Chronologie – die Herrschaft der Luxemburger Meilensteine einer Dynastie - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Chronologie – die Herrschaft der Luxemburger

Meilensteine einer Dynastie

Die Luxemburger sind weniger bekannt als die Staufer oder die Habsburger – dies erstaunt, denn immerhin hat diese Dynastie über ein Jahrhundert lang die Geschicke des römisch-deutschen Reichs bestimmt.

1308 Graf Heinrich VII. von Luxemburg wird zum deutschen König gewählt. Heinrich behält seine Ordnungszahl bei – ungeachtet des gleichnamigen staufischen Königs Heinrich (VII.) von 1220 bis 1235.

1310 Heinrich belehnt seinen einzigen Sohn Johann mit Böhmen – 1311 folgt dessen Königskrönung in Prag. Die Luxemburger verfügen damit neben ihren Stammländern im Westen des Reichs über ein zweites wichtiges Territorium im Osten.

1312 Heinrich VII. wird in der Lateranbasilika in Rom von drei Kardinälen zum Kaiser gekrönt (der Papst residiert seit 1309 in Avignon). Der Italienzug verläuft jedoch unter widrigen Umständen und endet mit dem Tod des Kaisers im Sommer 1313 bei Siena; Heinrich wird in der Kathedrale von Pisa beigesetzt.

1314 Streitigkeiten über die Nachfolge Heinrichs führen zur Doppelwahl des Habsburgers Friedrich der Schöne und des Wittelsbachers Ludwig der Bayer. Der zuvor ebenso als aussichtsreicher Kandidat gehandelte Luxemburger Johann von Böhmen, der Sohn Heinrichs, kommt nicht zum Zug und stellt sich auf die Seite Ludwigs. Der Thronstreit, der erst 1322 zugunsten Ludwigs entschieden wird, offenbart die Mängel bei den Regelungen zum Kurrecht.

Anzeige

1338 „Kurverein von Rhens“: Die Kurfürsten erklären sich zu den einzig legitimen Wahlmännern von Kaiser und König. Der Einfluß des Papstes auf die Wahl wird erheblich eingeschränkt, die eigene Position gegenüber dem König gestärkt.

1346 Der Streit um die Herrschaft in Tirol sowie Konflikte mit dem Papst (seit 1342 Clemens VI.) führen zur Entmachtung Ludwigs des Bayern durch die Kurfürsten. Sie erheben seinen Rivalen, den Luxemburger Karl von Mähren, den Sohn Johanns von Böhmen, in Rhens bei Koblenz zum (Gegen-)König.

1346–1349 Karl IV. etabliert sich gegen alle Widerstände als römisch-deutscher König. Seine Position ist nach dem plötzlichen Tod Ludwigs des Bayern im Oktober 1347 gefestigt. 1349 wird er erneut zum König gewählt und in Aachen gekrönt, 1355 folgt die Kaiserkrönung in Rom.

1347–1352 Mehrere Pestwellen überziehen weite Teile Europas.

1356 Die „Goldene Bulle“ ordnet das Verhältnis von König und Kurfürsten neu, geregelt wird insbesondere die Königswahl durch die sieben Kurfürsten. Das „Grundgesetz“ des Reichs hat bis zu dessen Auflösung 1806 Bestand.

1373 Im Vertrag von Tangermünde erwirbt Karl IV. die Mark Brandenburg für eine halbe Million Gulden von Otto von Wittelsbach.

1376 Karls 15jähriger Sohn Wenzel wird einstimmig zum König gewählt. Der Vater hatte jahrelang auf eine dynastische Thronfolge hingearbeitet.

1376/77 Ein militärisches Bündnis aus 14 schwäbischen Städten unter Führung Ulms schließt sich gegen den Kaiser zusammen. Karl IV. kann sich nicht durchsetzen und muß dem Schwäbischen Städtebund Zugeständnisse machen.

1378 Das Große (Abendländische) Schisma beginnt (bis 1415): Es werden zwei konkurrierende Päpste in Rom (Urban VI.) und Avignon (Clemens VII.) gewählt – Karl stellt sich auf die Seite Urbans. Am 29. November stirbt Karl IV., Nachfolger wird sein 17jähriger Sohn als Wenzel IV.

