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Gesundheit+Medizin

Viele Erwachsene schätzen ihre Figur falsch ein

Figur
Das subjektive Körperbild stimmt nicht immer mit der Realität überein. (Bild: Prostock-Studio/ iStock)

Zu dick, zu dünn oder im Normalbereich? Bei dieser Frage verschätzen sich viele Menschen in Bezug auf ihr eigenes Körpergewicht. Das zeigt eine Studie mit 744 Erwachsenen in Polen. Nur knapp zwei Drittel der Befragten ordneten sich in die korrekte Gewichtskategorie ein und weniger als die Hälfte identifizierte zutreffend eine Körpersilhouette, die der eigenen Figur entsprach. Vor allem Männer neigten dazu, sich für schlanker zu halten als sie sind. Zufrieden mit den eigenen Körpermaßen war nur jede vierte Testperson. Vor allem Frauen wünschten sich oft eine schlankere Figur.

Bei vielen Menschen, die unter Essstörungen wie Magersucht leiden, ist das eigene Körperbild gestört. Oft halten sie sich für dicker als sie sind. Doch auch bei Menschen mit einem nicht krankhaften Essverhalten kann sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers von der Realität unterscheiden. Aus psychologischer Sicht kann dies gesundheitlich bedenklich sein: Wer sich fälschlicherweise für zu dick hält, hat ein erhöhtes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln. Wer dagegen eigenes Übergewicht oder Fettleibigkeit nicht erkennt, wird weniger wahrscheinlich eine gesunde Gewichtsreduktion anstreben.

Viele Fehleinschätzungen

Ein Team um Wojciech Gruszka von der Schlesischen Medizinischen Universität Katowice in Polen hat für 744 polnische Erwachsene erhoben, wie gut sie die eigenen Körpermaße einschätzen können und wie zufrieden sie mit ihrer Figur sind. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 36 Jahre alt, 60,7 Prozent waren Frauen. Die Befragungen fanden zwischen 2010 und 2011 statt. „Um zu erfassen, wie die Probanden das eigene Gewicht einschätzen, fragten wir sie zunächst, ob sie sich als untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig oder fettleibig einschätzen“, erläutern die Forscher. Im Anschluss maßen und wogen sie die Teilnehmer und berechneten ihren Body-Mass-Index (BMI). Entsprechend den Kategorien der Weltgesundheitsorganisation WHO werteten sie einen BMI unter 18,5 als Untergewicht, 18,5 bis 24,9 als Normalgewicht, 25 bis 29,9 als Übergewicht und einen BMI über 30 als Fettleibigkeit.

Das Ergebnis: „Nur bei 63,5 Prozent der Befragten stimmte die Selbsteinschätzung mit der tatsächlichen Gewichtskategorie überein“, berichten die Forscher. 17,6 Prozent der Normalgewichtigen hielten sich für untergewichtig, 14,3 Prozent für übergewichtig und 0,5 Prozent für fettleibig. Von den Übergewichtigen glaubten 30,8 Prozent, sie seien normalgewichtig, 1,4 Prozent hielten sich für untergewichtig, 2,8 Prozent für fettleibig. Den größten Anteil Fehleinschätzungen gab es bei den Fettleibigen: Von ihnen stuften sich 41,6 Prozent als übergewichtig statt als fettleibig ein. „Die Selbstdiagnose von Fettleibigkeit ist sehr belastend, daher ziehen es Patienten mit Fettleibigkeit vor, sich als übergewichtig zu bezeichnen“, schreiben die Autoren.

Abweichendes Körperbild

Noch deutlicher fielen die Ergebnisse aus, als die Autoren die Körpereinschätzung der Teilnehmer nicht verbal, sondern anhand von Bildern erhoben. Sie zeigten ihnen eine Reihe von neun menschlichen Silhouetten, die von sehr dünn bis sehr dick reichten, und baten sie, die Silhouette zu benennen, die aus ihrer Sicht am ehesten der eigenen Körperform entsprach. Hier wählte nur knapp die Hälfte der Teilnehmer die objektiv passende Körperform. In den meisten Fällen entschieden sie sich für eine dünnere Silhouette. Sowohl bei der verbalen als auch bei der bildlichen Einordnung neigten Männer deutlich häufiger als Frauen dazu, sich für schlanker zu halten als sie sind.

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Eine Erklärung für die Tendenz, sich schlanker einzuschätzen als man ist, könnte aus Sicht der Autoren sein, dass Übergewicht allgemein in der Bevölkerung zunimmt und daher eher als „normal“ wahrgenommen wird. Wer sich mit Personen im eigenen Umfeld vergleicht, könne demnach durchaus zu dem Ergebnis kommen, verhältnismäßig schlank zu sein – auch wenn das eigene Gewicht nach objektiven Kriterien zu hoch ist.

Unzufrieden mit der eigenen Figur

Um zusätzlich herauszufinden, wie zufrieden die Teilnehmer mit ihrem Körper sind, fragten die Forscher außerdem ab, welche der gezeigten Silhouetten sie gerne hätten. Nur jeder vierte Proband wählte hier die Silhouette, die er zuvor als eigene Körperform genannt hatte. Zwei Drittel der Teilnehmer, darunter vor allem Frauen, wünschten sich eine schmalere Körperform, rund neun Prozent eine kräftigere.

Die Unzufriedenheit mit der eigenen Figur kann aus Sicht der Autoren Chance und Risiko zugleich sein. „Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist vor allem bei Frauen ein wichtiger Risikofaktor für depressive Symptome“, erklären die Autoren. Andererseits sei gerade bei Übergewichtigen und Fettleibigen der Wunsch abzunehmen ein wichtiger Ausgangspunkt für eine gesündere Ernährung. Wer sich trotz massiven Übergewichts als normalgewichtig einschätzt, ist demnach seltener bereit, seinen Lebensstil zu verändern. „Weitere Studien sollten abklären, inwieweit Psychotherapie dabei helfen kann, den eigenen Körper realistischer wahrzunehmen und das eigene Gewicht besser unter Kontrolle zu halten“, so die Autoren.

Quelle: Wojciech Gruszka (Schlesische Medizinische Universität Katowice, Polen) et al., Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-04706-6

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