Chinesisches Porzellan und sein Einfluss in der Welt Wo das weiße Gold seinen Ursprung hat - wissenschaft.de
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Chinesisches Porzellan und sein Einfluss in der Welt

Wo das weiße Gold seinen Ursprung hat

Porzellan wurde nicht nur in seinem Ursprungsland China hochgeschätzt, sondern von dort aus schon im 7. und 8. Jahrhundert bis in den Mittelmeerraum exportiert. Erst die Erfindung des europäischen Porzellans brachte diesen internationalen Handel zum Erliegen.

Die Herstellung von Porzellan gehört zu den Höhepunkten chinesischer Keramikproduktion. Sie ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, während derer chinesische Töpfer reiche Erfahrungen im Umgang mit keramischen Materialien und Arbeitsprozessen sammelten. Seit der Jungsteinzeit hatte sich China durch die Fertigung von Keramiken hervorgetan. Durch die stete Verbesserung der Ofentechnik gelang es bereits gegen Ende der Shang-Dynastie (16. –11. Jahrhundert v. Chr.), ein porzellanartiges hochgebranntes Steinzeug mit blassgrüner Glasur zu produzieren. Wann aber fand der entscheidende Entwicklungsschritt vom Steinzeug zum Porzellan statt?

Chinesische Autoren sehen heute vielfach die späte Östliche Han-Dynastie (25 – 220) als Geburtsstunde des chinesischen Porzellans. Sie berufen sich auf Funde in der Provinz Zhejiang südlich von Shanghai, wo Archäologen in den 1970er Jahren grau-grün glasierte Keramiken fanden, die bei Temperaturen zwischen 1260 und 1300 Grad Celsius gebrannt worden waren. Feinkeramische Erzeugnisse mit rein weißem Scherben (Fachbezeichnung für gebrannten Ton), die für viele westliche Autoren das erste echte chinesische Porzellan darstellen, tauchten gegen Ende des 6. Jahrhunderts in der nord‧chinesischen Provinz Hebei auf. Der aus Kaolin gefertigte Scherben dieser als Xing-Ware bezeichneten Keramik trägt eine transparente Glasur, die durch den Brand bei Temperaturen um 1200 Grad Celsius fest mit dem Scherben verschmolzen ist. Während der Tang-Dynastie (618– 907) erfreute sich weiße Xing-Ware besonderer Beliebtheit. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts erwähnt der Dichter Lu Yu (733–  804) sie in seinem „Klassiker vom Tee“. Der grüne Tee hatte sich damals zum Lieblingsgetränk der Bildungselite entwickelt. Um das Getränk herum war eine eigene „Tee‧kultur“ entstanden, und manchem Teeliebhaber erschienen weiße Schalen für das Teetrinken besonders gut geeignet.

Zur gleichen Zeit erfuhr die weiße Ware auch außerhalb Chinas große Wertschätzung. Sie gehörte zu den Keramikprodukten, die während der weltoffenen Tang-Dynastie Teil eines weitgreifenden internationalen Handels waren. Einzelne keramische Erzeugnisse gelangten entlang der Seidenstraße über Zentralasien bis in den Mittelmeerraum. Wesentlich häufiger aber wurde für den Transport der zerbrechlichen Güter der Seeweg gewählt. Von der südchinesischen Küste aus gelangten Porzellan und Steinzeug in die ostasiatischen Nachbarländer oder via Südostasien und Indien bis in den Persischen Golf. Umgekehrt wurden Textilien, Edelsteine oder Gewürze nach China gebracht, wo sie das ausgeprägte Bedürfnis des Kaiserhofs nach Exotika und Luxuswaren befriedigten. Persische und arabische Kaufleute, die bereits im 7./8. Jahrhundert Niederlassungen in Hafenstädten wie Guangzhou gegründet hatten, waren die bestimmenden Akteure in diesem lukrativen Geschäft. Es erstaunt daher wenig, dass außerhalb von Ostasien erstmals in arabischen Quellen aus dem 9. Jahrhundert von chinesischen Keramik‧erzeugnissen, so durchscheinend wie Glas, berichtet wird…

Wie entsteht Porzellan? Kaolin, ein weiß brennender Ton, Feldspat (Petuntse) und Quarz sind die drei Rohmaterialien, aus denen Porzellan im Allgemeinen hergestellt wird. Die Rohstoffe, deren Anteil je nach Produktionsart und Herstellungsort va‧riiert, werden zunächst zu einer dickflüssigen Masse vermischt. Dieser sogenannte Schlicker wird dann von Hand geformt oder in eine Gipsform gegossen. Chinesisches Porzellan wird nur einfach gebrannt; in Europa wird das Porzellan erst nach dem Glühbrand bei 900 bis 1000 Grad Celsius glasiert und schließlich bei 1100 bis 1500 Grad Cel‧sius ein weiteres Mal gebrannt. Erst dadurch erhält es seine glatte Form. Der leicht schmelzbare Feldspat verbindet sich bei diesem Brennvorgang mit dem hitzebeständigen Kaolin, das der Porzellanmasse wie ein Gerüst Formbeständigkeit verleiht. In China wird Kaolin daher auch als Knochen, Petuntse als Fleisch des Porzellans bezeichnet. Wird das Porzellan bemalt, wird es noch mindestens ein weiteres Mal gebrannt, um den Dekor mit der Glasur zu verbinden.

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Dr. Uta Werlich

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