von FRANK FRICK
Ein Auto mitsamt Insassen beschleunigt auf einem verlassenen Parkdeck rasant, durchbricht die Absperrung und fällt in die Tiefe: Jemand hat die Software der Bordelektronik gehackt und das Auto fremdgesteuert.
Der Drehbuch-Autor der Folge „Mord ex Machina“ der Fernseh-Krimireihe Tatort hatte sich womöglich von den Versuchen zweier US-Sicherheitsforscher inspirieren lassen. Charlie Miller und Chris Valasek hatten 2015 über das Mobilfunknetz und mit einem Laptop die Kontrolle über einen Jeep Cherokee gewonnen, der auf der Autobahn fuhr. Sie manipulierten aus der Ferne die Lautstärke des Autoradios ebenso wie die Fahrgeschwindigkeit. Ihr Angriff erfolgte über das Infotainment-System, in dem unter anderem Radio, Navigationsgerät und Fahrassistent zusammengeführt sind. Inzwischen haben wohl alle Automobilhersteller Experten in ihren Diensten, die Fahrzeuge gegen solche böswilligen Zugriffe zu wappnen versuchen.
Das Einfallstor für Hacker wird noch größer, wenn künftig Autos untereinander auch direkt kommunizieren. Daran arbeitet die Industrie schon seit mehr als zehn Jahren intensiv. Denn Autos, die Informationen austauschen, bieten viele Vorteile. Typische Szenarien: Ein vernetztes Fahrzeug warnt Fahrer in nachfolgenden Autos kurzfristig, wenn plötzlich eine Unfallstelle, verlorene Fracht oder ein Geisterfahrer für Gefahr sorgt. Es schlägt Alarm, wenn an einer Kreuzung eine Kollision droht. Zudem sorgen vernetzte Autos, die auch mit Ampeln und Verkehrsleitsystemen in Kontakt stehen, für fließenden Verkehr: Sie empfehlen etwa ein Tempo, bei dem sich kein Stau bildet. Das hilft, Spritverbrauch und Abgasemission zu reduzieren.
Mit Tempo 500 unterwegs? Solche Falschmeldungen werden aussortiert
Bereits 2006 haben Wissenschaftler um Frank Kargl erarbeitet, wie sich Autos untereinander zweifelsfrei identifizieren können – eine Voraussetzung für einen sicheren Informationsaustausch. „Wir haben definiert, dass vernetzte Fahrzeuge die Nachrichten digital signieren müssen. Sonst könnte jemand mit Laptop am Straßenrand sich sozusagen als Fahrzeug ausgeben und mit Falschinformationen Chaos auslösen“, sagt Kargl, Professor an der Universität Ulm. Der Direktor des Instituts für Verteilte Systeme betont: „Andererseits müssen die Fahrzeuge ihre Identität laufend wechseln, damit sie sich nicht nachverfolgen lassen – und die Privatsphäre so geschützt ist.“
Doch trotz Signatur und einem Zertifikat, bei dem die Identität verschleiert wird, können Autos Falschmeldungen verbreiten. Dabei müssen sie nicht einmal das Opfer eines Hacker-Angriffs oder eines Software-virus geworden sein. Auch defekte Sensoren oder Softwarefehler könnten dazu führen, dass ein Auto eine falsche Position, Geschwindigkeit oder Fahrtrichtung meldet. Kargl und sein Doktorand Rens van der Heijden haben im Projekt „Auto-Detect“ drei Jahre lang erfolgreich daran gearbeitet, dass die vernetzten Fahrzeuge der Zukunft nicht auf solche fehlerhaften Daten hereinfallen. In dem Projekt, das von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert wurde und im Oktober 2018 auslief, sind die beiden Informatiker dazu neue Wege gegangen.





