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Gesundheit+Medizin

Warum Bauchfett hartnäckiger ist

Intervallfasten
Wie wirkt Intervallfasten auf das Körperfett? (Bild: Tatiana/ iStock)

Das unsere Organe umgebende Bauchfett gilt als besonders gesundheitsschädlich – und ist das Ziel vieler Diätansätze. Wie sich das Intervallfasten auf dieses viszerale Fett auswirkt, hat nun ein Forscherteam an Mäusen untersucht. Es zeigte sich: Wenn die Mäuse abwechselnd einen Tag fasteten und einen Tag fraßen, veränderte sich die Produktion von rund 1800 verschiedenen Proteinen in ihren Körperfettdepots. Während beim Unterhautfett dadurch der Fettabbau angekurbelt wurde, gab es beim Bauchfett jedoch eine Gegenreaktion: Dieses Fettgewebe fuhr beim Intervallfasten die Fettproduktion hoch und verhinderte so den schnellen Abbau.

Das Intervallfasten gilt heute als vielversprechender Ansatz, um zügig und dauerhaft an Gewicht und vor allem Fett zu verlieren. Studien zeigen zudem, dass dieses Abnehmkonzept sich auch positiv auf den Blutzucker-Stoffwechsel und die Cholesterinwerte auswirkt. Je nach Modell kann das Intervallfasten entweder darin bestehen, dass man die Zeit seiner täglichen Nahrungsaufnahme begrenzt – beispielsweise indem man über Nacht eine mindestens 12 bis 16 Stunden lange Esspause einlegt. Eine andere Variante ist das tageweise Fasten: Dabei isst man einen Tag normal, einen dagegen stark kalorienreduziert. Auch Wechselschemata mit fünf normalen zu zwei Fastentagen sind verbreitet. Diese wiederholten Fastenintervalle bewirken im Körper unter anderem, dass Enzyme und Stoffwechselwege für den Fettabbau hochgefahren werden, während die Neuproduktion von Fettgewebe gebremst wird.

Intervallfasten verändert das Proteom der Fettgewebe

Allerdings ist in unserem Körper Fett nicht gleich Fett: Das subkutane Fettgewebe unter der Haut verhält sich in mancher Hinsicht anders als das viszerale Fett – das Fett, das im Bauchraum sitzt und unsere inneren Organe umgibt. Eine dritte Form sind die kleinen Vorräte an Braunfett, die primär zur schnellen Produktion von Wärme und Energie benötigt werden und besonders schnell abgebaut werden. Dylan Harney und seine Kollegen von der University of Sydney haben nun an Mäusen näher untersucht, wie die verschiedenen Fettdepots des Körpers auf ein Intervallfasten reagieren. Konkret analysierten sie dafür die Gesamtheit der Proteine, die in den Fettgeweben während eines normalen Fastens und bei längerem Intervallfasten produziert werden. Beim Intervallfasten durften die Mäuse abwechselnd einen Tag lang beliebig viel fressen, einen Tag bekamen sie kein Futter.

Die Analysen ergaben: In Reaktion auf das Intervallfasten zeigten sich bei den Mäusen signifikante Veränderungen bei rund 1800 Proteinen der Fettgewebe. Diese Veränderungen waren unabhängig davon, ob das Tier gerade einen Fastentag oder einen Futtertag hatte. Bei den Mäusen, die nur einmalig fasteten, waren dagegen nur rund 300 Proteine in den Fettdepots verändert. „Dieser große Unterschied in der Proteom-Reaktion beim Intervallfasten und akuten Fasten deutet darauf hin, dass die wiederholten Fastenzeiten beim Intervallfasten die Veränderungen verstärken“, erklären Harney und seine Kollegen. Die stärksten Veränderungen fanden sie bei Proteinen, die mit dem Zellstoffwechsel und im Speziellen den Mitochondrien verknüpft sind. Wie die Forscher erklären, passt dies zu Beobachtungen, nach denen Fasten zu einer Vermehrung der Mitochondrien im weißen Fettgewebe führt. Diese wiederum sind die Voraussetzung dafür, das Fett in Energie umzuwandeln und es damit zu „verbrennen“.

Bauchfett: Mehr Fettsynthese statt mehr Fettabbau

Auf den ersten Blick legt dies nahe, dass das Intervallfasten wie erwartet die Fettverbrennung anregt. Doch bei näherer Analyse fanden die Wissenschaftler deutliche Unterschiede zwischen der Reaktion des Bauchfetts zum subkutanen Fett: Während das Unterhautfettgewebe tatsächlich vermehrt Enzyme zum Fettabbau produzierte, war dies beim viszeralen Fett nicht der Fall. Stattdessen reduzierte sich in diesen Fettzellen ein für die Fettauflösung wichtiges Protein auf ein Viertel und auch weitere Enzyme für den Fettabbau nahmen ab statt zu. Dafür stieg der Gehalt der für den Fettaufbau nötigen Proteine im viszeralen Fett an. „Das zeigt, dass sich diese Fettdepots an das Intervallfasten anpassen“, schreiben Harney und sein Team. „Am auffälligsten ist dabei das Herunterregeln der Lipolyse und das Hochfahren der Stoffwechselwege für die Synthese von Fettsäuren im viszeralen Fettgewebe.“

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Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass gerade das Bauchfett beim Intervallfasten auf eine Art Sparmodus umschaltet: „Das viszerale Fett kann sich offenbar an wiederholte Fastenzeiten anpassen und seinen Energievorrat schützen“, erklärt Seniorautor Mark Larance. „Diese Art der Anpassung könnte der Grund sein, warum das Bauchfett selbst bei längeren Diätperioden dem Abnehmen hartnäckig widerstehen kann.“ Auch wenn sie ihre Studie mit Mäusen durchgeführt haben, halten die Forscher es für wahrscheinlich, dass ähnliche Mechanismen auch bei uns Menschen am Werk sind. Ob dieser unerwünschte Anpassungseffekt des Bauchfetts allerdings auch bei anderen Intervallfasten-Modellen auftritt, muss nun noch untersucht werden. „Jetzt da wir gezeigt haben, dass Bauchfett bei Mäusen gegen diese Diätform resistent werden kann, ist die große Frage, warum das so ist und wie man dies am besten verhindern kann“, sagt Larance.

Quelle: Dylan Harney (University of Sydney) e al., Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2021.108804

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