Die Sabäer der arabischen Halbinsel Im Land der Königin von Saba - wissenschaft.de
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Die Sabäer der arabischen Halbinsel

Im Land der Königin von Saba

Das Reich von Saba war das älteste und das bedeutendste der südarabischen Reiche. Sein Reichtum war schon im Altertum legendär. Er ermöglichte es den Sabäaern, große Bauwerke zu errichten, darunter Staudämme, deren Ausmaß noch heute faszinieren.

Die archäologische Premiere geriet zum Volksfest. Zu Hunderten stürmten die Einweihungsbesucher die heilige Stätte und nahmen sie in Besitz – einen Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., der dem sabäischen Staatsgott Almaqah geweiht war und den volkstümlichen Namen „Arsh Bilqis“ trägt, Thron der Bilqis. Bilqis ist der arabische Name für die Königin von Saba. Da ist sie wieder, die sagenhafte Gestalt mit den tausend Gesichtern und den von weise bis dämonisch schillernden Charakterzügen. Im Alten Testament taucht sie als unmäßig reiche Königin aus dem Süden in Jerusalem auf, um die Weisheit des Königs Salomon zu prüfen. Im Koran mutiert die Salomon-Besucherin zur weisen Frau. Und in Ostafrika ist sie mit einem Salomon-Sohn gar die Stammmutter der äthiopischen Kaiserdynastie. In den verschiedensten Ausprägungen lebt sie durch die Jahrhunderte und in fast allen orientalischen und europäischen Kulturen fort (siehe dazu die Seiten 24-27). Die Königin ist so geheimnisvoll und unbekannt – und deshalb reizvoll – wie das Land, aus dem sie kam; wenn es sie denn wirklich gegeben hat. Der Südwesten der Arabischen Halbinsel war bis vor einer Generation archäologisches Niemandsland. Erst seit rund 40 Jahren suchen internationale Archäologenteams nach den materiellen Zeugnissen der frühen südarabischen Königreiche. Sie wurden rasch fündig – und zerstörten die Sage von der Königin von Saba. Die ältesten Nachrichten liefert eine monumentale Steininschrift aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert. Darin beschreibt Mukarrib („Vereiniger“) Karib’il Watar ausführlich seine Kriege gegen die Nachbarn und die Einigung Südarabiens unter seiner Herrschaft. Seine geheimnisvolle Vorgängerin müßte aber – folgt man der biblischen Chronologie – ihre Reise nach Jerusalem 200 Jahre früher, im 9. Jahrhundert, angetreten haben. Das wissenschaftliche Ende eines Mythos? Nicht ganz. Zwar datiert der „Thron der Bilqis“ in seiner schönsten Form ins 6. Jahrhundert, doch wurden unter ihm drei Vorgänger-Tempel gefunden, und diese reichen mindestens bis 1000 v.Chr. zurück – also sehr wohl in die Zeit der sagenhaften Königin.

Der „Tempel des Almaqah von Bar‘an“, so der archäologische Name, beeindruckt mit seinen fünfeinhalb monolithischen Kalksteinsäulen, einer monumentalen Treppe, einem gewaltigen Podest im Hauptraum (der Cella), mit Vor- und Außenhof sowie Nebengebäuden; 62 mal 75 Meter ist die Anlage groß, 15 Meter ragt sie in die Höhe. Neun Jahre haben Burkhard Vogt und seine Mitstreiter vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) bei Marib, der alten Hauptstadt des Sabäer-Reiches, zweieinhalb Autostunden östlich der heutigen Metropole Sanaa, gegraben, drei Jahre sorgsam konsolidiert und restauriert. Die Anlage ist ein Beispiel für die gelungene Restaurierung einer antiken Stätte; inzwischen droht sie wieder im Wüstensand zu versinken. Dennoch sind die Ausgrabungen bei Marib noch immer das sichtbarste Zeichen für die Entzifferung der lange Zeit verschütteten Geschichte Südarabiens. Bis dahin hatte man im Jemen – wie dies häufig bei der Suche nach dem kulturellen Erbe geschieht – das Sabäer-Reich als autonom entstandene Kultur verstanden – Vorgänger-Kulturen ließen sich tatsächlich erst bei den Grabungen im Süden des Landes festmachen .

