Glossar der Freimaurerei Kein Buch mit sieben Siegeln - wissenschaft.de
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Glossar der Freimaurerei

Kein Buch mit sieben Siegeln

Die freimaurerischen Rituale sind ein hochgelehrtes symbolisches Spiel. Dabei gibt es kein Symbol oder Ritual ohne beziehungsreichen Hintergrund.

Die Freimaurer sehen ihre Wurzeln in den mittelalterlichen Dombauhütten. Daher verwenden sie viele Werkzeuge der Steinmetzen und Baumeister als Symbole. Diese Symbole sollen zum Nachdenken anregen. Ihre Bedeutung muss man sich erst erarbeiten. Es liegt in der Natur der Symbolik, dass immer mehrere Deutungen möglich sind, so auch bei dieser Auswahl. Die Erklärungen sind daher eher als Orientierungshilfe zu verstehen.

Symbole und Insignien der Freimaurer

Die drei wichtigsten Symbole der Freimaurer sind das Winkelmaß, der Zirkel und das Buch des „heiligen Gesetzes“. Sie werden auch als die drei „Großen Lichter“ der Freimaurerei bezeichnet.

Tempel des Salomo Der Tempel des Salomo steht für die menschliche Gemeinschaft: Jeder Mensch wird als einzelner Stein gesehen, der zusammen mit allen anderen Menschen beziehungsweise Steinen ein kunstvolles Bauwerk ergibt. Bei der Tempelarbeit, der Zusammenkunft der Loge, wird der Tempel der Humanität gebaut.

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Winkelmaß Mit dem Winkelmaß oder Winkeleisen wird der Stein im rechten Winkel in das Bauwerk eingefügt; symbolisch steht es für Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Integrität, das Recht und Gesetz bzw. die Ordnung, die eine Gemeinschaft braucht, und die Einhaltung der gesellschaftlichen Regeln.

Zirkel Der Zirkel steht für den Kreis, als Symbol für den Kreislauf des Lebens, die Unsterblichkeit, das Unendliche. Er ist ein Zeichen für das Geistige.

Buch des „heiligen Gesetzes“ Das Buch des „heiligen Gesetzes“ wird in der Freimaurerei in aller Regel mit der Bibel in eins gesetzt und zumeist nicht als religiöses, sondern als moralisch verpflichtendes Symbol verstanden. In manchen Logen wird neben der Bibel noch das Gesetzbuch der Großloge dazu‧gelegt. In der „Grande Loge Internationale Française“ ist das Buch des „heiligen Gesetzes“ abhängig vom Glauben des Einzelnen, im liberalen „Grand Orient de France“ wurde das Buch des „heiligen Gesetzes“ durch ein „Weißes Buch“ (mit leeren Blättern) ersetzt. Ebenso wurde dort das Symbol des „allmächtigen Baumeisters aller Welten“ abgeschafft.

Schurz Der Schurz war die traditionelle Kleidung der Steinmetzen. Bei den Freimaurern symbolisiert der Schurz die Arbeit. Oft ist er weiß und steht dadurch für die hohen ethischen Ansprüche des Bunds.

Winkelwaage Die Winkelwaage steht für die gleiche Ebene, auf der sich die Brüder innerhalb der Loge befinden: Es gibt keine Standesunterschiede.

Zollstab Der Zollstab symbolisiert die Zeit. Er soll daran erinnern, die Zeit sinnvoll einzuteilen.

Lot Das Lot oder Senkblei soll die gerade Ausrichtung auf die freimaurerischen Werte verdeut‧lichen; das Leben soll dementsprechend geführt werden.

Pentagramm Das Pentagramm ist auch als das Siegel Salomos bekannt und dadurch verwandt mit dem Symbol des Salomonischen Tempels, der für den Tempel der Humanität steht. In der Freimaurerei erscheint es meist als flammender Stern.

Reisen, Wanderungen Die im Ritual vorgenommenen Reisen symbolisieren den Lebensweg des Freimaurers und seinen moralischen Werdegang.

Maurerkelle Die Kelle bildet aus verschiedenen Steinen eine Einheit. Sie ist das Symbol für Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit.

Dreieck Das Dreieck steht für die Welt, die Materie.

