Stephan Bierling Mandela: Rebell oder Politiker? - wissenschaft.de
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Stephan Bierling

Mandela: Rebell oder Politiker?

https://static.wissenschaft.de/uploads/d/a/dam0219bue02_9F0840A7-EF52-4891-8431-50065B2D469A.jpgNelson Mandela, der große Mann der südafrikanischen Geschichte, der seit den späten 1940er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit hinein bedeutungsvolle Rollen spielte, wurde 1918 geboren. Pünktlich 100 Jahre später ist eine Mandela-Biographie auf den Markt gekommen. Vollmundig wird sie als „eine umfassend recherchierte und fesselnd zu lesende Biographie“, gar als „die erste umfassend recherchierte Biographie in deutscher Sprache“ angepriesen. Wer zu diesem Buch mit derart geweckten Erwartungen greift, wird schwer enttäuscht.

Der Autor, der bayerische Politikwissenschaftler Stephan Bierling, durch seine Arbeiten dezidiert nicht als Südafrika-Experte ausgewiesen, hat leider weder „umfassend“ recherchiert noch hat er das von ihm einbezogene Quellenmaterial seriös verarbeitet; vieles wird aus zweiter und dritter Hand übernommen. Häufig nennt der Autor allerdings auch Mandelas Autobiographie als Quelle. Deren Lektüre kann man wärmstens empfehlen, denn darin werden viele Sachverhalte adäquater und in deutlich besserem Stil geschildert.

Die Biographie Bierlings krankt zudem an einem grundsätzlichen Übel: Ihr Autor hat keinen rechten Begriff von der Geschichte Südafrikas und von den sozialen, ökonomischen und politischen Ungleichheiten, die seit dem 19. Jahrhundert konstituierende Faktoren und Realitäten dieser Geschichte sind. Wie die Architekten der Apartheid in der Vergangenheit, nimmt Bierling noch anno 2018 Südafrika allein durch Rassenkategorien wahr und behandelt diese so, als wären sie naturgegeben, statt sie als das kenntlich zu machen, was sie sind: nämlich Zuschreibungen zum Zweck der herrschaftlichen Kontrolle und zur bequemen Verfügung über „Humankapital“ auf Seiten der dominanten „Weißen“ (Buren, Briten und Leute anderer europäischer Herkunft).

Für alle anderen (sogenannte Schwarze, Coloureds, Inder) waren sie einerseits Kategorien, denen sie sich unter den kolonialen und Apartheid-Umständen nicht entziehen konnten, die sie aber andererseits kreativ zu nutzen wussten, um ihre Kräfte zu bündeln und Einigkeit gegenüber den Herrschenden herbeizuführen. Als einer der führenden Köpfe und Aktivisten des „African National Congress“ (ANC) war Nelson Mandela eine Schlüsselfigur solcher Einigungsbestrebungen gegen den rassistischen Apartheid-Staat, von Ende der 1940er Jahre an bis zum berühmten Rivonia-Prozess von 1963/64, der zu Mandelas Verurteilung und seiner 27 Jahre dauernden Haft bis 1990 führte.

Der Autor erzählt zwar davon, auch von den langen Jahren der Haft, in denen Mandela zunehmend zum einflussreichen politischen Faktor wurde, aber den realhistorischen Vorgängen in Südafrika wird Bierling nicht gerecht. Entsprechend scheitert aufgrund fehlender bzw. irreführender Kontextualisierungen auch eine treffende Einschätzung der Rolle Mandelas in diesen Jahrzehnten. Klar macht Bierling freilich, dass ihm Mandela in der Rolle des Freiheitskämpfers, von ihm entlarvend „Rebell“ genannt, ohnehin nicht sympathisch war.

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Erst durch seine Haft sei der Mann, zuvor „heißblütig und gewaltbereit“, „zu einer besonnenen, abgeklärten Führungspersönlichkeit gereift“, die nunmehr „moralische Autorität, Willenskraft und Verhandlungsgeschick“ besaß. Bierlings Sympathie gilt allein dem alten Mandela, dem Staatspräsidenten, dem „elder statesman“. Wenn es aber um eine Einschätzung seiner bleibenden Wirkung geht, kehren vorschnelle Urteile wieder.

Dieses Buch ist ein Ärgernis. Es ist oberflächlich, plakativ, unseriös und tendenziös. In vielem falsch, passt es immerhin zum Ton der Zeit: Fake News, willkommen im Neuen Jahr.

Rezension: Dr. Arno Sonderegger

Stephan Bierling
Nelson Mandela
Rebell, Häftling, Präsident
Verlag C. H. Beck, München 2018, 416 Seiten, € 24,95

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Wissenschaftslexikon

Killer Whale Types es (Creado el: 10 de enero de 2011; Wikipedia)

In den kalten Gewässern der Südhalbkugel, soviel ist heute sicher, leben 5 verschiedene Ökotypen von Schwertwalen (Orcinus orca, „Killer whale“).
Ökotypen unterscheiden sich in ihrer Ernährung, dem Lebensraum, dem Verhalten und der Kommunikation. Auch äußerlich (morphologisch) unterscheiden sich die Wale mit dem markanten Schwarz-Weißmuster: Augenfleck, Sattelfleck (vor der Rückenflosse), Größe, Profil und Rückenflosse differieren. Jedenfalls für geübte Wal-Beobachter. Für andere Menschen sehen die großen Delphinartigen ziemlich gleich aus.

