Holland, Tom Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen - wissenschaft.de
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Holland, Tom

Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

Bis heute gibt es keine einzige wirklich überzeugende Darstellung der Perserkriege. Sie müsste der Antike nicht angemessene Klischees und Stellungnahmen überwinden, wie etwa das der Seeschlacht von Salamis als „Geburtsstunde Europas“, und zudem die beeindruckenden Ergebnisse der neueren Forschung zum persischen Reich der Achaimeniden und zu Herodot (unserer entscheidenden Quelle) aufnehmen und nutzen.

Am ehesten gleichen dieses Manko in Deutschland noch die vorzüglichen Studien von Anuschka Albertz, „Exemplarisches Heldentum“ (Oldenbourg 2006) über die Schlacht an den Thermopylen, und Michael Jung, „Marathon und Plataiai“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2006), aus.

Dem Buch des englischen Bestseller-Autors Tom Holland kann man dankenswerterweise viele Spielarten des Eurozentrismus nicht vorwerfen, und das Buch bietet wirklichen Lesegenuss (trotz der Vorliebe des Autors für überbordende Metaphorik). Fachlich-inhaltlich jedoch ist deutliche Kritik zu äußern, Kritik, die dann ungerechtfertigt wäre, wenn das Buch sich als eine Art quellen- und forschungsnaher historischer Roman verstünde. Ein „historisches Buch“ jedoch, für das mit dem Hinweis geworben wird, es biete eine „Neubewertung der persischen Kultur und des persischen Reiches“ und eine „Beschreibung des ersten großen Ost-West-Konflikts“ (!), muss sich an anderen Maßstäben messen lassen.

Kritik ist erstens angebracht an dem doch recht vordergründigen Umgang mit Herodot, von dem man bei Holland manchmal den Eindruck gewinnt, dieser habe ein Feldzugstagebuch und nicht ein ganz außergewöhnliches Stück Literatur mit auffälliger neuer Weltsicht verfasst. Kritik ist zweitens an der – trotz anderslautender Erklärungen – mangelnden Berücksichtigung der neueren Achaimenidenforschung anzubringen, der sich viele sachliche Fehler und die doch recht konventionellen Bilder von Xerxes und Mardonios und das unkritische Kyros-Bild verdanken.

Die Kritik gilt drittens den Relikten einer längst überwunden geglaubten kontrafaktischen Geschichtsauffassung, wenn Holland etwa schreibt: „… im Fall einer Niederlage der Griechen gegen Xerxes und seine Angriffe ist unwahrscheinlich, dass es überhaupt je so etwas wie ‚den Westen’ gegeben hätte.“ Am Ende der Lektüre des Buches kann das Fazit nur lauten: Wir Fachhistoriker selbst sind aufgerufen, endlich auch zu diesem Thema eine kritische und zugleich lesbare und verlässliche Darstellung der Perserkriege für ein breites Lesepublikum zu schreiben.

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Rezension: Wiesehöfer, Josef

Holland, Tom
Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2008, 500 Seiten, Buchpreis € 29,90
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