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Gesundheit+Medizin

Was gegen den Alkohol-Kater hilft

Eine Mischung aus Pflanzenextrakten kann offenbar für weniger Kopfschmerzen und Übelkeit nach Alkoholkonsum sorgen. (Bild: Traitov/iStock)

Brummschädel, Übelkeit… und die Laune ist im Keller. Was den Kater nach übermäßigem Alkoholkonsum verursacht und wie er sich abmildern lässt, ist erstaunlicherweise noch immer unklar. Nun liefert eine Studie dazu neue Hinweise. Die Ergebnisse widersprechen der Annahme, dass Alkohol zu einem Wasserverlust führt und dass eine Zufuhr von Vitaminen und Mineralien den Kater eindämmen können. Eine mildernde Wirkung konnten die Forscher hingegen bei der Einnahme eines Cocktails aus Pflanzenextrakten feststellen. Welche Substanzen allerdings genau den positiven Effekt verursachen, müssen erst weitere Untersuchungen klären.

Feucht-fröhliche Abende mit reichlich Hochprozentigem können bekanntlich ein übles Nachspiel haben: Infolge von übermäßigem Alkoholkonsum kommt es zu Unwohlsein und einer Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Veisalgia heißt dazu der medizinische Fachausdruck. Im Volksmund gibt es eine Menge „Weisheiten“ dazu, was diesen sogenannten Kater auslöst und wie man ihn verhindern oder vertreiben kann. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Thema sind allerdings eher vage. Man vermutet, dass die Symptome direkt durch den Alkohol ausgelöst werden beziehungsweise durch Stoffwechselzwischenprodukte. Als eine Ursache wird aber auch oft ein Wasserverlust und ein damit verknüpfter Mangel an elektrisch geladenen Mineralien (Elektrolyten) im Körper genannt.

Dem Kater auf der Spur

Dem Thema Alkohol-Kater haben nun Forscher der Universität Mainz eine Studie gewidmet. Die Biologen haben untersucht, inwieweit es durch Alkoholkonsum zu einem Wasserverlust kommt und ob die Kater-Symptome durch die Einnahme bestimmter Substanzen schwächer ausfallen. An der Untersuchung haben 214 Probanden im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teilgenommen. An einem Abend konsumierten sie zwischen 17 und 21 Uhr nach Wahl Bier oder Weißwein. Im Durchschnitt belief sich die Alkoholaufnahme auf 1,6 Gramm Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei einem Gewicht von 60 Kilogramm etwa 2,5 Liter Bier, erklären die Forscher. Sie erfassten im Rahmen des Versuchs zudem das Ausmaß der Flüssigkeitsaufnahme und der Urinausscheidung bei den einzelnen Probanden.

Für das eigentliche Experiment ordneten die Forscher die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip drei Gruppen zu: 45 Minuten vor sowie unmittelbar nach dem Getränkekonsum nahmen diese eines von drei unterschiedlichen wasserlöslichen Nahrungsergänzungsmitteln ein. Die erste Gruppe erhielt ein Supplement, das bestimmte Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralien sowie zusätzliche antioxidative Verbindungen – Steviolglykoside und Inulin – enthielt. Die zweite Gruppe erhielt ein Supplement ohne die Pflanzenextrakte, während die dritte Gruppe ein Placebo erhielt – eine reine Zuckerlösung. Bei den Pflanzenextrakten handelte es sich um Auszüge von Acerolakirsche, Kaktusfeige, Ginkgo, Silberweide und Ingwerwurzel, berichten die Forscher. Wie sie erklären, lagen Hinweise vor, dass diese Extrakte eine günstige Wirkung im Rahmen von Kater-Symptomen entfalten könnten.

Zwölf Stunden nach dem „wissenschaftlichen Gelage“ füllten die Teilnehmer einen Fragebogen über die Art und Intensität der wahrgenommenen Kater-Symptome aus: Sie ordneten sie auf einer Skala von null bis zehn ein. Wie zu erwarten war, gab es bei der Intensität der Symptome unter den Teilnehmern starke persönliche Unterschiede. Doch durch statistische Verfahren ließen sich Hinweise auf die Wirkungen der Supplemente herausarbeiten.

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Pflanzenextrakte mildern Hangover-Symptome

Wie die Forscher berichten, konnten sie bei der Gruppe, die lediglich Mineralstoffe und Vitamine ohne den Pflanzenextrakt erhalten hatte, keine positiven Effekte feststellen – den Probanden ging es vergleichbar schlecht wie denjenigen aus der Placebo-Gruppe. Die Versuchsteilnehmer, die den Pflanzen-Cocktail eingenommen hatten, berichteten hingegen über deutlich weniger schwere Symptome: Ihre durchschnittliche Kopfschmerzintensität fiel um 34 Prozent und die Übelkeit um 42 Prozent geringer aus. Gefühle der Gleichgültigkeit beziehungsweise Apathie waren um 27 Prozent schwächer ausgeprägt und ihre Ruhelosigkeit zeigte gegenüber der Placebogruppe eine Reduktion um 41 Prozent.

Das Fehlen einer Wirkung bei den Vitaminen und Mineralien ohne die Pflanzenextrakte werten die Forscher als einen Hinweis darauf, dass Alkohol die Elektrolyt- und Mineralienbalance des Körpers nicht beeinflusst, wie allgemein angenommen wird. Ihre Auswertungen ergaben zudem, dass der Wassergehalt im Körper nicht signifikant mit der Menge des getrunkenen Alkohols verknüpft war. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine alkoholinduzierte erhöhte Flüssigkeitsausscheidung nicht unbedingt zu einem signifikanten Dehydrierungsprozess führt“, schreiben die Wissenschaftler. Die Ergebnisse sprechen ihnen zufolge nun dafür, dass die Kater-Symptome vorwiegend durch Alkohol und seine Metabolite verursacht werden. Und dieser Effekt lässt sich offenbar durch Pflanzenextrakte zumindest etwas eindämmen, wie aus den Ergebnissen hervorgeht.

Bisher können die Forscher allerdings nicht feststellen, welcher Auszug oder welche Substanz genau für den günstigen Effekt verantwortlich ist. „Die zugrundeliegenden Mechanismen müssen noch geklärt werden und bedürfen sicherlich weiterer Untersuchungen“, schreiben die Forscher. „Unsere Ergebnisse machen aber deutlich, dass eine Intervention gegen Kater-Beschwerden auch eine klinische Signifikanz hat“, sagt Co-Autor Patrick Schmitt von der Universität Mainz. Zukünftige Untersuchungen könnten ihm zufolge nun aus den verschiedenen Pflanzenstoffen den Wirkstoff herausarbeiten, der für die positiven Effekte gegen die Kater-Beschwerden verantwortlich ist. „Dann könnte man aus dieser Substanz eventuell auch ein Medikament herstellen“, meint Schmitt.

Einstweilen gibt es natürlich eine eindeutig effektive Möglichkeit, den Katzenjammer einzudämmen: beim Alkoholkonsum schlicht nicht übertreiben!

Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Fachartikel: BMJ Nutrition, Prevention & Health, doi: 10.1136/bmjnph-2019-000042

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