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Gesundheit|Medizin

Wie viel Wasser unser Körper braucht

Trinken
Wie viel müssen wir trinken? © Alfira Poyarkova/ iStock

Wasser ist für unseren Körper unverzichtbar, um Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten, den Blutdruck zu regulieren und die Körpertemperatur zu steuern. Doch wie viel Wasser brauchen wir am Tag? Eine Studie zeigt nun, dass sich dafür kein allgemeingültiger Wert angeben lässt. Bei Tausenden Menschen weltweit haben die Forscher den Wasserumsatz bestimmt und kamen auf eine breite Spanne von Durchschnittswerten von ein bis sechs Litern pro Tag. Die Ergebnisse sind unter anderem relevant, um angesichts des Klimawandels den zukünftigen globalen Wasserbedarf besser einschätzen zu können.

Jeden Tag verliert unser Körper beträchtliche Mengen an Wasser. Verbreiteten Durchschnittswerten zufolge scheidet ein erwachsener Mensch durch Urin, Atmung und Haut rund zwei bis drei Liter am Tag aus – und muss die entsprechende Menge an Flüssigkeit ersetzen. Einen Teil davon nehmen wir durch unsere Nahrung zu uns, den Rest trinken wir. Die bisherigen Durchschnittwerte zum Wasserumsatz stützen sich vor allem auf Berichte von Freiwilligen, die ihren Wasser- und Nahrungsmittelkonsum protokollierten. Objektive Erhebungen fehlten dagegen bislang. Wie viel Wasser unser Körper also tatsächlich täglich verbraucht, war unbekannt.

Objektive Messung

Ein Team um Yosuke Yamada vom japanischen Nationalen Institut für Gesundheit und Ernährung in Tokio hat nun bei über 5600 Menschen aus 26 Ländern weltweit gemessen, wie viel Wasser ihr Körper am Tag umsetzt. Die Probanden waren zwischen acht Tagen und 96 Jahren alt und lebten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Einige stammten aus Industrienationen, verbrachten den größten Teil des Tages am Schreibtisch und hatten Zugang zu sauberem Wasser wann immer sie wollten. Andere lebten in wenig entwickelten Ländern, arbeiteten viele Stunden am Tag auf dem Feld und hatten nicht immer Zugang zu Trinkwasser.

Statt sich auf potenziell verzerrte Selbstauskünfte zur Flüssigkeitsaufnahme zu verlassen, nutzten Yamada und sein Team eine objektive Messmethode, um den Wasserumsatz des Körpers zu bestimmen: Zu Beginn des Versuchs gaben sie allen Probanden 100 Milliliter Wasser zu trinken, das sie mit dem Wasserstoffisotop Deuterium angereichert hatten. Da Deuterium ein anderes Atomgewicht hat als normale Wasserstoffatome, lässt es sich in Proben identifizieren. „Wenn man die Geschwindigkeit misst, mit der eine Person diese stabilen Isotope im Laufe einer Woche über den Urin ausscheidet, kann man anhand des Wasserstoffisotops feststellen, wie viel Wasser ihr Körper ersetzt“, erklärt Co-Autor Dale Schoeller von der University of Wisconsin in Madison.

Breit gestreute Durchschnittswerte

Zusätzlich erhoben die Forscher zahlreiche weitere Einflussfaktoren, darunter Alter, Geschlecht, Gewicht und Sportlichkeit der Probanden, Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Höhenlage, sowie den Human Develepment Index der Vereinten Nationen. Dabei handelt es sich um ein zusammengesetztes Maß für Lebenserwartung, Schulbildung und wirtschaftliche Faktoren in einem Land.

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Das Ergebnis: Die Durchschnittwerte verschiedener Altersgruppen lagen zwischen einem und sechs Litern am Tag, wobei Männer zwischen 20 und 30 Jahren und Frauen zwischen 20 und 55 Jahren am meisten Wasser umsetzten. Den größten Anteil ihres Körperwassers setzen Neugeborene um: Sie tauschen täglich etwa 28 Prozent ihres gesamten Körperwassers aus. Den Berechnungen der Studie zufolge setzt ein durchschnittlich aktiver männlicher Nicht-Sportler im Alter von 20 Jahren und mit einem Gewicht von 70 Kilogramm, der in einem gut entwickelten Land bei einer mittleren Lufttemperatur von zehn Grad Celsius lebt, täglich etwa 3,2 Liter Wasser um. Eine 60 Kilogramm schwere Frau unter ähnlichen Bedingungen würde pro Tag etwa 2,7 Liter Wasser verlieren und aufnehmen.

Formel für den Wasserverbrauch

„Es gibt aber auch Ausreißer, die bis zu zehn Liter pro Tag umsetzen“, sagt Schoeller. „Die großen Schwankungen bedeuten, dass der Hinweis auf einen Durchschnittswert nicht viel aussagt.“ Um den tatsächlichen Wasserbedarf einer Person individueller abschätzen zu können, entwickelten die Forscher eine Formel, die verschiedene Einflussfaktoren gewichtet einbezieht. Den größten Einfluss hat dabei das Niveau der körperlichen Aktivität und die Sportlichkeit, gefolgt vom Geschlecht, dem Human Development Index und dem Alter. Dabei gilt: Je niedriger der Human Development Index des Heimatlandes ist, desto mehr Wasser verbraucht eine Person am Tag. Gründe dafür sind zum Beispiel höhere Durchschnittstemperaturen und harte körperliche Arbeit.

Die Formel kann den Forschern zufolge dabei helfen, den Wasserbedarf der Weltbevölkerung genauer abzuschätzen, gerade angesichts von Klimawandel und regionaler Wasserknappheit. „Gegenwärtig haben 2,2 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser“, schreiben die Autoren. „Unsere Ergebnisse können dazu beitragen, Strategien für den Umgang mit Trinkwasser und wasserangereicherten Lebensmitteln zu entwickeln, wenn die Weltbevölkerung wächst und sich das Klima ändert.“

Quelle: Yosuke Yamada (National Institute of Health and Nutrition, Tokio, Japan) et al., Science, doi: 10.1126/science.abm8668

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