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Die Religion des alten Babylon

Bier und Wein für die Götter

Die Versorgung der Götter mit Speis und Trank galt in Babylonien als die vornehmste Aufgabe der Menschen. Die Tempel des Landes glichen ins Monumentale gesteigerten Wohnhäusern. Der Schöpfergott Marduk stand im Zentrum des babylonischen Götterhimmels.

Zu Zeiten des babylonischen Königs Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) prägte der mächtige siebenstufige Tempelturm das Stadtbild des alten Babylon. Der aus Ziegeln gemauerte Götterberg, der Turmbau zu Babel, den auch die in die Babylonische Gefangenschaft geführten Juden gesehen haben müssen, gehörte zum Heiligtum des Reichsgottes Marduk, das in der Mitte der riesigen Stadt lag und einen beachtlichen Teil ihrer Gesamtfläche einnahm.

Noch zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. hatte Marduk nur lokale Bedeutung besessen. Als Babylon aber unter König Hammurapi einen enormen politischen Aufstieg erfuhr und zum Zentrum eines geeinten Mesopotamiens wurde, stieg auch der Gott des kleinen Fürstentums zu einem mächtigen Gott auf. Sein Tempel Esagil wurde zum wichtigsten Heiligtum des Landes, und Marduk setzte man mit dem in der sumerischen Stadt Nippur verehrten Götterkönig Enlil gleich. Diese in der mesopotamischen Religionsgeschichte beispiellose Erhöhung eines Gottes fußt auf der theologischen „Erkenntnis“, dass die Götter der von Hammurapi unterworfenen Stadtstaaten Marduk zu ihrem Herrscher erkorenhaben mussten: Im Weltbild des Alten Orients konnte es Hammurapi, dem Günstling Marduks, nur so gelingen, die unter dem Schutz der anderen Götter stehenden Staaten in seine und damit in Marduks Hand zu bringen.

Unsere wichtigste Quelle für die Marduk-Theologie ist das nach seinen Anfangsworten „Enuma elisch“ benannte babylonische Weltschöpfungsepos, das in der uns vorliegenden Form gegen Ende des 2. Jahrtausends entstand. Es schildert den siegreichen Kampf Marduks gegen die dunklen Urgötter der Vorwelt, die ihre Ruhe so sehr liebten, dass sie nicht nur das Sich-Entfalten der Welt verhindern, sondern auch die jungen unruhigen Götter vernichten wollten. Nur Marduk war bereit, gegen die Urmutter Tiamat und die anderen Mächte des Chaos zu kämpfen. Den jungen Göttern freilich stellte er eine Forderung: Sollte er Erfolg haben, müssten sie ihn auf Dauer zu ihrem König erheben.

Die Götter willigten ein, und Marduk zog gegen seine lebensfeindlichen Gegenspieler zu Felde. Sich mit den Mitteln seiner Beschwörungskunst schützend, tötete er die wütend kämpfende Tiamat mit Pfeil und Bogen und „seiner großen Waffe, der Sintflut“. Aus dem Leib der Tiamat formte Marduk, der Schöpfergott, dann die Welt und erschuf den Menschen, damit dieser von nun an durch seiner Hände Arbeit für den Unterhalt aller Götter sorge. Da erhoben die Götter Marduk zu ihrem König. Zum Dank errichteten sie Babylon und den Marduk-Tempel Esagil, der nicht nur die Wohnstatt Marduks, sondern auch die Heimat der Gemeinschaft aller Götter sein sollte. – Es ist offensichtlich, dass das „Enuma elisch“ den Aufstieg Babylons unter Hammurapi bereits voraussetzt, reflektiert und in den mythischen Ursprung zurückprojiziert…

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Prof. Dr. Stefan M. Maul

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