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Bücher

Wie überleben wir unsere Überheblichkeit?

Cover HYBRIS von  Johannes Krause und Thomas Trappe
Uns Menschen sind Expansion, Konsum und Unterwerfung in die Gene geschrieben. Der Archäogenetiker Johannes Krause und der Journalist Thomas Trappe machen sich Gedanken über unsere Zukunft.

Erstaunlich, was Archäogenetik alles verrät, obwohl sie zum Erzählen nur vier Buchstaben zur Verfügung hat: A, C, T und G. Die stehen für die Basen, aus denen unser Erbgut besteht: Adenin, Cytosin, Thymin und Guanin. Seit das menschliche Genom entschlüsselt ist, hat die Wissenschaft unglaublich viel geschichtliche Informationen aus den jeweiligen Abfolgen dieser vier Buchstaben herausgelesen: von der Verwandtschaft mit dem Neandertaler bis zur Besiedlungsgeschichte Islands.

Einer der großen Dechiffrierer ist Johannes Krause, Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (EVA). Er war an der Entschlüsselung des Neandertalergenoms beteiligt, und ein 70.000 Jahre alter Fingerknochen aus einer Höhle in Sibirien machte ihn zum Entdecker einer bis dahin unbekannten Menschenart, der Denisovaner.

In seinem Buch vermittelt er hervorragend, was Sequenziermaschinen in seinem Institut erschließen, wenn sie aus Knochenresten täglich bis zu 20 Milliarden Sequenzen herauslesen. Mit seinem Co-Autor, dem Journalisten Thomas Trappe, schildert er, wie Intelligenz zwar zur Überlegenheit unserer Spezies geführt hat – die Entwicklung aber umschlug in Überheblichkeit. Wir wurden zu einem Wesen, „dem Expansion, Konsum und Unterwerfung in die DNA geschrieben wurden“. Die Zügellosigkeit führte dazu, dass wir die Ressourcen des Planeten erschöpfen. „Homo hybris scheint unfähig, Grenzen des Wachstums zu akzeptieren“, schreiben die Autoren. Und ihnen ist unverständlich, dass Zeitgenossen das zukünftige Heil draußen im Weltall zu finden glauben, nach dem Motto: Wenn es auf der Erde nicht mehr weitergeht, bleibt ja noch der Mars.

„Hybris“ schildert, wie die Menschheit oft gerade noch die Kurve gekriegt hat, und beschreibt klug, warum wir heute, trotz unserer „unermesslichen Wanderlust“, die uns lange Zeit weitergebracht hat, eine neue Strategie wählen müssen: „Das erste Mal in unserer Geschichte liegt unsere Zukunft nicht in der Expansion.“ Die Archäogenetik liefert damit eine Anleitung fürs künftige Überleben – vorausgesetzt, man versteht, was A,C, T und G zu erzählen haben. Urs Willmann

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Johannes Krause, Thomas Trappe
HYBRIS
Propyläen, 351 S., € 24,–
ISBN 978–3–549–10031–8

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Clen|bu|te|rol  〈n. 11; unz.; Pharm.〉 entkrampfend wirkender Stoff, der in einigen Asthma– u. Hustenmitteln medizinisch eingesetzt wird, gelegentlich als Anabolikum missbraucht, sowohl bei der Kälbermast als auch zur Leistungssteigerung im Spitzensport

Tri|o|le|in  〈n. 11; unz.; Chem.〉 Triolsäureester des Glyzerins, ölige Flüssigkeit, die in Fetten u. fetten Ölen vorkommt

Blut|er|guss  〈m. 1u〉 Blutung innerhalb des Körpergewebes; Sy Hämatom ... mehr

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