Chronologie Friedrich der Große – Stationen seines Lebens - wissenschaft.de
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Chronologie

Friedrich der Große – Stationen seines Lebens

46 Jahre regierte Friedrich II. als preußischer König. Bei seinem Tod am 17. August 1786 konnte sich kaum ein Untertane an einen anderen Herrscher erinnern. Er gilt als die Verkörperung des aufgeklärten Absolutismus.

1712 Friedrich wird am 24. Januar in Berlin als Sohn des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm I. („Soldatenkönig“) und dessen Gemahlin Sophie Dorothea geboren.

1720er Jahre Konflikte mit dem Vater wegen dessen Forderung nach einer streng militärisch und religiös geprägten Erziehung. Harte körperliche und seelische Züchtigungen des Kronprinzen sind an der Tagesordnung, für Friedrichs schöngeistige Neigungen bleibt wenig Raum. Trotz väterlicher Vorbehalte erhält Friedrich unter anderem heimlich Latein- und Musikunterricht.

1730 Gescheiterter Fluchtversuch während einer Rundreise durch süddeutsche Höfe mit Hilfe seines Freundes Hans Hermann von Katte im kurpfälzischen Sinsheim-Steinsfurt. Friedrich wird mit Festungshaft bestraft und in Küstrin arretiert. An Katte wird ein Exempel statuiert: Er wird vor den Augen Friedrichs hingerichtet.

1731 Nach Ende des Arrests wird Friedrich in Küstrin zunächst ins Verwaltungswesen eingeführt; im Jahr darauf wird er Befehlshaber eines Infanterieregiments in Neuruppin.

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1733 Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, die Ehe bleibt kinderlos.

1736 Beginn der „Rheinsberger Jahre“ (bis 1740): Kronprinz Friedrich verlebt mit seiner Gattin auf Schloß Rheinsberg relativ unbeschwerte Jahre und widmet sich dort vor allem den schönen Künsten. Am 8. August nimmt Friedrich zum erstenmal schriftlichen Kontakt mit dem 18 Jahre älteren Schriftsteller und Philosophen Voltaire auf – die fast lebenslange Korrespondenz umfaßt am Ende etwa 800 Briefe.

1739 Von Voltaire ermuntert, schreibt Friedrich einen Antitypus zu Machiavellis „Il Principe“. In seinem „Antimachiavell“ setzt der Kronprinz die Menschlichkeit als Herrschertugend an die Stelle despotischer Willkür. In dem von seinen Jugenderfahrungen geprägten Werk manifestiert sich Friedrichs Philosophie von einem aufgeklärten Absolutismus.

1740 Tod Friedrich Wilhelms I. am 31. Mai und Thronbesteigung Friedrichs. Zu Beginn Durchführung aufgeklärt-moderner und populärer Reformen: Einschränkung der Folter und drakonischer Strafen, Entschärfung der staatlichen Zensur, Verkauf von staatlichem Getreide zu festen Preisen, Förderung der Künste und der Wissenschaft.

Am 16. Dezember überraschender Einmarsch Friedrichs in Schlesien (Beginn des ersten Schlesischen Krieges) als Spätfolge der Pragmatischen Sanktion von 1713, welche die weibliche Erbfolge (für Maria Theresia) in Österreich gestattete.

1742 Sieg in der Schlacht von Chotusitz am 17. Mai führt zum Vorfrieden von Breslau. Der Berliner Frieden beendet den Krieg offiziell: Österreich muß Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz an Preußen abtreten.

1744/45 Angriff auf Böhmen löst den Beginn des zweiten Schlesischen Krieges aus. Schlachten bei Hohenfriedeberg (4. Juni) und Soor (30. September) erzwingen den Frieden von Dresden 1745. Österreich bestätigt Preußen darin den Besitz von Schlesien; im Gegenzug erfolgt die Anerkennung Franz Stephans von Lothringen (Gemahl Maria Theresias) als Kaiser Franz I. Nach dem Erfolg erhält Friedrich in Preußen erstmals den Beinamen „der Große“.

