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Gesundheit|Medizin

Väterliche Fürsorge beeinflusst Testosteronspiegel der Söhne

Testosteron
Das männliche Geschlechtshormon Testosteron. © Evgeny Gromov /iStock

Männer, die sich fürsorglich um ihre Kinder kümmern, weisen oft einen geringeren Testosteronspiegel auf als solche, die keine Kinder haben oder sich wenig in deren Betreuung einbringen. Eine Langzeitstudie an fast 1000 jungen Männern legt nun nahe, dass das Verhalten der Väter auch einen Einfluss auf den späteren Hormonhaushalt ihrer Söhne haben könnte. Demnach ist der Testosteronspiegel bei frischgebackenen Vätern niedriger, wenn sich ihr eigener Vater während ihrer Jugend viel um sie gekümmert hat. Väterliche Fürsorge in der frühen und mittleren Kindheit dagegen hat den Ergebnissen zufolge hingegen keinen Einfluss.

Das Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst maßgeblich, auf welche Weise sich männliche Individuen für die Fortpflanzung engagieren. Das lässt sich bei Tieren beobachten und in Teilen auch beim Menschen: Männer mit hohem Testosteronspiegel investieren typischerweise mehr in das Werben um Sexpartnerinnen, während ein niedriger Testosteronspiegel begünstigt, dass sich ein Mann um seinen Nachwuchs kümmert. Frühere Studien haben bereits nachgewiesen, dass der Testosteronspiegel bei Männern sinkt, wenn sie Vater werden und sich an der Betreuung der Kinder beteiligen.

Langzeitstudie zur Vater-Sohn-Beziehung

Ein Team um Lee Gettler von der University of Notre Dame in Indiana hat nun erforscht, welchen Einfluss die Beziehung zum eigenen Vater auf den Testosteronspiegel junger Männer hat. Dazu befragten die Forscher zwischen 1983 und 2014 die Familien von 966 philippinischen Jungen vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter und maßen anhand von Speichelproben den Testosteronspiegel der Söhne im Erwachsenenalter. Für die Auswertung analysierten Gettler und sein Team, inwieweit die Präsenz des Vaters während der frühen und mittleren Kindheit sowie während des Jugendalters mit dem späteren Testosteronspiegel der Söhne assoziiert war.

Das Ergebnis: „Wenn die Väter mit ihren Söhnen zusammenlebten und sich während der Jugendzeit an der Kinderbetreuung beteiligten, hatten die Söhne im Erwachsenenalter einen niedrigeren Testosteronspiegel – sowohl bevor als auch nachdem sie selbst Eltern wurden“, berichten die Forscher. Dieses Ergebnis war unabhängig vom eigenen Erziehungs- und Partnerschaftsverhalten der Söhne, das ebenfalls einen Einfluss auf den Testosteronspiegel haben kann. Ebenfalls keine Rolle spielte es für den Testosteronspiegel der Söhne, ob der Vater während der frühen und mittleren Kindheit – also vor der Pubertät – präsent war.

Sozialer Einfluss auf den Testosteronspiegel

Aus Sicht der Forscher ist die wahrscheinlichste Erklärung für diese Effekte, dass die soziale Beziehung zum Vater während der Pubertät die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Achse verändert, die die Produktion von Testosteron reguliert. Diese ist vor der Pubertät weitgehend inaktiv und beginnt erst im Jugendalter auszureifen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Adoleszenz ein sensibler Zeitraum sein könnte, in dem Erfahrungen mit Fürsorge und sozialen Beziehungen, insbesondere mit Vätern, die Testosteronregulierung der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinflussen können“, schreiben die Forscher.

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Allerdings haben die Autoren nicht erhoben, welchen Testosteronspiegel die Väter der untersuchten jungen Männer hatten. Da die Regulation der Testosteronproduktion auch eine erbliche Komponente hat, könnte dies eine alternative Erklärung sein. „Wenn beispielsweise Väter, die genetisch dazu veranlagt sind, höhere Testosteronwerte zu haben, sich deshalb weniger um die Kinderbetreuung kümmern, könnten ihre Söhne diese Gene erben und selbst höhere Testosteronwerte produzieren – nicht wegen der sozialen Prägung, sondern wegen der genetischen Veranlagung“, erklären die Autoren. Allerdings halten sie es für unwahrscheinlich, dass sich die Ergebnisse vollständig durch genetische Faktoren erklären ließen: „Ein solcher genetischer Effekt würde das Verhalten der Väter in allen Altersstufen der Entwicklung ihrer Kinder beeinflussen und nicht nur in der Adoleszenz.“

Quelle: Lee Gettler (University of Notre Dame, Indiana, USA) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2202874119

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