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Milon von Kroton

Der größte Sportler der Antike

Heute würde man ihn wohl einen Superstar nennen. In der Antike galt er – etwas bescheidener – als der größte aller Sportler. Und schon zu Lebzeiten war er eine Legende: der Ringkämpfer Milon aus der Stadt Kroton im griechisch besiedelten Süditalien.

In Kroton wurde Milon vor der Mitte des 6. Jahrhunderts v.Chr. geboren, und von hier aus startete er seinen einmaligen Siegeszug. Bei den Olympischen Spielen des Jahres 540 v.Chr. machte er zum erstenmal auf sich aufmerksam, als er den Ringerwettbewerb der Junioren gewann. Am Ende seiner langen, fast 30jährigen Karriere lautete die beeindruckende Bilanz: sechs Siege in Olympia, sechs Siege bei den Pythischen Spielen in Delphi, zehn Siege bei den Isthmischen Spielen in Korinth, neun Siege bei den Spielen in Nemea.

Im 2. Jahrhundert n.Chr. besuchte der griechische Reiseschriftsteller Pausanias Olympia. Dort entdeckte er eine Statue des großen Milon und nahm dies zum Anlaß, einige Anekdoten über die sagenhaften Körperkräfte des Athleten zu verbreiten: die Geschichte vom Granatapfel, den Milon so fest in der Hand hielt, daß es niemandem gelang, ihm diesen zu entreißen; die Geschichte von dem mit Öl eingefetteten Diskus, auf den sich Milon stellte und sich dann darüber freute, daß keiner in der Lage war, ihn hinunterzustoßen; und die Geschichte von der Darmsaite, die der Athlet dadurch zum Platzen brachte, daß er sie um seinen Kopf schlang, den Atem anhielt und die Stirnadern anschwellen ließ.

Die antike Gerüchteküche beschäftigte sich auch intensiv mit der Frage, wie Milon eigentlich zu seinen fast übermenschlichen Körperkräften gekommen war. Die meisten Kommentatoren waren sich einig: Dafür mußte ein überdurchschnittlicher Konsum an Nahrungsmitteln verantwortlich sein. Demnach verspeiste der Ringer täglich 20 Pfund Fleisch und die gleiche Menge Weizenbrot, und dazu trank er zehn Liter Wein. Und man erzählte sich auch, wie Milon einmal einen vierjährigen Stier auf die Schultern gehoben und in das Stadion von Olympia getragen haben soll, um ihn daraufhin zu schlachten und an einem einzigen Tag aufzuessen.

Ein solcher Heros, den manche mit Herakles oder dem Trojahelden Achilleus verglichen, mußte denn auch einen spektakulären Tod finden. In einem Waldstück in der Nähe seiner Heimatstadt Kroton, so berichtet Pausanias, entdeckte der Sportler einen gespaltenen Baumstamm, dessen Enden von Keilen zusammengehalten wurden. Aus Übermut und im Vertrauen auf seine gewaltigen Körperkräfte kam er auf die fatale Idee, den Stamm mit bloßen Händen auseinanderzureißen. Dabei fielen die Keile heraus, Milon wurde in dem Baumstamm eingeklemmt und in seiner hilflosen Lage von Wölfen aufgefressen.

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Natürlich halten all diese Geschichten einer kritischen historischen Prüfung nicht stand. Sie zeigen aber beispielhaft, zu welchen Phantasien die Taten eines antiken Spitzensportlers anregen konnten…

Sportler in der Antike

„Von schöner Gestalt, den Blick voll Mut“ – der Untertitel der kommenden Sonderausstellung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg nimmt Bezug auf die hohe Wertschätzung, die griechische Sportler im Altertum genossen. Thematisiert werden u.a. die Wettkampfdisziplinen der Olympischen Spiele sowie deren Organisation und Ablauf, das Ansehen der Athleten.

Ausstellung: Sportler in der Antike

6. Oktober – 15. November 2001, Di–Sa 14–17 Uhr, jeden zweiten Sonntag 9.30–12.30 Uhr Würzburg, Residenzplatz 2, Tor A Tel. 0931/312866 http://www.uni-wuerzburg.de/museum

Prof. Dr. Holger Sonnabend

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