Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Das Spiel im Mittelalter

Der Teufel schuf das Würfelspiel

Das Mittelalter kannte nicht nur das edle Spiel der Ritter, sondern auch Karten- und Würfelspiele für den „gemeinen Mann“. Und selbst die Kleriker spielten, obwohl die Kirche die Sündhaftigkeit dieses Tuns immer wieder bekräftigte. Über Moral ließ sich in diesem Zusammenhang trefflich rechten, die Realität sah anders aus.

Das Spiel besaß im Mittelalter weitaus mehr Dimensionen als in der heutigen Gesellschaft. Es diente als Mittel der Gemeinschaftssicherung und der Abgrenzung für den Adel wie für die Zünfte und Gilden, war als Zweikampf oder Losentscheid fester Bestandteil der Rechtsprechung und verband die Welten der Kinder und Erwachsenen miteinander. Zudem fand es Eingang in den Aberglauben und die Märchen. Darüber hinaus war das Spiel vor allem Teil der Freizeit. Sportspiele als Wettstreit gab es im Mittelalter ebenfalls. Das Glücksspiel verband Jung und Alt, Geistliche und Laien, Bürger und Edelmann miteinander. Immer wieder versuchte die Obrigkeit es zu verbieten, oft vergeblich. Der kirchliche Festtagskalender legte die Zeiten fest, an denen man sich mit allerlei Kurzweil die Zeit zu vertreiben suchte. Kinder haben zu allen Zeiten gespielt: Phantasiespiele oder regulierte Spiele, Spiele mit natürlichen oder künstlich hergestellten Spielmitteln.

Die französischen Ritter kämpften 1346 in der Schlacht von Crécy nach den Regeln des seit dem 11. Jahrhundert belegten Turniers (tournoi), des adligen Kampfspiels par excellence. Englische Langbogenschützen schossen sie aus dem Sattel – ein hoher Preis für adliges Standesdenken.

Der Eisenacher Kanoniker Johannes Rothe zählt in seinem „Ritterspiegel“ von um 1415 zu den sogenannten behendikeidten auch das Turnieren und Tjostieren, das Fechten, die Beherrschung des Tischdienstes, das Tanzen und Hofieren (Musizieren) sowie das Brettspiel. Nach dem Turnierbuch des Reichsherolds Jerusalem (Georg Rixner) von Kaiser Karl V. fanden zwischen 938 und 1487 36 städtische Turniere statt. Am berühmten Turnier im Rahmen der Schwertleite der Söhne Kaiser Friedrich Barbarossas von 1184 nahmen etwa 20 000 Ritter teil. Beim Turnier waren nur ritterbürtige Teilnehmer zugelassen, die Art der Waffen und die Anzahl der Waffengänge wurden festgelegt, die Kämpfer in gleich starke Scharen, Länder (marches), Lehnsverbände, Turnierparteien oder Turniergesellschaften (seit dem 14./15. Jahrhundert) eingeteilt und der Turnierplatz (in Deutschland seit etwa 1220 nachweisbar) abgesteckt.

Das Turnierspiel war ein teurer Spaß, denn der Unterlegene verlor oft Ross und Rüstung. Gekämpft wurde im buhurt und im tjost. Beim Buhurt traten zwei Gruppen (meist zu Pferd) mit stumpfen Waffen gegeneinander an, während der Tjost als Zweikampf zu Pferd mit Lanzen als „Scharfrennen“ (Lanze mit Eisenspitze) oder als „Stechen“ (durch stumpfe Krönlein auf der Lanzenspitze „entschärfte“ Waffen) ausgetragen wurde. Viele Adlige bezahlten ihre Teilnahme an Kampfspielen mit dem Leben, 1175 allein in Sachsen 16 Ritter, 1176 Dietrich von Meißen, 1186 Geoffroi Plantagenet, 1295 Herzog Johann von Brabant und 1290 Ludwig von Bayern.

Anzeige

Die Kirche versuchte immer wieder, die adligen Kampfspiele zu unterbinden, etwa auf dem Konzil von Clermont 1130, auf den Laterankonzilien 1139, 1179 und 1193, durch Papst Innozenz III. 1215, durch Papst Gregor X. 1275 und auf dem Würzburger Konzil 1287. 1316 hob Johannes XXII. das Turnierverbot wieder auf. Hugo von Trimberg zählte in seinem um 1300 vollendeten Werk „Der Renner“ das Turnier zu den sieben Todsünden und reihte es unter frâz (Völlerei, Unmäßigkeit) ein. Reinmar von Zweter kritisierte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Turnier als „rinderlich“, „toblich“ und „totreis“ (viehisch, wüst und todbringend). So hat das Turnier das Mittelalter nicht überlebt, und Kaiser Maximilian I. (1459 –1519) ging als „letzter Ritter“ in die Geschichte ein…

Literatur: Frank Meier, Von allerley Spil und Kurzweyl. Spiel und Spielzeug in der Geschichte. Ostfildern 2006.

Ulrich Schädler (Hrsg.), Spiele der Menschheit. 5000 Jahre Kulturgeschichte der Gesellschaftsspiele. Darmstadt 2007.

Volles Risiko! Glücksspiel von der Antike bis heute Sonderausstellung im Badischen Landesmuseum (Karlsruhe, Schloss) 12. April – 17. August 2008

Die Ausstellung stellt die verschiedenen Arten des Glücksspiels und seine speziellen Spielorte von der vorchristlichen Zeit bis in die Gegenwart vor. Anlass für die Sonderschau des Badischen Landesmuseum ist das 50. Jubiläum des Zahlenlottos in Baden-Württemberg.

Die Bandbreite der Exponate reicht vom römischen Spielturm über einen Taler des Regensburger Glückshafens bis zum modernen Spielautomaten. Dem Thema Spielsucht ist ein gesonderter Bereich gewidmet. Die Ausstellung schließt mit einem Ausblick auf die Entwicklung des Glücksspiels nach 1958.

Ein umfangreiches Begleitprogramm lädt unter anderem zu Sonderführungen, Vorträgen, einer Exkursion und am 31. Mai zu einer Nacht des Glücks ein. Zu der Ausstellung erscheint ein reichbebilderter Katalog. http://www.landesmuseum.de

Das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn befasst sich in seiner Sonderausstellung Zahlen, bitte. Die wunderbare Welt von null bis unendlich noch bis zum 18. Mai 2008 auch mit „Glückszahlen“ bei Lotto, Würfel, Roulette oder Poker. http://www.hnf.de

Prof. Dr. Frank Meier

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

Hören Sie hier die aktuelle Episode:

Anzeige

Wissenschaftslexikon

Mas|sen|aus|gleich  〈m. 1; Tech.〉 durch eine Gegenlast bewirkter Ausgleich unsymmetrischer rotierender Körper

Hi|lum  〈n.; –s, Hi|la; Bot.〉 Stelle, an der der Samen einer Pflanze am Samenträger befestigt ist; Sy Pflanzennabel … mehr

Stre|lit|zie  〈[–tsj] f. 19; Bot.〉 große, leuchtend orange blühende Pflanze mit fächerartiger Blüte [nach Charlotte von Mecklenburg–Strelitz, … mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]