Wie viele Bakterien überträgt ein Kuss? - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin Nachgefragt

Wie viele Bakterien überträgt ein Kuss?

Romantik mal beiseite... (Foto:fotografixx/iStock)

Wir sind wandelnde Ökosysteme: In und auf dem menschlichen Körper leben Myriaden von Bakterien – so auch in unserer Mundhöhle. Vor diesem Hintergrund haben sich Forscher mit einer eher unromantischen Frage beschäftigt: Wie viele Bakterien werden eigentlich bei einem Kuss übertragen? Den Ergebnissen zufolge sind es bei einem zehnsekündigen Kuss mit Zungenkontakt etwa 80 Millionen Bakterien. Außerdem dokumentierte die Studie: Durch häufigen Bakterien-Transfer beim Küssen gleicht sich die Zusammensetzung der oralen Mikroflora von Partnern auffallend an.

Es wimmelt! Schätzungen zufolge ist jeder Mensch der Lebensraum von insgesamt rund 100 Milliarden Mikroben unterschiedlicher Art. Allein in unserem Mundraum leben etwa 700 verschiedene Spezies. Die Forschung der letzten Jahre hat immer deutlicher gezeigt, welch große Bedeutung unseren bakteriellen Untermietern zukommt: Sie bilden nicht nur ein wichtiges Element der Verdauung, sie beeinflussen darüber hinaus den Stoffwechsel und das Immunsystem des ganzen Körpers. Die guten Mikroben schützen uns dabei auch vor ihrer üblen Verwandtschaft: Sie halten Krankheitserreger von Darm, Haut und Schleimhäuten fern. Es ist bereits bekannt, dass die Zusammensetzung der Bakterienarten des Körpers von Alter, Veranlagung, Ernährung und auch von den Menschen geprägt ist, mit denen wir zusammenleben. Zu den Details dieser Zusammenhänge gibt es jedoch noch viele offene Fragen.

Experimente mit Kuss

„Wir wollten herausfinden, welchen Einfluss das Küssen auf das orale Mikrobiom von Partnern hat“, sagt Remco Kort von der Universität Amsterdam. Denn es handelt sich schließlich um ein weitverbreitetes Verhalten des Menschen: „Küssen mit Zungen-Kontakt ist bei über 90 Prozent aller bekannten Kulturen verbreiten“, sagt Kort. Für ihre Studie gewannen er und seine Kollegen die Unterstützung von 21 niederländischen Paaren. Durch Fragebögen erfassten die Wissenschaftler deren Kussverhalten und die durchschnittliche tägliche Häufigkeit. Außerdem entnahmen sie den Studienteilnehmern Speichelproben und Proben von der Zungenoberfläche.

Um zu bestimmen, wie viele Bakterien konkret bei einem Kuss auf den Partner übergehen, führten die Forscher ein cleveres Experiment durch: Sie gaben jeweils einem der Partner ihrer Probanden-Paare ein probiotisches Getränk, das charakteristische Bakterienarten enthielt, die sich durch Laboruntersuchungen leicht nachweisen lassen. Danach gab sich das Paar einen Kuss. Anschließend entnahmen die Forscher dem Empfänger-Partner eine Speichelprobe und analysierten die enthaltenen Mikroben. Auf diese Weise konnten die Forscher nachweisen, dass etwa 80 Millionen Bakterien bei einem Kuss übertragen werden. Bei romantischer Zweisamkeit sollte man das aber vielleicht besser nicht im Sinn haben.

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Mundflora von Partnern gleicht sich an

Die Untersuchungen der Bakteriengesellschaften im Mund der Probanden zeigten: Wenn Paare mindestens neun zehnsekündige Küsse pro Tag austauschen, stimmt die Zusammensetzung ihrer Speichel-Mikroben tatsächlich besonders stark überein. „Je häufiger sich ein Paar küsst, desto ähnlicher ist die Gemeinschaft“, resümiert Kort.

Quelle: Microbiome, doi:10.1186/2049-2618-2-41

Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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