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Katja Berg

Die fröhliche Welle

dam0921bue02.jpg1957 begann die Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT) mit der Ausstrahlung des deutschsprachigen Hörfunkprogramms „Radio Luxemburg“. Das neue Programm wurde ausschließlich durch Werbung finanziert, zunächst nur von 14 bis 18 Uhr über Mittelwelle (MW) ausgestrahlt und fand vor allem in Deutschland begeisterte Hörer. Hier gab es bis in die 1980er Jahre nur gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Radio Luxemburg sendete in eine transnationale Nische.

Katja Berg hat die neue „Grenzenlose Unterhaltung“ (so der Buchtitel) durch Radio Luxemburg nun erstmals umfassend rekonstruiert. Ihre gut lesbare Dissertation beschreibt das Phänomen als äußerst folgenreichen „medienpolitische(n) Sonderfall“. Der Sender ermöglichte dualen Radioempfang noch vor dem dualen Rundfunksystem. Entgegen vieler Legenden war das deutschsprachige Radio Luxemburg kein Rock- oder Pop-Programm, sondern eine Schlagerwelle. Sie richtete sich an alle, die vom öffentlich-rechtlichen Radio nicht erreicht wurden: an Schüler, Hausfrauen, Autofahrer. Hörerforschung und Marketing waren immer die Basis des Programms.

Die „Hitparade“, die Camillo Felgen seit 1958 moderierte, verhalf dem jungen Sender, so Berg, „zum entscheidenden Durchbruch“. Es war die erste Hitparade im deutschsprachigen Hörfunk. Rasch wurde das Nachmittagsprogramm aus Luxemburg ungeheuer populär. Und leitete – gemeinsam mit dem neuen Massenmedium Fernsehen – eine „langwierige, schleichende“ Umwandlung des bundesdeutschen Hörfunksystems ein.

Ende der 1960er Jahre reagierten der Südwestfunk oder der Westdeutsche Rundfunk auf die – bisher eher ignorierte – private Konkurrenz. Die öffentlich-rechtlichen Sender veränderten ihre Programme, schufen Morgen- und Mittagsmagazine sowie eigene Servicewellen wie SWF 3. Das öffentlich-rechtliche Radio im Stil von Radio Luxemburg wurde erfolgreich. Radio Luxemburg steuerte nach – und adaptierte Öffentlich-Rechtliches. In den 1970er Jahren wurde das Programm in RTL umbenannt und journalistischer. Es war die Zeit des Programmdirektors Frank Elstner. Man wurde regionaler und kooperierte sogar mit deutschen Zeitungen. 1977 entstand eine neue Form der Hörerbindung: der „RTL-Club“.

Doch die medientechnologische Situation hatte sich weiter verändert. Die störungsanfällige, für RTL ungeheuer wichtige Mittelwelle verlor an Akzeptanz. Der ARD-Hörfunk expandierte und bot nun auch Luxemburg-Sound in bester UKW-Qualität. Und die Medienangebote stiegen. Am 1. Januar 1984 kam RTL plus auf den deutschen Fernsehmarkt, ein stabiles duales Rundfunksystem entstand. 1988 zog die deutsche Abteilung aus Luxemburg nach Köln. Da war die große, transnational erfolgreiche Zeit schon lange vorbei. Radio Luxemburg war so ein „Opfer des eigenen Erfolgs“ geworden.

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Rezension: Hans-Jürgen Krug

Katja Berg
Grenzenlose Unterhaltung
Radio Luxemburg in der Bundesrepublik 1957–1980
Wallstein Verlag, Göttingen 2021, 491 Seiten, € 46,–

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