1969-2009 Vier spannende Jahrzehnte (Teil 3) - wissenschaft.de
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1969-2009

Vier spannende Jahrzehnte (Teil 3)

40 Jahre DAMALS sind Anlass zurückzublicken, nicht auf die Geschichte der Zeitschrift, sondern wie es sich für ein Geschichtsmagazin gehört auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Jahrzehnte. Was war wichtig? Woran erinnern Sie sich besonders? Diese Frage stellen wir Ihnen insgesamt neunmal. Bis Ende August 2009 können Sie uns zudem eigene Vorschläge einreichen, was auf die Liste gehört. Nennen Sie uns aus der bis November vorgestellten Liste die drei Geschehnisse oder Errungenschaften, denen Sie persönlich besondere Bedeutung beimessen (Einsendeschluss ist der 19. November 2009). An: Redaktion DAMALS, z. Hd. Frau Stefanie Ahmann Ernst-Mey-Straße 8 70771 Leinfelden-Echterdingen oder: stefanie.ahmann@konradin.de Unter den Einsendern verlosen wir 100 Bücher.

21 Thatcher wird Premierministerin Margaret Thatcher, seit 1975 Vorsitzende der britischen Konservativen, wird am 4. Mai 1979 Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Ihre neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik wird bis heute kontrovers beurteilt. Die verstärkte Privatisierung der Wirtschaft, den Abbau des Sozialstaats und die Reform des Gewerkschaftswesens setzt sie mit teilweise harter Hand gegen oft heftige Proteste durch, was ihr den Beinamen „Eiserne Lady“ einbringt.

22 Wolf Biermann wird ausgebürgert Der 1936 geborene Sohn eines in Auschwitz ermordeten kommunistischen Widerständlers siedelt mit 17 Jahren aus Hamburg in die DDR über. Hintergrund ist seine Bekanntschaft mit Margot Ho‧necker, die Biermann seit Kindheitstagen kennt. Doch in der DDR gibt es bald Probleme mit der Staatsführung: Trotz erfolgreichen Philosophiestudiums erhält Biermann aus politischen Gründen kein Diplom. Erste Schritte als Künstler ziehen Aufführungsverbote nach sich. 1976 darf Biermann eine Konzertreise in die Bundesrepublik antreten. Bei einem Auftritt am 13. November 1976 in Köln äußert sich Biermann kritisch über die DDR. Dar-aufhin beschließt die Staats- und Parteiführung die Ausbürgerung Biermanns. Im Westen setzt Biermann seine Karriere wie auch seine Kritik an der DDR fort. Erst am 1. Dezember 1989 darf er wieder zu einem Konzert in die DDR einreisen.

23 Chemieunfall in Seveso 10. Juli 1976, 12.30 Uhr. In der Chemiefabrik Icmesa, nahe der italienischen Gemeinde Seveso (bei Mailand), bahnt sich eine verhängnisvolle Kettenreaktion an: In einem der Produktionskessel kommt es zu einem unbemerkten Wärmestau, Druck baut sich auf und entlädt sich in einer Explosion. Da es kein Auffangreservoir gibt, wird über eine halbe Stunde lang hochgiftiges Dioxin freigesetzt, das in einer Giftwolke über Seveso und seine Nachbarorte zieht. Erst über eine Stunde später kommt Fachpersonal und fährt den Reaktor herunter – bereits 1800 Hektar Land sind vergiftet. In der Umgebung verwelken Bäume und Sträucher, Tausende Tierkadaver werden gefunden. Zahlreiche Menschen erkranken an Chlorakne. Doch erst am 17. Juli schließen die Behörden die Fabrik. Am 26. Juli wird das vergiftete Gebiet zwangsgeräumt und militärisch abgesperrt. Die Krebsrate in der Region steigt deutlich an, die genaue Anzahl der Todesopfer infolge des Unglücks ist unbekannt.

24 Eine Währung für Europa Am 1. Januar 1999 erhalten 15 europäische Staaten, elf davon EU-Mitglieder, eine gemeinsame Währung. Der Euro, zunächst als Buchgeld, 2002 als Bargeld eingeführt, löst die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab und ist heute neben dem US-Dollar die wichtigste Währung weltweit. Damit ist eine Idee Wirklichkeit geworden, die in Europa seit 1970 verfolgt und in mehreren Etappen umgesetzt wurde. Heute ist der Euro offizielle Währung in 22 europäischen Staaten. 16 davon sind EU-Mitglieder; darüber hinaus ist der Euro offizielle Währung in Andorra, Monaco, San Marino und dem Vatikan. Weitere Staaten haben sich an den Wechselkurs gebunden oder nutzen den Euro als Zahlungsmittel (Montenegro, Kosovo).

