Jeder Mensch muss irgendwann sterben. Doch wo genau im Sterbeprozess liegt die Grenze zwischen Leben und Tod? Früher galt: Wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Atmung stoppt, ist das Leben aus dem Körper gewichen. Mit den heutigen Möglichkeiten der Reanimation gestaltet sich die Frage nach dem Tod jedoch komplizierter. Durch Herz-Lungen-Massage und künstliche Beatmung kann ein Toter noch einmal zurück ins Leben geholt werden. Für sein Gehirn gilt das nicht immer: Bereits nach wenigen Minuten ohne Sauerstoffversorgung sterben die Nervenzellen im Gehirn ab. Es kommt zu einem irreparablen Ausfall entscheidender Hirnfunktionen, den Mediziner als Hirntod bezeichnen. Diese Definition des Todes über das Gehirn gewinnt in Zeiten intensivmedizinischer Errungenschaften zunehmend an Bedeutung und spielt auch für die Organtransplantation eine Rolle. Denn erst nach dem Hirntod eines Menschen dürfen Ärzte in Deutschland Organe aus dessen Körper entnehmen.
Aktive Zellen Stunden nach dem Tod
Zvonimir Vrselja von der Yale School of Medicine in New Haven und seine Kollegen zeigen nun jedoch, dass der Tod des Gehirns möglicherweise nicht so irreversibel ist wie gedacht: Sie haben Schweinehirne – zumindest zum Teil – wieder zurück ins Leben geholt. Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler 32 Gehirne von sechs bis acht Monate alten Tieren von Schlachthöfen. Um die Organe zu reanimieren, entwickelten sie eine spezielle Perfusionsmaschine, die eine Umgebung wie im Körper simuliert. In diesem “BrainEx” genannten System wurden die Gehirne sechs Stunden lang bei Körpertemperatur mit einer komplexen Mischung aus künstlichem Blut und Nährstoffen durchströmt.
Dabei offenbarte sich: Obwohl die Behandlung erst vier Stunden post mortem begonnen hatte, konnten einige Organaktivitäten wiederhergestellt werden. Wie das Forscherteam berichtet, normalisierten sich Sauerstoffhaushalt und Energiebalance in den isolierten Gehirnen. Außerdem verlangsamte sich der Zelltod der Nervenzellen und manche Neuronen zeigten Zeichen von Funktionsfähigkeit. Vereinzelt ließen sich demnach sogar synaptische Aktivitäten nachweisen, wenn die Zellen in Hirnschnitten elektrophysiologisch stimuliert wurden. “Das Gehirn scheint ein bisher unterschätztes Potenzial zur Wiederherstellung bestimmter molekularer und zellulärer Aktivitäten zu besitzen”, konstatiert Vrseljas Kollege Nenad Sestan.
Keine Hinweise auf Bewusstsein
“Die Publikation knüpft an eine Beobachtung an, die vor 50 Jahren schon einmal für erhebliches Aufsehen in der internationalen Presse gesorgt hat. Damals konnte im Tierexperiment nachgewiesen werden, dass das Gehirn von Katzen und Affen nach einem kompletten Kreislaufstillstand von einer Stunde Dauer wiederbelebt werden kann”, erklärt der nicht an der Studie beteiligte Konstantin-Alexander Hossmann vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln. Vrselja und sein Team belegen nun, dass dies sogar noch nach mehreren Stunden möglich ist. Allerdings: Hinweise auf globale Hirnströme und somit höhere, komplexe Funktionen liefert ihre Untersuchung nicht.





