Alma M. Karlin Der Traum von Wissen und Freiheit - wissenschaft.de
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Alma M. Karlin

Der Traum von Wissen und Freiheit

Alma Karlin wurde 1889 in Celje im heutigen Slowenien, damals Österreich-Ungarn, geboren. Nach ihrem erfolgreichen Reisebericht „Einsame Weltreise“ (1928) schrieb sie 1931 die Autobiographie „Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden“, welche die Vorgeschichte bis zu ihrem großen Aufbruch darstellt.

Ihre Geburt beschreibt die Autorin als unerwünschtes Ereignis, zumal eine leichte halbseitige Lähmung hinzukam. Sie charakterisiert sich selbst als stilles Kind, ohne viele soziale Kontakte. Innerhalb der Familie herrschte Zerrissenheit, ob man sich eher der deutsch-österreichischen oder der deutsch-slowenischen Herkunft zugehörig fühlen sollte. Ihr Vater, ihre engste Bezugsperson, verstarb während sie noch im Kindesalter war.

Die darauffolgenden Jahre Almas waren gezeichnet von Arztbesuchen und der schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. Wie ein „Lebendigtoter“ beschreibt sie ihren Zustand während dieser Zeiten. Es wird jedoch schnell deutlich, dass es diesem kranken Kind keineswegs an Furchtlosigkeit, Direktheit und Entschlossenheit fehlte; außerdem erwachte in Alma sehr früh das Interesse am Lernen und vor allem an Sprachen.

Trotz ihres Studiums gelang ihr mit 18 Jahren nicht die Befreiung von ihrer Familie. Stattdessen reiste sie mit ihrer mittlerweile pensionierten Mutter durch Europa. Schon früh träumte Karlin vom Reisen, besonders vom Reisen nach Amerika. Schließlich entließ ihre Familie sie auf eine Überfahrt nach London, im Glauben, sie werde schnell wieder zurückkehren, da ihr das selbständige Leben und die Suche nach einer Arbeit nicht zugetraut wurde. Bemerkenswert ist das Selbstvertrauen, welches bei Karlin erkennbar wird. Sie schaffte es, in London Fuß zu fassen, setzte ihr Studium fort und verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit Privatstunden und Übersetzungen. Dennoch erlebte sie in ihrer Anfangszeit in London auch Hunger, Einsamkeit und Kälte.

Alma legte Prüfungen in Englisch, Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch ab. Zusätzlich lernte sie die Sprachen Chinesisch, Japanisch und Sanskrit.

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Der Erste Weltkrieg weckte erstmalig ihr Interesse an Politik, und sie verließ England wegen des Krieges Richtung Norwegen. Ihre Faszination für Kulturen, Länder und Sprachen führte sie dort, in Norwegen, zur Schriftstellerei. Nach einem Abschiedsbesuch bei ihrer Mutter begab sie sich schließlich auf die ersehnte Weltreise.

Alma Karlin teilt ihr Buch in viele kurze Kapitel ein und versucht die Beweggründe der auftretenden Personen begreiflich zu machen. Ihre Direktheit wird mit ihrer Wortwahl erkennbar, sie erzählt geradezu schonungslos von ihrem Leben und zögert auch nicht, sich selbst zu kritisieren. 

Man leidet mit Alma, wenn sie von den Arztbesuchen erzählt, oder dem Gefühl, Zuhause gefangen zu sein. Andererseits erschwert es ihre unbarmherzige Schreibweise, mit den Personen zu sympathisieren.

Rezension: Tonia Seibel

Alma M. Karlin
Ein Mensch wird
Auf dem Weg zur Weltreisenden
AvivA Verlag, Berlin 2018, 320 Seiten, € 20,–

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