Plädoyer für eine reformierte Schulmedizin
Ein Schulmediziner beschreibt die Schattenseiten der Schulmedizin: Ärzte haben oft ein rein natur-wissenschaftliches Selbstverständnis und unterschätzen, welche Rolle psycho-soziale Faktoren für die Gesundheit ihrer Patienten spielen. Medizinische Großgeräte werden in ihrer Bedeutung überschätzt und zu häufig eingesetzt. Besonders Onkologen und Intensivmediziner vergessen oft, dass der Tod auch eine Erlösung sein kann.
Prof. Manfred Stöhr, Direktor der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Klinikum Augsburg, ist überzeugt: Die negativen Aspekte der Schulmedizin sind mit verantwortlich dafür, dass sich viele Menschen alternativen Therapeuten zuwenden. Denn von ihnen erfahren sie mehr emotionale Zuwendung, und weisen ihnen Patienten oftmals eine aktive Rolle beim Gesundwerden und -bleiben zu. Er plädiert dafür, in mancher Hinsicht von diesen Heilern zu lernen und einzelne alternative Heilweisen in eine reformierte Schulmedizin einzubinden.
In fast zwei Dritteln seines Buches nimmt der Neurologe den Leser mit auf die Suche nach integrationswürdigen Methoden. Verständlich, informativ und mit dem Sinn fürs Wesentliche beschreibt und analysiert er beispielsweise Wasserkuren, Chiropraxis, Akupunktur, Homöopathie, Bach-blütentherapie und Fußreflexzonen-massage. Dogmatische Schulmediziner werden Seine Wertungen sicher ebenso angreifen wie die zahlreichen Vertreter jener Verfahren, denen Stöhr jede Wirkung abspricht.
Dr. Frank Frick




