Auf uns und in uns wimmelt es: Der Mensch ist der Lebensraum einer kunterbunten Gemeinschaft aus vielen unterschiedlichen Mikroben-Arten. In den letzten Jahren ist die Bedeutung dieser Bewohner immer mehr in den Fokus gerückt. Zahlreiche Studien belegen bereits, wie wichtig ein günstig zusammengesetztes Mikrobiom für unsere Gesundheit ist. Im Darm, Mund und auf der Haut verhindern freundliche Bakterienarten etwa, dass sich Krankheitserreger breit machen können. Darüber hinaus haben die Winzlinge aber auch Auswirkungen auf unser Immunsystem und weitere Vorgänge im Körper. Beispielsweise wurden bestimmte Zusammensetzungen der Mikrobengemeinschaften mit Autoimmunerkrankungen, Übergewicht und sogar psychischen Problemen in Verbindung gebracht. Die Bedeutung eines gesunden Mikrobioms besitzt jedoch noch viel Forschungspotenzial, sagen Experten.
Typische Altersmuster zeichnen sich ab
Bekannt ist bereits, dass zahlreiche Faktoren die Zusammensetzungen der Gemeinschaften im Darm, Mund oder auf der Haut beeinflussen. Neben der Ernährung, verschieden Gewohnheiten, Lebensumständen und unseren Veranlagungen beeinflusst auch das Alter die Mikrobiome. Mit dem letzten Aspekt hat sich nun ein Team aus US-Wissenschaftlern genauer befasst. Den Anstoß zu der Studie lieferte eine Untersuchung aus dem Jahr 2014. Dabei hatten Forscher das Mikrobiom der Stuhlproben von Säuglingen in den ersten Lebensmonaten untersucht. Sie stellten fest, dass sich die Entwicklungsreife der Kinder in den bakteriellen Zusammensetzungen widerspiegelte. Im Rahmen der aktuellen Studie wollten die Wissenschaftler nun herausfinden, inwieweit sich diese Verknüpfungen auch auf Erwachsene unterschiedlichen Alters und auf die Mikroben anderer Körperbereiche übertragen lassen.
Als Informationsquelle dienten ihnen dabei Mikrobiom-Sequenzierungsdaten aus öffentlichen Datenbanken und aus mehreren Citizen-Science-Projekten verschiedener Länder, bei denen Mikrobiom-Messwerte von Stuhl-, Speichel- oder Hautabstrichen der Teilnehmer erfasst wurden. Insgesamt stützt sich die Studie auf 4434 Stuhlproben, 2550 Speichelproben sowie auf 1975 Hautproben. Die Teilnehmer, deren Daten in der Studie verwendet wurden, waren zwischen 18 und 90 Jahre alt und wiesen keine Erkrankungen oder sonstige Umstände auf, die sich verzerrend auf das Ergebnis auswirken könnten. Wie die Forscher erklären, fütterten sie die Daten einem speziellen Computerprogramm, das zum maschinellen Lernen fähig ist: Das intelligente System kann durch Training mit der Zeit bestimmte Muster in Daten erkennen, um sie mit anderen Variablen – in diesem Fall dem Alter – zu verknüpfen.
Verfahren mit medizinischem Potenzial
Wie die Forscher berichten, war ihr System schließlich in der Lage, anhand der Mikrobiomproben das chronologische Alter einer Person mit unterschiedlicher Genauigkeit einzuschätzen. Hautproben lieferten demnach die genaueste Vorhersage mit plus-minus 3,8 Jahren, gefolgt von den oralen Proben mit 4,5 Jahren und 11,5 Jahren bei den Stuhlproben. Das Erkennungskriterium war dabei die Vielfalt und Häufigkeit der Mikrobenarten, die tendenziell mit zunehmendem Alter schwindet, erklären die Wissenschaftler. Ein möglicher Grund dafür, dass sich gerade die auf unserer Haut lebenden Mikroben so deutlich verändern, ist den Forschern zufolge der Wandel der Hautphysiologie im Verlauf der Jahre: Für bestimmte Altersabschnitte sind jeweils spezielle Merkmale der Talkproduktion und Feuchtigkeit typisch, die sich auf die Mikrobenbesiedlung auswirken.





