder ist. Viele Studien haben sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt und dabei zahlreiche spannende Ergebnisse hervorgebracht:

  • Dieselbe bereits zitierte Studie der University of Oxford kam demnach zu dem Resultat, dass durch einen geringeren Fleischkonsum bis zum Jahr 2050 die Sterblichkeitsrate um sechs bis zehn Prozent verringert werden könnte. Umgerechnet bedeutet das die Vermeidung von sieben bis acht Millionen Fällen eines verfrühten Todes pro Jahr.
  • Eine weitere Studie aus dem „Journal Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ brachte sogar noch konkretere Ergebnisse hervor: Vegetarier wiesen in den Untersuchungen einen geringeren BMI auf. Ebenso weniger LDL- und HDL-Cholesterin, einen geringeren Glukose-Gehalt im Blut sowie weniger Triglyceride.
  • Auch die vegane Ernährung wurde in der Studie gesondert untersucht – mit vergleichbaren Resultaten. Einzig waren hier die HDL-Werte beim Cholesterinspiegel nicht signifikant niedriger als bei Personen mit Mischkost.

Prinzipiell ist die vegetarische oder vegane Lebensweise also tatsächlich gesünder. Allerdings ist bei den Vegetariern der niedrige Wert an HDL-Cholesterin nicht außer Acht zu lassen. Es ist daher sinnvoll, in regelmäßigen Abständen Blutuntersuchungen vorzunehmen, um bei zu geringen Werten handeln zu können. Solche Untersuchungen empfehlen sich aber für jeden Menschen, unabhängig von dessen Lebensweise. Bei der veganen Ernährung wird immer wieder behauptet, sie führe zwangsweise zu einem Nährstoffmangel. Die Übersichtsarbeit liefert aber auch hierzu eine wichtige Erkenntnis: Studien zur veganen Ernährung lassen nicht auf eine mögliche Gesundheitsgefahr schließen. Stattdessen lassen sich gesundheitliche Vorteile vermuten, allerdings gibt es noch nicht ausreichend Studien mit genügend Teilnehmern, um konkrete Ergebnisse als wissenschaftlich erwiesen zu betrachten.

Apfel mit Stethoskop
(Bild: stock.adobe.com, New Africa)

Weniger Krebs und Herzerkrankungen?

Dass die vegane sowie vegetarische Ernährung gesünder ist, wird auch durch das geringere Krebsrisiko deutlich. Diesbezüglich kam die Studie zu dem Resultat, dass dieses bei einer vegetarischen Ernährung um acht Prozent und bei einer veganen Ernährung sogar um 15 Prozent verringert ist. Zudem ist bei ischämischen Herzerkrankungen ein Rückgang um 25 Prozent festzustellen. Die Allgemeinsterblichkeit scheint um durchschnittlich zwölf Prozent verringert zu sein, jedoch gab es in der Studie nicht ausreichend Daten, um die Signifikanz zu erreichen. Es sind also Folgestudien mit größerer Personenzahl notwendig, um diese Ergebnisse zu stützen.

Zudem muss in weiteren Untersuchungen noch einmal unterschieden werden zwischen Veganern, die Vitamin B12 supplementieren und jenen, die dies nicht tun. Vermutet wird nämlich, dass nur mit diesem Nahrungsergänzungsmittel die positiven Effekte auf die Gesundheit zum Tragen kommen. Wer hingegen durch diese Sonderernährung einen Vitamin-B12-Mangel erleidet, hat dadurch ein um 20 Prozent höheres Schlaganfallrisiko als Menschen, die eine Mischkost pflegen, so das Ergebnis einer weiteren Studie der University of Oxford.

Sind Vegetarier depressiv?

Die Vorteile für die Gesundheit, die Umwelt sowie den Tier- und Klimaschutz scheinen also deutlich für eine vegetarische Ernährung zu sprechen und auch die vegane Ernährung bringt gemäß der aktuellen Studienlage zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich, wenn entsprechend auf den Vitamin-B12-Spiegel des Körpers geachtet wird. Dennoch könnte es auch eine Schattenseite geben, wie eine Veröffentlichung im „Journal of Affective Disorders“ deutlich macht. In der Studie fanden Psychologen heraus, dass vegetarisch lebende Männer ein höheres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken. Während nur rund vier Prozent der Männer mit Mischkost Anzeichen einer Depression zeigten, waren es bei den Vegetariern fast sieben Prozent – und zwar mit einer mittelschweren bis schweren Depression. Hinzu kommt eine signifikante Erhöhung bei den Zahlen einer milden Depression.

Erklärungsversuche schieben die Ursachen ebenfalls auf einen eventuellen Mangel an Vitamin B12, aber auch an Eisen oder Zink. Allerdings wurde in der Studie nicht berücksichtigt, ob die Probanden Nahrungsergänzungsmittel einnahmen und inwiefern eine umgekehrte Kausalität bestehen könnte. Auf gut Deutsch: Vielleicht wählen auch Männer mit einer milden bis schweren Depression häufiger die vegetarische oder vegane Ernährungsweise. Als Fazit lässt sich bei dieser Studie daher erst einmal nur festhalten, dass der Zusammenhang zwischen der Ernährung und der seelischen Gesundheit ein spannendes Themenfeld ist, dessen weitere Untersuchung sich lohnt.

Fazit

Tatsächlich gibt es also viele Argumente, welche für eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise sprechen. Dazu zählt in erster Linie eine bessere Gesundheit. Zusätzlich kann der Vegetarismus natürlich mit weiteren Konzepten wie der Low Carb Ernährung kombiniert werden, um beispielsweise Ziele wie eine Gewichtsabnahme zu erreichen und dadurch die eigene Gesundheit weiter zu verbessern. Allerdings ist in jedem Fall darauf zu achten, dass es zu keiner Mangelernährung kommt. Diese betrifft bei der Ernährung ohne Fleisch oder tierische Produkte im Allgemeinen vor allem das Vitamin B12. Ein zu geringer Vitamin-B12-Spiegel oder Mangel an weiteren wichtigen Nährstoffen birgt nämlich gesundheitliche Gefahren sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene. In vielen Bereichen befindet sich die Forschung zudem aktuell noch in den Kinderschuhen, obwohl die Konzepte des Vegetarismus und Veganismus bereits seit dem antiken Griechenland bestehen. Es bleibt also spannend, welche weiteren Erkenntnisse in Zukunft folgen und ob sich der aktuelle Trend langfristig halten wird.

04.12.2019

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