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Neil Price

Wer waren die Wikinger?

dam0123bue04.jpgMit „Die wahre Geschichte der Wikinger“ erscheint das lang erwartete Buch eines der renommiertesten Kenner der skandinavischen Wikingerzeit, dem in Uppsala lehrenden Professor Neil Price, auch auf Deutsch. Das Buch ist keine umfassende Darstellung aller Aspekte der Wikingerzeit – dieser Anspruch würde selbst den Umfang dieses 752 Seiten starken und mit vielen Abbildungen illustrierten Werkes sprengen. Stattdessen ist es der erfolgreiche Versuch, das Phänomen „Wikinger“ aus einer chronologischen Perspektive nachzuvollziehen.

Gegliedert in drei große Abschnitte, analysiert Price die Entwicklung der Wikingerzeit. Das Buch beginnt mit einem kurzen literarischen Prolog. Diese literarischen Einschübe – basierend auf der seit dem 12./13. Jahrhundert verschriftlichten altnordischen Literatur – durchziehen das gesamte Buch und dienen sowohl als konkrete Quellen als auch zur Auflockerung des mitunter sehr anspruchsvollen Textes. Dem folgt eine ausführliche Quellenkritik, in der Price den Gegenstand seiner Analyse – die vereinfacht als „Wikinger“ bezeichneten Menschen des skandinavischen Frühmittelalters – wie auch die zur Verfügung stehenden archäologischen und schriftlichen Quellen präsentiert.

Der erste Abschnitt diskutiert die Ursachen für das „Wikingerphänomen“, die explosionsartigen Expansionsbewegungen aus Skandinavien seit dem 8. Jahrhundert. Dabei richtet Price den Blick auf die Vorgeschichte der Wikingerzeit sowie auf die Mentalität der Menschen im frühmittelalterlichen Skandinavien. Der zweite Abschnitt widmet sich den Aspekten, die bis heute die Rezeption „der Wikinger“ maßgeblich prägen: Raubzüge, Eroberung und Kriegertum. Im dritten Abschnitt beschreibt Price „die zahlreichen Enden der Wikingerzeit“: die Etablierung von Königreichen und die sukzessive Einbindung des ehemals heidnischen Nordens in das christliche, europäische Mittelalter. Das Buch endet mit einer ausführlichen Vorstellung der relevanten Fachliteratur zu den einzelnen Kapiteln, allerdings mit einem deutlichen Fokus auf die skandinavische und englische Literatur.

Der Duktus des Textes ist sehr anspruchsvoll. Dazwischen blitzt jedoch immer wieder auch ein sympathisches Augenzwinkern durch, wenn Price seine teilweise komplexen Gedankengänge durch moderne bildliche Vergleiche und mitunter auch sehr persönliche Anekdoten illustriert. Neben einzelnen inhaltlichen Fehlern („Ribe“ statt „Reric“) und unpräzisen Übersetzungen („Mauern“ anstelle von „Wall“ oder „Wände“) muss als zentraler Kritikpunkt die zu unreflektierte Vermischung archäologischer und späterer literarischer Quellen genannt werden. Trotz seiner fundierten Quellenkritik der postwikingerzeitlichen literarischen Überlieferungen in der Einführung zieht Price diese im weiteren Verlauf des Buches oftmals ohne eine kritische Kontextualisierung als verlässliche Quellen für die Wikingerzeit heran und entwirft so das Bild einer stark spirituell geprägten Mentalität sowie einer komplexen, einheitlichen Mythologie, die für die Wikingerzeit auf Grundlage der archäologischen Quellen so nicht nachweisbar ist.

Das Buch eignet sich nicht unbedingt als Einstiegswerk zur Wikingerzeit, denn viele ebenso wichtige wie spannende Aspekte des Alltagslebens werden gar nicht oder nur kurz thematisiert. Auch richten sich Sprache und Inhalt eher an ein anspruchsvolles Publikum. Wer sich aber eingehender mit den großen Zusammenhängen der Wikingerzeit beschäftigen möchte, für den bietet Neil Prices monumentales Werk einen exzellenten Zugang zu dieser faszinierenden Epoche.

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Rezension: Dr. Matthias Toplak

Neil Price
Die wahre Geschichte der Wikinger
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2022, 752 Seiten, € 39,–

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