Bisher gibt es kein Mittel gegen die vom Coronavirus Sars-CoV-2 verursachte Krankheit Covid-19. Mediziner können Patienten mit schweren Verläufen, die Lungenentzündungen und akute Atemnot entwickeln, nur unterstützend behandeln. Doch gegen das im Körper wütende Virus haben sie nichts in der Hand. Entsprechend fieberhaft suchen Forscher in aller Welt nach Mitteln, die gegen Sars-CoV-2 helfen könnten. Einer der vielversprechenden Kandidaten ist das antivirale Präparat Remdesivir vom US-Pharmakonzern Gilead. Dieser hatte Remdesivir ursprünglich gegen das Ebola-Virus entwickelt, gegen das es aber wenig effektiv war. Dafür kann dieses Mittel die Vermehrung der mit Sars-CoV-2 eng verwandten Sars und Mers-Viren hemmen, wie Tierversuche ergeben hatten. Die antivirale Wirkung von Remdesivir beruht auf seiner Funktion als sogenanntes Nukleotidanalog. Weil es in seiner Struktur RNA-Bausteinen ähnelt, wird es bei der Virenvermehrung irrtümlich in die Erbgutstränge der neuen Viruskopien eingebaut. Das blockiert die Vervollständigung der Viren-RNA und verhindert so, dass funktionsfähige neue Viren entstehen.
Schnellere Erholung, leicht geringere Todesrate
Um das Potenzial von Remdesivir gegen Covid-19 zu testen, sind im Februar 2020 zwei größere klinische Studien der Phase III angelaufen – eine wurde mit 237 Patienten in mehreren Kliniken in Wuhan durchgeführt, musste dann aber mangels weiterer Covid-19-Fälle abgebrochen werden. Die andere umfasste 1063 Patienten in 47 Kliniken in den USA und 21 weiteren Zentren in Europa und Asien. Bei beiden Studien handelt es sich um sogenannte randomisierte Doppelblindstudien: Weder Patienten noch behandelnde Ärzte wussten, wer in den täglichen Injektionen ein Placebo und wer den Wirkstoff bekam. Diese Art der klinischen Studie gilt in der Medizin als “Goldstandard”, weil eine Verzerrung der Ergebnisse durch die Erwartungen weitgehend vermieden wird. Beide Studien verabreichten Remdesivir Patienten mit schweren Verläufen ab etwa zehn Tagen nach Symptombeginn.
Jetzt liegen erste Ergebnisse für diese Studien nach höchsten Standards vor. Das Team aus Wuhan veröffentlichte ihre Daten bereits im Fachjournal “The Lancet”, für die US-Studie steht eine begutachtete Veröffentlichung noch aus, es gibt nur Angaben vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das die Studie in Auftrag gegeben hat. In beiden Studien zeigte Remdesivir den Angaben zufolge einen leicht positiven Effekt. Demnach erholten sich die Patienten mit dem Mittel einige Tage schneller als mit Placebo – in China waren es 18 gegenüber 23 Tage, in den USA waren es elf Tage gegenüber 15 Tagen in der Placebogruppe. In China reichten diese Unterschiede jedoch nicht aus, um statistisch signifikant zu sein, in den USA schon. Ebenfalls leichte, aber nicht signifikante Effekte zeigten sich bei den Todesraten: In China starben mir Remdesivir elf Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es 15 Prozent. In den USA lag die Todesrate bei den mit dem wirkstoffbehandelten Patienten bei acht Prozent, mit Placebo starben 11,6 Prozent der Covid-19-Erkrankten.