1745 Baubeginn von Schloß Sanssouci, das nach Plänen Friedrichs errichtet wird und als Inbegriff des nach ihm benannten „friderizianischen Rokokos“ gilt. Einweihung des Sommerschlosses am 1. Mai 1747.

1747 Beginn der Trockenlegung des Oderbruchs (bis 1753). Dort und in auf ähnliche Weise neu kultivierten Gebieten werden in Preußen bis 1786 rund 300 000 Kolonisten angesiedelt.

1750–1753 Aufenthalt Voltaires am Hof in Potsdam; zuletzt kommt es jedoch zum Zerwürfnis mit Friedrich II.

1756 Friedrich beginnt den dritten Schlesischen Krieg mit dem Angriff auf Kursachsen. Der Einmarsch wird als Präventivschlag gerechtfertigt. Preußen sieht sich einer übermächtigen Allianz aus Frankreich, Österreich und Rußland gegenüber (Truppenverhältnis 1: 3; Einwohnerverhältnis 1: 20). Einziger Verbündeter ist England, das Friedrich durch hohe Kriegszahlungen (Subsidien) unterstützt. Am 1. Oktober erster Teilerfolg gegen die Österreicher in der Schlacht von Lobositz.

1757–1761 Preußen steht im Kriegsverlauf mehrmals am Rand des Zusammenbruchs; seine Gegner halten einen Großteil des preußischen Territoriums besetzt und bedrohen dessen staatliche Exi-stenz. Friedrich kann sich nur mit äußerster Anstrengung und Glück in mehreren Schlachten behaupten.

1757 Das Kriegsglück wendet sich gegen Friedrich: Nach dem Sieg bei Prag (6. Mai) erleidet Preußen bei Kolin (18. Juni) seine erste Niederlage und muß sich aus Böhmen zurückziehen. Erneute Kriegswende zugunsten Friedrichs durch die Schlachten bei Roßbach (5. November) und Leuthen (5. Dezember).

1758 Friedrich kann zwar den russischen Angriff auf das preußische Kernland bei Zorndorf abwehren (25. August), verliert aber bei Hochkirch (14. Oktober) gegen die Österreicher.

1759 Verheerende Niederlage Preußens bei Kunersdorf (12. August).

1760 Verlustreicher Sieg gegen die Österreicher in der Schlacht von Torgau (3. November).

1762 „Mirakel des Hauses Brandenburg“: Tod der russischen Zarin Elisabeth führt zum Ende der antipreußischen Allianz. Nachfolger Zar Peter III. schließt mit Friedrich Frieden und verbündet sich später mit Preußen.

1763 Ende des Siebenjährigen Krieges mit den Friedensschlüssen von Paris (Frankreich und England, 10. Februar) und Hubertusburg (Österreich, Preußen und Sachsen, 15. Februar). Der territoriale Vorkriegsstand wird in Europa wiederhergestellt; in Übersee erleidet Frankreich schwere Gebietsverluste zugunsten Englands. Friedrich, im Krieg frühzeitig gealtert, erhält im Volk den Beinamen der „Alte Fritz“.

1766 Die Gründung einer neuen Steuerbehörde nach französischem Vorbild (Regie?) soll die Misere der Staatskassen beheben. Die neue Institution führt zu schwersten Steuerlasten für die Untertanen.

1770 Bestätigung Immanuel Kants als Professor in Königsberg.

1772 Vertragsverhandlungen zwischen Österreich, Preußen und Rußland besiegeln die erste Teilung Polens: Preußen erhält unter anderem Westpreußen zugesprochen.

1780er Jahre Friedrichs letzte Lebensjahre sind geprägt durch intensive intellektuelle Tätigkeit, aber auch durch zunehmende Vereinsamung und Bitterkeit.

1786 Friedrich der Große stirbt am 17. August im Alter von 74 Jahren auf Schloß Sanssouci in Potsdam; gegen seinen Willen wird er in der Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt. Sein Neffe wird als Friedrich Wilhelm II. zu seinem Nachfolger (bis 1797).

Marcel Böhles

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