Zwar gab es genug Geschichten aus Arabien, handfeste Nachrichten fehlten aber. Forschungsreisende des 19. Jahrhunderts brachten erste Inschriften nach Europa – wie die südarabischen Königreiche organisiert waren, wer sie regierte, wie ihre Menschen lebten, blieb jedoch weitgehend unbekannt. Seit rund 40 Jahren versuchen internationale (und insbesondere auch deutsche) Archäologenteams diese Unwissenheit zu beenden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Geschichte des Sabäer-Reichs und der konkurrierenden oder nachfolgenden Staaten sind nun von mindestens 1000 v.Chr. bis zu ihrem endgültigen Zerfall um 400 n.Chr. archäologisch dingfest zu machen.

Die ersten Reiche in Südarabien waren sehr klein und beschränkten sich oft nur auf ein Flußtal, ein Wadi. Es handelte sich um Beduinengesellschaften, die ostwärts, den innerarabischen Wüsten zugewandt waren. Bekannt sind die Reiche Hadramaut, Ausan, Qataban und Saba. Die Zersplitterung wurde zu Beginn des 7. Jahrhunderts von Karib’il Watar, dem Herrscher von Saba, beendet, der Ausan besiegte und mit den übrigen Stammesfürsten Bündnisse abschloß.

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Die Haupteinnahmen, um die alle diese Kleinherrscher konkurrierten, stammten aus dem Salz- und Weihrauchhandel. Vor allem der Räucherharzhandel florierte schon seit einiger Zeit: So hatte etwa die ägyptische Pharaonin Hatschepsut in der Mitte des 15. Jahrhunderts v.Chr. eine Expedition ausgeschickt – die allerdings erfolglos blieb–, um das legendäre Weihrauchland Punt zu finden. Weihrauch und Myrrhe, die in allen vorder- und mittelasiatischen Hochkulturen unverzichtbares Ingredienz des Kults waren, wachsen nur in Ostafrika, im heutigen Jemen und in Oman.

Rund 200 Jahre blieb das Reich von Saba dominierend, dann übernahmen – nach einem Zwischenspiel der Hadramiten – die Qatabaner die Oberherrschaft. Nach unruhigen Zeiten etablierte sich das Reich von Himyar, das ganz Südarabien einte. Kurz vor der Zeitenwende, in den Jahren 25–24 v.Chr., hatte Rom – angelockt vom Reichtum der Sabäer – eine Armee nach Marib geschickt. Dem Bericht des griechischen Geographen und Historikers Strabon zufolge wollte Augustus die Sabäer entweder als Freunde gewinnen oder unterwerfen. Der Feldzug ins Reich der Düfte, Arabia felix, mißlang jedoch; vor Marib mußten die erschöpften römischen Soldaten umkehren. Das Himyar-Reich hatte bis 525 n.Chr. Bestand. Nach seinem Zerfall besetzten die Abessinier das Nachbarland jenseits der Meeresenge; sassanidische Perser lösten sie ab, die ihrerseits im Zuge der Islamisierung die Herrschaft verloren. Danach verabschiedete Südarabien sich für lange Zeit aus der Weltgeschichte.

Von den frühen Herrschern besitzen wir wenig konkrete Informationen, denn obwohl man eine Schrift besaß und es auch Inschriften in Stein gibt, führte man weder Königslisten noch Annalen. Auch literarische Zeugnisse haben sie nicht hinterlassen. Die Geschichte Südarabiens muß weitgehend über die archäologischen Funde entschlüsselt werden…

Michael Zick

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