Über die Typ C-Orcas gab es gerade einen Meertext-Bericht, sie schwimmen ständig vor der McMurdo-Station auf dem Wal-Highway entlang und sind für Biologen leicht erreichbar und zu studieren.
Typ D-Orcas hingegen leben nicht direkt in der Antarktis, sondern in den Weiten der subantarktischen Gewässer. So sind sie vor den neugierigen Augen der WissenschaftlerInnen lange verborgen geblieben.
Jetzt hat ein Forschungsschiff mit Wal-Experten eine ganze Gruppe von ihnen vor Chile aufgespürt. Neben Photos und Beobachtungen hat das Forschungsteam um Dr. Robert Pitman von NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) auch erstmals Hautproben für die genetische Analyse genommen. Höchstwahrscheinlich, so der walerfahrene Pitman, ist dieser Ökotyp D eine eigene Spezies! Schließlich würden sie sich besonders stark von den anderen Orca-Typen absetzen. Pitman ist ein ausgewiesener Experte, er hatte bereits 2011 auf der damaligen Wissensbasis den Orca-Ökotyp D beschrieben: “Observations of a distinctive morphotype of killer whale (Orcinus orca), type D, from subantarctic waters“ (Robert L. Pitman, John W. Durban, et al; Polar Biology; February 2011, Volume 34, Issue 2, pp 303–306 pp).
Neben Bildern der Orcas mit dem extrem kleinen weißen Augenfleck hatten sie dabei auch die Orte der Sichtungen eingetragen – Typ D-Orcas treiben sich offenbar in allen subantarktischen Gewässern herum, im Südatlantik und Indopazifik! Ein großes Gebiet für nicht sehr große Wale.

Typ D-Orcas sind bisher schon einige Male beschrieben und dokumentiert worden: Von Amateur-Photographen, Fischern und von einer Massenstrandung in Australien. 1955 waren gleich 17 dieser Wale  am Strand von Paraparaumu (Neuseeland) gestrandet und gestorben.  Diese Tiere haben einen runderen Kopf ohne Schnabelansatz, eine kleinere und spitzere Finne (Rückenflosse) und einen sehr kleinen weißen Augenfleck, außerdem sind sie ein paar Fuß kleiner als die üblichen Schwertwale. Das alles ist allerdings in den tosenden Wogen der 40-er und 50-Breitengrade nicht einfach zu erkennen. Diese Wassermassen heißen ja nicht umsonst Roaring Fourties und Furious Fifties und sind die wildesten und abgelegensten Gewässer der Welt. Nur wenige Menschen setzen sich dem tobenden Südozean aus, der seine Geheimnisse hinter Wind, Wogen, Gischtschleiern und Düsternis gut verbirgt.
2005 hatte ein französischer Biologe Pitman Bilder ungewöhnlich aussehender Orcas gezeigt. Die Wale hatten nahe der Cozet-Insel im südlichen Indischen Ozean Fisch von Langleinen “gestohlen” – sie hatten die gleichen ungewöhnlich kleinen Augenflecken und runden Köpfe. Auch chilenische Fischer und andere Fischerei-Beobachter hatten mehrfach berichtet, dass es in den Gewässern 60 bis 80 Meilen vor Kap Horn unterschiedliche Orca-Gruppen gibt, die sich nicht miteinander mischen.

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Jetzt hatten die Forscher von einem Spender die Mittel für eine Expedition erhalten und von chilenischen Fischern die Information, wo die ungewöhnlichen Orcas sich gerade herumtreiben. So konnte das Team um Pitman mit dem Schiff „Australis“ gleich 25 Typ D-Schwertwale beobachten, fotografieren, über und unter Wasser filmen, belauschen und beproben. Eine Woche hatten die Wissenschaftler verschiedener Universitäten auf die schwarz-weißen Wale gelauert, bis ein ganzer Pod (Gruppe) mehrere Stunden neugierig die Forscher und das Schiff erkundeten. Auch das Hydrophon inspizierten die Wale, allerdings hielten sie  Funkstille.

Von dem Ergebnis ist Pitman begeistert:

Mit einem Biopsie-Pfeil hatten die Biologen kleine Hautproben entnommen, die jetzt die genetische Analyse ermöglichen. Mit  speziellen Biopsie-Armbrustbolzen hatten sie minimalinvasiv drei Hautproben ausgestanzt. Dabei werden nur Haut und Blubber entnommen, und kein Muskel verletzt – die übliche Technik für Wal-Biopsien.
Die molekulare Information wird Ausschlag darüber geben, wie lange diese Orcas mit dem kleinen Augenfleck schon von den anderen Ökotypen der Südhalbkugel getrennt sind. Pitman scheint schon recht sicher zu sein, dass bereits die jetzt vorliegenden morphologischen und ökologischen Unterschiede für eine eigene Unterart reichen: Subantarktische Orcas wäre ein guter Name für die neue Art, meint er. Schließlich kommen sie nur in subantarktischen Gewässern und fern der Küsten vor.

Kunst|feh|ler  〈m. 3; bes. Med.〉 falsche Maßnahme eines Arztes, Apothekers od. einer Hebamme in Ausübung ihres Berufes

Ly|rik  〈f. 20; unz.; Lit.〉 lyrische Dichtung, Dichtungsart im Rhythmus, oft mit Reim u. in Versen u. Strophen, die Gefühle, Gedanken, inneres od. äußeres Erleben, Stimmung usw. des Dichters selbst ausdrückt (Gedanken~, Liebes~) [<frz. poésie lyrique ... mehr

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