Auge Das Auge mit dem Strahlenkranz, auch (all)sehendes Auge oder Auge der Vorsehung genannt, steht für die Wachsamkeit Gottes; symbolisch verkörpert es die Wahrheit, vor der sich unser eigenes Gewissen verantworten muss. Totenkopf und Sanduhr Der Totenkopf und die Sanduhr stehen für die Vergänglichkeit des Lebens und dafür, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Krone Die Krone gilt als Symbol für die die Königliche Kunst; gemeint ist die Weisheit Salomos, den Idealen und Werten entsprechend aufrecht zu leben. Vielleicht abgeleitet von Platons Zitat, es sei „eine königliche Kunst, [auf]recht zu leben“, im Einklang mit der Welt und sich.

Granatapfel Der Granatapfel verkörpert die Einheit in der Vielfältigkeit.

Akazienzweig Der Akazienzweig gilt als ein Symbol für den Meistergrad, da eine Akazie auf dem Grab des ermordeten Tempelbaumeisters Hiram gestanden haben soll.

Knotenschnur Die Knotenschnur symbolisiert die Unendlichkeit und die ewige Verbundenheit der Freimaurerbrüder.

Hände Die sich reichenden Hände stehen symbolisch für die brüderliche Verbundenheit und die stets helfende Hand.

Licht Das Licht ist das Symbol für Wissen und Weisheit, die Erkenntnis und die Wärme sowie das Gute im Menschen. Die Aufnahme bei den Freimaurern wird auch als „Lichterteilung“ bezeichnet.

Schwarz-weißes Mosaik Der schachbrettförmige Boden steht stellvertretend für die Gegensätze des Lebens.

Alte Pflichten Verpflichtung des Freimaurers auf ein moralisch integres Handeln, den Verzicht auf trennende religiöse und politische Festlegungen sowie die Praxis der Toleranz als Grundlage von Einigkeit und Freundschaft. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität – diese Grundsätze basieren auf der Konstitution, die James Anderson 1723 für die erste Großloge von England verfasst hat.

Loge Der Versammlungsort der Freimaurer wird Loge genannt, abgeleitet vom englischen lodge (= [Bau]Hütte). Vom Versammlungsort ging die Bezeichnung auf die Versammlung selbst über. Heute sind Freimaurerlogen normalerweise wie Vereine organisiert, der Meister vom Stuhl ist der Vorsitzende, der Erste und der Zweite Aufseher sind dessen Stellvertreter. Mehrere Logen können sich gegenseitig anerkennen und unter einem Dachverband zur Großloge zusammenschließen; normalerweise muss diese aber von einer älteren Großloge an‧erkannt werden.

Grade Ein Freimaurer durchläuft mehrere Grade in seiner Mitgliedschaft; das Ziel ist eine moralisch-geistige Entwicklung. Der Lehrling, als rauher Stein symbolisch noch unvollkommen, soll sich zu einem behauenen, kubischen Stein entwickeln. Die nächste Stufe ist der Geselle: Als bearbeiteter Stein fügt er sich allmählich in das symbolische Bauwerk der Humanität ein. Der Meister schließlich lehrt andere, sich selbst zu entwickeln und zu einer besseren Gesellschaft beizutragen. Über die Zeit haben sich aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung der verschiedenen Logen verschiedene Gradsysteme entwickelt. Allen Logen gemein sind die drei blauen Johannisgrade: Lehrling, Geselle, Meister. Einige Logen verfügen darüber hinaus noch über zusätzliche Hochgradsysteme.

Als Meister vom Stuhl bezeichnet man den Vorsitzenden einer Loge; er wird auch Stuhl- oder Logenmeister genannt. Sein Symbol ist (neben dem Winkelmaß) der Hammer, mit dem er die Ordnung der Loge gewährleistet.

Timo Widmaier

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Po|ly|rhyth|mik  〈f. 20; unz.〉 Nebeneinander verschiedener Rhythmen in den einzelnen Stimmen (eines Musikstücks)

Ka|me|lie  〈[–lj] f. 19; Bot.〉 zu den Teegewächsen gehörende Zimmerpflanze mit dunkelgrünen, lederigen Blättern u. großen, meist gefüllten Blüten: Camelia japonica [nach dem Brünner Mönch Joseph Kámel, ... mehr

Me|son  〈n.; –s, –so|nen; meist Pl.; Phys.〉 Elementarteilchen, dessen Masse zw. der des Elektrons u. der des Protons liegt; Sy 〈veraltet〉 Mesotron ... mehr

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