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25 „Schindlers Liste“ – ein Film bewegt die Welt Der mit sieben Oscars ausgezeichnete Film von Steven Spielberg zeigt eindringlich, wie der sudetendeutsche Industrielle Oskar Schindler (1908 –1974) etwa 1200 Juden aus dem Konzentrationslager Plaszow (bei Krakau) vor dem Tod in Auschwitz rettet, indem er sie in seinen Fabriken beschäftigt. Die Namen dieser Juden wurden in den berühmt gewordenen Listen erfasst, die heute der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen aufbewahrt. Beim Einmarsch der Roten Armee 1945 flieht Schindler. Zum Abschied schenken ihm seine Arbeiter einen Ring mit einem Zitat aus dem Talmud: „Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt“. Schindler, von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, wird in Israel begraben.

26 Guggenheim-Museum in Bilbao Es erregt Aufsehen, nicht nur in Architektenkreisen: das 1997 nach nur vier Jahren Bauzeit eröffnete GuggenheimMuseum in Bilbao. Ovale und gekurvte Formen bestimmen die Architektur des wie eine freie Skulptur gebauten Museums. Stahl, Stein, Titan, Wasser und Licht sind zentrale (Bau-)Elemente, Materialien, die typisch für Frank Gehrys Bauten sind. Sie sollen die kulturellen und physischen Besonderheiten der Umgebung spiegeln. In Bilbao stehen sie für Stärke, Unabhängigkeit und industrielle Tradition des Baskenlands. Das Museum, das vor allem zeitgenössische Kunst zeigt, gilt selbst als Kunstwerk und ist eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

27 Helmut Kohl wird Bundeskanzler Es ist eine Premiere in der bundesdeutschen Geschichte: Am 1. Oktober 1982 wird mit Helmut Schmidt erstmals ein amtierender Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum aus dem Amt gewählt. Neuer Bundeskanzler wird, unterstützt von einer Koalition aus CDU und FDP, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl. Um seine Position zu festigen, strebt Kohl Neuwahlen an. Im Bundestag stellt er daher die Vertrauensfrage, bei der sich am 17. Dezember wie geplant ein Großteil der Abgeordneten der neuen Regierung der Stimme enthält. Bundespräsident Karl Carstens stimmt nach längerem Zögern der Auflösung des Bundestags zu. Bei den vorgezogenen Neuwahlen am 6. März 1983 erreichen CDU und FDP eine gemeinsame Mehrheit; Helmut Kohl bleibt Bundeskanzler bis 1998.

28 „Olympia-Attentat“ in München 26. August 1972: Bundespräsident Gustav Heinemann eröffnet im Münchner Olympiastadion die 20. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit. Über 7 000 Sportler in 122 Mannschaften nehmen an den „heiteren Spielen“ von München teil. Doch am frühen Morgen des 5. September dringen acht palästinensische Terroristen in das Quartier der israeli‧schen Mannschaft ein und nehmen elf Athleten als Geiseln. Sie fordern die Freilassung zahlreicher inhaftierter Palästinenser, der deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof sowie des japanischen Terroristen Kozo Okamoto. Mehrmals gelingt es, die Geiselnehmer zur Verlängerung ihres Ultimatums zu bewegen, während eine Befreiungsaktion vorbereitet wird, die allerdings von Beginn an von Pannen geprägt ist. Der geplante Zugriff endet in einer 45-minütigen Schießerei. Alle Geiseln sterben. Auch ein Polizist und einer der Terroristen kommen ums Leben. Die Spiele werden zunächst fortgesetzt und erst nach Protesten für kurze Zeit unterbrochen. Bei der Gedenkfeier im Olympiasta‧dion prägt IOC-Präsident Avery Brundage den Satz: „The games must go on“ („Die Spiele müssen weitergehen“).

29 FPÖ regiert in Österreich mit Bei den Nationalratswahlen am 3. Oktober 1999 wird die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), die ihren Aufschwung vor allem dem umstrittenen Rechtspopulisten und späteren Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider verdankt, mit 26,9 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei. Nach langen Verhandlungen kommt es am 4. Februar 2000 zur Bildung einer Koalition zwischen der FPÖ und der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), die mit Wolfgang Schüssel den Regierungschef stellt. Die Regierungsbeteiligung der „Freiheitlichen“ ruft im In- und Ausland heftige Kritik hervor. In Österreich kommt es zu Demonstrationen; der außenpolitische Protest findet seinen Höhepunkt in Sanktionen der anderen EU-Staaten gegen die neue Regierung.

30 Massaker in Peking Am 15. April 1989 stirbt der frühere Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas Hu Yaobang. Der reform‧orientierte Politiker war zwei Jahre zuvor von konservativen Kräften gestürzt worden. Trauerkundgebungen von Studenten münden in Demonstrationen für die von Hu Yaobang vertretene Öffnung des Landes. Die Lage eskaliert am 3. und 4. Juni, als der Platz des Himmlischen Friedens in Peking von Soldaten gewaltsam geräumt wird. Beobachter sprechen von bis zu 3 000 Toten in ganz Peking. Das Massaker beendet die Demokratie- und Studentenbewegung der 1980er Jahre in China und schadet dem Ansehen des Landes massiv.

Eva Enzinger

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