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Es geschah vor 50 Jahren: Beate Klarsfeld ohrfeigt Kiesinger

Aufarbeitung per Provokation

Am 7. November 1968 verpasste die deutsch-französische Aktivistin Beate Klarsfeld Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) in Berlin eine Ohrfeige. Der Schlag machte Klarsfeld berühmt: Er stand für den Versuch der Generation von 1968, mit den bundesdeutschen Eliten abzurechnen – viele der Verantwortlichen hatten wie Kiesinger eine NS-Vergangenheit.

Beate Klarsfeld hatte sich mit dem abgelaufenen Presseausweis ihres Mannes Serge Zugang zum CDU-Bundesparteitag in der Berliner Kongresshalle verschafft. Ein Ordner, der den Vorstandstisch bewachte, ließ „die adrette, junge Frau im weißen Pullover“ als vermeintliche Autogrammjägerin durch. Diese „pirschte sich“, so berichtete der „Spiegel“ später, von hinten an den Kanzler und CDU-Vorsitzenden Kiesinger an und traf ihn, da er ihr just in diesem Augenblick seine linke Gesichtshälfte zuwandte, mit dem Handrücken ins Auge. Die „Ohrfeige“ ging also daneben. Doch der Schlag ins Auge sollte den
gemeinten Sinn nicht verfehlen. Kaum vernehmbar hatte Klarsfeld „Nazi“ gerufen.

Kurt Georg Kiesinger blieb wie erstarrt sitzen. Dann fasste er sich ans linke Auge und fragte: „War das die Klarsfeld?“ Es war nicht die erste Aktion der Studentin gegen den Kanzler gewesen. Derweil drückte der neben ihm sitzende CDU-Generalsekretär Bruno Heck „mit der Beherztheit eines schwäbischen Feuerwehrmanns“ („Stern“) Klarsfeld auf den Boden hinunter. Zwei Sicherheitsbeamte eilten hinzu und nahmen sie vorläufig fest. Auf dem Weg nach draußen fragte ein Mitglied der Sicherungsgruppe Bonn, Kriminalmeister Gerald Dörp, Klarsfeld, weshalb sie Kiesinger geschlagen habe: „Wir haben es satt, dass dort oben ein Nazi sitzt“, antwortete sie…

Autor: Prof. Dr. Philipp Gassert

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 11/2018.

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