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Gesundheit|Medizin

Wie „Magic Mushrooms“ im depressiven Gehirn wirken

Psilocybe
Pilze der Gattung Psilocybe enthalten eine psychoaktive Substanz. © Alexander_Volkov/ iStock.com

Studien deuten darauf hin, dass die psychedelische Substanz Psilocybin aus „Magic Mushrooms“ in der Therapie gegen Depressionen hilfreich sein könnte. Auswertungen von Hirnscans zeigen nun, wie sich die Droge im Gehirn von Depressiven auswirkt. Demnach fördert sie die Vernetzung zwischen verschiedenen Hirnregionen. Der Effekt ist selbst Wochen nach der Einnahme noch zu beobachten. Das könnte Betroffenen helfen, festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen und wieder kognitiv flexibler zu werden – vorausgesetzt, sie erhalten eine adäquate therapeutische Begleitung. Vor Versuchen der Selbstmedikation warnen die Forscher.

Wer unter Depressionen leidet, weist neben Freudlosigkeit und fehlendem Antrieb oft eine sogenannte „negative kognitive Verzerrung“ auf, die sich durch Pessimismus, geringe geistige Flexibilität, starre Denkmuster und negative Fixierungen auf das „Selbst“ und die Zukunft kennzeichnet. Viele Antidepressiva basieren darauf, die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin zu hemmen und so dafür zu sorgen, dass dieses „Glückshormon“ länger im Gehirn der Patienten verfügbar bleibt. Manche Patienten sprechen aber kaum auf diese selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) an. Ihre Depression gilt als behandlungsresistent.

Partydroge als Antidepressivum?

Eine mögliche alternative Therapie für solche Patienten hat nun ein Team um Richard Daws vom Imperial College London untersucht: das halluzinogene Pilzgift Psilocybin, das in Form von Magic Mushrooms als Partydroge genutzt wird. „Frühere Studien haben gezeigt, dass Psilocybin ein antidepressives Potenzial hat, aber wie genau es therapeutisch wirkt, ist bisher nicht ausreichend untersucht“, erklären die Autoren. „Wir haben deshalb zwei klinische Studien zu Psilocybin gegen Depressionen dahingehend ausgewertet, welchen Einfluss die Substanz auf das Gehirn hat.“

Die beiden ausgewerteten Studien umfassten insgesamt 59 depressive Patienten, von denen vor, während und nach der kontrollierten Einnahme von Psilocybin Hirnscans aufgenommen wurden. Bei der ersten Studie erhielten alle teilnehmenden 16 Patienten Psilocybin, bei der zweiten Studie erhielten 22 von 43 Patienten Psilocybin, die übrigen das herkömmliche Antidepressivum Escitalopram, wobei weder Probanden noch Behandler wussten, wer welcher Gruppe zugeteilt war. Alle Probanden wurden psychotherapeutisch begleitet.

Psychedelischer Trip erhöht geistige Flexibilität

Die Ergebnisse der beiden Studien unterstützen die These, dass Psilocybin bei kontrollierter, begleiteter Einnahme gegen Depressionen helfen kann. Im Vergleich zu dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Escitalopram führte das Psychedelikum bei den Patienten zu einer größeren Verbesserung der depressiven Symptomatik, wie die Untersuchungen ergaben. Doch welcher Mechanismus steckt dahinter? Um das herauszufinden, haben Daws und seine Kollegen einen genauen Blick auf die Hirnscans geworfen, die im Rahmen der beiden Studien aufgenommen wurden.

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„In beiden Studien korrelierte die antidepressive Reaktion auf Psilocybin mit einer stärkeren Vernetzung zwischen verschiedenen Hirnregionen“, berichten die Autoren. Schon früher hatte sich bei Personen, deren Gehirn während eines Magic-Mushrooms-Trips gescannt wurde, eine stärkere Hirnvernetzung gezeigt. „Hier sehen wir den Effekt noch Wochen nach der Behandlung, was auf eine Übertragung der akuten Drogenwirkung hindeutet“, sagt Daws Kollege Robin Carhart-Harris. Bei Escitalopram dagegen ließ sich keine Veränderung der Gehirnnetzwerke beobachten.

Warnung vor Selbstmedikation

„Offenbar wirkt Psilocybin anders als herkömmliche Antidepressiva“, sagt Daws Kollege David Nutt. „Es macht das Gehirn flexibler und weniger verhaftet in den negativen Denkmustern, die mit Depressionen einhergehen. Dies unterstützt unsere ersten Vorhersagen und bestätigt, dass Psilocybin ein echter alternativer Ansatz für die Behandlung von Depressionen sein könnte.“ Schon die Einnahme weniger Dosen könnte womöglich zu einer langfristigen Besserung führen, sofern die psychedelische Erfahrung von qualifizierten Therapeuten betreut und begleitet wird.

Vor Selbstversuchen warnen die Autoren dagegen. „Die Ergebnisse sind zwar ermutigend, aber die Studien fanden unter kontrollierten klinischen Bedingungen statt, mit einer festgelegten Dosis und einer umfassenden psychologischen Betreuung“, erklären sie. „Patienten mit Depressionen sollten nicht versuchen, sich selbst mit Psilocybin zu behandeln, da die Einnahme von Magic Mushrooms oder Psilocybin ohne diese sorgfältigen Sicherheitsvorkehrungen vielleicht weniger positive Auswirkungen hat.“ Zudem sind weitere Studien an größeren Gruppen von Patienten erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Psilocybin ausreichend zu klären. Nur wenn diese Versuche erfolgreich verlaufen, kann die Pilzdroge womöglich Eingang in die klinische Praxis finden.

Quelle: Richard Daws (Imperial College London) et al., Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-022-01744-z

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