Medizinverbrechen Töten statt heilen - wissenschaft.de
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Medizinverbrechen

Töten statt heilen

Im Dienst der biopolitischen Diktatur des Nationalsozialismus verübten Ärzte schreckliche Verbrechen – von Zwangssterilisationen über die gezielte Tötung vermeintlich wertloser Menschen im Rahmen der „Euthanasie“ bis hin zu grausamen Experimenten an Wehrlosen.

Am Anfang der Zwangssterilisation Hunderttausender stand das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das aber keine direkten rassenhygienischen Formulierungen enthielt. Veröffentlicht am 25. Juli 1933, sah es die Sterilisierung „auch gegen den Willen des Unfruchtbarzumachenden“ und gegebenenfalls unter „Anwendung unmittelbaren Zwanges“ bei folgenden Befunden vor: bei angeborenem Schwachsinn, Schizophrenie, zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, erblicher Fallsucht, erblichem Veitstanz (Huntington’sche Chorea), erblicher Blindheit, erblicher Taubheit, schwerer erblicher körperlicher Missbildung sowie bei schwerem Alkoholismus.

Das Antragsrecht zur Sterilisation lag beim Betroffenen selbst oder seinem Vormund, bei beamteten Ärzten sowie bei den Leitern von Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten. Erstinstanzlich lag die Entscheidung bei regional zu bildenden Erbgesundheitsgerichten, letztinstanzlich bei den Oberlandesgerichten anzugliedernden Erbgesundheitsobergerichten. Ein Einspruch des Betroffenen war mit zunächst aufschiebender Wirkung möglich, hatte aber in aller Regel keine große Aussicht auf Erfolg. 1935 bereits waren es mehr als 200 Erbgesundheitsgerichte und 30 Erbgesundheitsobergerichte, die in Deutschland Unrecht sprachen.

Mit diesem Gesetz brachten die neuen Machthaber einen radikalen Paradigmenwechsel zum Ausdruck: weg vom karitativ-fürsorgenden, hin zum rassenpolitisch wertenden und aussondernden Prinzip. Nur auf diese Weise sei es möglich, die „Geburtensiege der Unerwünschten“ endlich und für immer zu verhindern. Auch an den deutschen Universitätskliniken fand das Gesetz Beifall. Mit unverhülltem Pathos wertete etwa der Heidelberger Chirurg Karl Heinrich Bauer, der in den 1920er Jahren bereits mit Begeisterung und Optimismus rassenhygienische Vorlesungen gehalten hatte, im Mai 1934 in der Zeitschrift „Der Chirurg“ das Gesetz. Es bedeute für das deutsche „Volk nichts anderes und nichts geringeres, als den gigantischen Versuch, die … Erbanlagenbeschaffenheit des Volkes von Generation zu Generation fortschreitend zu verbessern“. …

Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 04/2013.

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Prof. Dr. Wolfgang Uwe Eckart

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