1379 Das Große Schisma spaltet die deutschen Herrscher: Wenzel ergreift wie sein Vater Partei für Urban und schließt mit den rheinischen Kurfürsten den sogenannten „Urbansbund“, dem sich jedoch nicht alle Reichsfürsten anschließen.

1381 Das wachsende Selbstbewußtsein der Städte zeigt sich in der Gründung des Rheinischen Städtebunds, der sich bald mit dem Schwäbischen Städtebund vereinigt. Gemeinsam sollen die Interessen der Städte gegen die Reichsfürsten verteidigt werden.

1388/89 König Wenzel verkündet den Landfrieden von Eger, der den Dauerkonflikt zwischen Fürsten und Städten vorerst entschärft.

1390er Jahre Innenpolitische Wirren in Böhmen lähmen die politische Tatkraft Wenzels im Reich. 1394 wird er in Böhmen gar kurze Zeit gefangengehalten. Ungeschicktes Agieren und mangelnde Präsenz im Kernreich (1387–1397 kein einziger Aufenthalt) entfremden den König danach zusehends den Reichsfürsten.

1400 Wenzel wird durch die rheinischen Kurfürsten abgesetzt – ein Novum in der Reichsgeschichte. Sein Nachfolger wird der Pfalzgraf bei Rhein, Ruprecht III.

1410 Nach dem zehnjährigen Intermezzo Ruprechts wählen die durch das Schisma gespaltenen Kurfürsten in einer Doppelwahl Sigismund, den Bruder Wenzels, und seinen Vetter Jobst von Mähren zum deutschen König. Jobst stirbt wenig später, Sigismund wird 1411 erneut gewählt.

1414–1418 Auf dem Konstanzer Konzil wird die Kirchenspaltung mit zuletzt drei Päpsten überwunden. Alle Amtsin-haber verlieren ihren Titel; neuer Pontifex wird Martin V. Der Erfolg ist auch dem großen persönlichen Einsatz Sigismunds zu verdanken. Mit den Dekreten „Haec sancta“ und „Frequens“ formuliert das Konzil selbstbewußt seine Ansprüche gegenüber dem Papsttum. Jan Hus, der Anführer der tschechischen Reformbewegung, wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1419 Der abgesetzte König Wenzel stirbt im böhmischen Exil, bis zuletzt hatte er seine Ansprüche auf die Königswürde nicht aufgegeben. Die Hussiten erkennen Sigismund nicht als Nachfolger an. Es kommt zu mehreren als „Kreuzzügen“ deklarierten Feldzügen des Königs in Böhmen, die aber erfolglos bleiben.

1431 Gemäß den Bestimmungen von Konstanz wird in Basel das nächste Konzil eröffnet. 1433 kommt es in den „Basler“ bzw. „Prager Kompaktaten“ zu einer Übereinkunft mit den Hussiten.

1433/34 Nach langer, beschwerlicher Anreise wird Sigismund am 31. Mai, dem Pfingstmontag, in Rom zum Kaiser gekrönt. Auf der Rückreise nimmt er sieben Monate lang am Konzil in Basel teil.

1437 Mit dem Tod Sigismunds im südmährischen Znaim am 9. Dezember erlischt die Luxemburger-Dynastie im Mannesstamm. Beigesetzt wird der Kaiser im ungarischen Großwardein. Nachfolger als deutscher König wird sein Schwiegersohn, der Habsburger Albrecht V. von Österreich, der 1438/39 als Albrecht II. regiert.

Marcel Böhles

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Brenn|nes|sel  〈f. 21; Bot.〉 mit Brennhaaren ausgestattetes Kraut der Nesselgewächse: Urtica; Sy Nessel ( ... mehr

Schnee|zie|ge  〈f. 19; Zool.〉 zu den Antilopen gehörendes, gämsenartiges Horntier, gewandter Kletterer im nordamerikan. Felsengebirge: Oreamnos americanus

Brust|ton  〈m. 1u〉 I 〈zählb.; Mus.〉 mit Brustresonanz erzeugter Ton beim Singen II 〈unz.; fig.; in der Wendung〉 im ~ der Überzeugung sprechen mit Nachdruck, im Bewusstsein der Richtigkeit ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige