Am 18. Mai 1190 stand Friedrich Barbarossa vor Iconium in Kleinasien dem zahlenmäßig weit überlegenen Reiterheer des seldschukischen Sultans gegenüber. Die Zahl der Kreuzfahrer war bereits geschrumpft und sie selbst so erschöpft, daß sie wenig Chancen hatten, die bevorstehende Schlacht zu überstehen. In dieser Bedrängnis soll der staufische Kaiser unter Tränen gesagt haben, er wäre sogar zu einer Buße bereit, die der kaiserlichen Person eigentlich nicht zieme, und würde eine Verringerung der kaiserlichen Ehre auf sich nehmen, wenn er damit nur erreichen könne, daß das Christenheer statt um Leben und Tod kämpfen zu müssen schon wohlbehalten in Antiochia sei.
Hat sich diese Szene tatsächlich so abgespielt? Nur eines wissen wir sicher: Barbarossas Zeitgenossen glaubten offenbar, er würde nur in höchster Not eine Einbuße an Ehre hinnehmen. Ehre hielten sie demnach für einen charakteristischen Zug seines Selbstverständnisses.
Tatsächlich hatte Barbarossa viele Entscheidungen während seiner fast 40jährigen Herrschaft davon abhängig gemacht, ob seine Ehre unverletzt gewahrt blieb. Diese Politik hatte ihn zu einem Herrscher von überragender Autorität gemacht.
Die Schlacht von Iconium verlief doch noch siegreich. Nur wenige Wochen später ertrank der Staufer im Fluß Saleph, bevor er das Ziel seines Kreuzzugs erblicken konnte – das 1187 von Saladin eroberte Jerusalem. Bereits 1147 hatte er seinen Onkel, den damaligen König Konrad III., auf dem katastrophal verlaufenen Zweiten Kreuzzug begleitet. Damals noch Herzog von Schwaben, wurde Friedrich bereits fünf Jahre später von den deutschen Fürsten am 5. März 1152 zu Konrads Nachfolger gewählt und schon vier Tage später in Aachen vom Kölner Erzbischof zum König gekrönt. Ein anderer Onkel Barbarossas, der Freisinger Bischof Otto, begründete die Wahl mit der Hoffnung, daß Friedrich “gleichsam als Eckstein” zweier verfeindeter Familien einen alten Konflikt endlich beilegen würde.
Gemeint war der Streit, der 1125 nach dem Tod Heinrichs V. und 1137 nach dem Tod Lothars III. ausgebrochen war. Beide Male stritten rangbewußte, mit den Kaisern verwandte Herzöge um den Thron. Die Welfen Heinrich der Schwarze und sein Sohn, Heinrich der Stolze, rivalisierten mit Barbarossas Vater, dem Herzog Friedrich II. von Schwaben, und dessen Bruder Konrad. Von einem staufisch-welfischen Gegensatz zu sprechen, wäre allerdings zu schematisch, denn so klar waren die Gegensätze nicht: Friedrich II. hatte die Welfin Judith geheiratet, eine Schwester Heinrichs des Stolzen; ihr gemeinsamer Sohn Friedrich Barbarossa war daher ebenso “Staufer” wie “Welfe” – in diesem Sinne also der “Eckstein”, von dem Otto von Freising sprach. Barbarossas Vetter, Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen, erhob seit 1147 Anspruch auf das Herzogtum Bayern, das Konrad dem Vater des Löwen entzogen hatte. Die beiden Vettern einigten sich. Bayern sollte an Heinrich den Löwen zurückfallen.




