Die wohlklingenden Choremissionen wurden in den 1950er-Jahren beschrieben, als unter anderem „Eine Untersuchung der pfeifenden Atmosphäre“ erschien, deren Autor L.R.O. Storey bemerkt hatte, dass die Signale aus dem Weltall nach ihrer Konvertierung in Audiofrequenzen wie ein zwitschernder Haufen von Vögeln im Morgengrauen klingen. Zunächst meinte die Fachwelt, Chorwellen träten zusammen mit dem als Aurora bezeichneten Polarlicht im Erdmagnetfeld der Erde auf, aber inzwischen konnte sie feststellen, dass es auch Ursprünge des kosmischen Vogelgezwitschers weit weg von der heimischen Atmosphäre in den Tiefen des Weltraums gibt.
Die angenehm piepsenden Choremissionen scheinen überall da im Kosmos zu entstehen, wo ein Magnetfeld in der Nähe ist, was nahezu überall der Fall ist. Der Ausbruch ihrer Energie dauert nur ein paar Zehntelsekunden, und die Fachwelt meint, das Geschehen durch instabile Verteilungen von geladenen Partikeln erklären zu können, die sich an den Linien des Erdmagnetfeldes entlangbewegen. Es muss aber daneben mindestens noch einen weiteren Mechanismus geben, der mit einer Änderung in den Frequenzen der Magnetfelder beginnt. Dabei könnten Hochgeschwindigkeitselektronen freikommen, die auf kaum gekrümmten Strecken unterwegs sind und auf ihren fast gradlinigen Reisen zu surren beginnen. Sie stoßen dabei mit Feldern und anderen Partikeln zusammen, was der Wissenschaft insgesamt die Aufgabe stellt, eine „energy transfer chain“ zu ermitteln.
Die Idee zu solchen Übertragungsketten ist einst in der Biologie populär geworden, als man Signalwege erkunden wollte und zum Beispiel fragte, über welche Stationen ein Lichtsignal vom Auge zum Gehirn gelangt und wie anschließend die dort als gesehen wahrgenommene Information zu den Muskeln im Mund transferiert wird, um hier in Sprache übertragen und durch ein Wort ausgedrückt zu werden.
Bei den Chorwellen stellt sich die spannende Frage, wie die Energie zwischen Teilchen und Feldern übertragen und hin und her bewegt werden kann, bis zuletzt einige der tödlichsten Partikel entstehen, die gerne als „Killerelektronen“ vorgestellt werden. Man würde gerne wissen, wie viele sich davon in der Magnetosphäre der Erde tummeln. Wer zum Mond oder Mars oder noch weiter in den Raum hinaus will, muss die musikalische Gefahrenlage abschätzen können. Die Choremissionen begrüßen den neuen Aufbruch ins All wie Gezwitscher der Vögel einen neuen Tag.





