Mann, Michael Geschichte Indiens – Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert - wissenschaft.de
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Mann, Michael

Geschichte Indiens – Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert

In den vergangenen Jahren sind einige neue Bücher und Neuauflagen bewährter und bekannter Werke zur Geschichte Südasiens erschienen. Wirklich neue Themen und Forschungsansätze waren dabei im Bereich von Neuzeit und Moderne nicht zu finden. Statt dessen versuchten sich Laien ohne historische Ausbildung – und scheiterten. Diese wissenschaftliche Lücke kann mit dem neuen Werk von Michael Mann als geschlossen betrachtet werden. Dies gilt trotz des ersten, nicht ganz so positiven Eindrucks, unter dem der Autor wohl selbst mehr leidet als jeder Leser.

Wieder einmal glaubt ein Verlag, „Indien“ verkaufen zu müssen, wo „Südasien“ gemeint ist; nichts Neues also an der Werbefront. Was wäre, würde der gleiche Marktstratege versuchen, ein Buch zur Geschichte Europas als „Geschichte Rußlands“ anzupreisen, weil es das größte Stück auf der Landkarte einnimmt?

Gerät der potentielle Leser dann aber doch zumindest bis zum Inhaltsverzeichnis, trifft er vorwiegend auf Neues, wenngleich die Kapiteleinteilung ähnlich daherkommt wie in den ältesten Gesamtdarstellungen zur Geschichte Südasiens, wo ein Kanon von Themen wie historische Geographie, politische Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis hin zu den schönen Künsten üblich ist. Letztere kommen bei Mann zwar nicht vor, ansonsten aber präsentiert er trotz der „konservativen“ Form eine wissenschaftliche Arbeit von höchster Aktualität.

Auf die politische Geschichte, wo die übliche Betonung Britisch-Indiens zugunsten indigener politischer Formationen zurückgenommen wird und wo die Alleinsicht auf Indien dem Blick auf eine Dreiheit aus Indischer Union, Pakistan und Bangladesch weicht, folgt Ungewöhnliches; die oft vernachlässigten Felder „Landwirtschaft und Waldbewirtschaftung“ sowie „Migration und Diaspora“ werden in eigenen Kapiteln präsentiert. Hier zeigt sich die neue Sicht, denn Agrargeschichte der Kolonialzeit und heutige Ökologie einerseits, Migration, Bevölkerungsentwicklung und globale Zirkulation andererseits verbinden frühe Neuzeit und 21. Jahrhundert.

Weitere Kapitel zu „Industrialisierung und Urbanisierung“ bzw. „Wissenschaft und Technik“ bieten dem deutschsprachigen Raum ebenfalls so noch nicht gekannte Aspekte der Geschichte Südasiens. Beim Lesen der Kapitel bleibt der Eindruck des erfrischend Neuen bestehen. Fachleute werden, wie bei jedem guten Buch, Anregungen für kritische Fragen und Hinweise für eigenes Weiter- oder Gegendenken finden. Das eigentliche Anliegen, nämlich die Entwicklung Südasiens aus der eigenen historischen Dynamik heraus darzustellen und womöglich gar zu erklären, geht aber weit darüber hinaus, denn hier ist die Übertragung der Ergebnisse aktuellster Forschung in ein deutschsprachiges Einführungswerk gelungen. Bleibt zu hoffen, daß manche Überblicksvorlesung zur „außereuropäischen Geschichte“ nun umgeschrieben wird.

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Rezension: Berkemer, Georg

Mann, Michael
Geschichte Indiens – Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2005, 431 Seiten, Buchpreis € 19,90
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