Die Entwickler der ersten KI-Anwendungen mussten einst noch die Frage beantworten, ob ihre Apparate eines Tages den Schachweltmeister schlagen würden. Inzwischen ist das nicht nur überzeugend gelungen, sondern auch übertroffen worden, und zwar durch die KI AlphaGo, die den Weltmeister in dem Brettspiel Go besiegt hat. Solche Triumphe haben dazu geführt, dass die KI zuweilen höher bewertet wird als MI, was Menschliche Intelligenz abkürzen soll. Zwar erinnern Philosophen daran, dass intelligente Entscheidungen etwas mit der Zukunft zu tun haben, auf die sie sich auswirken sollen, und Maschinen nicht wissen, dass es eine Zeit gibt, die erst noch kommt. Auch hat sich der Optimismus nicht bestätigt, dass Computer, die Weltmeister besiegen, mehr als die Brettspiele beherrschen und zum Beispiel Freude über ihren Sieg empfinden und den Erfolg gerne feiern würden.
Durch sogenanntes „Deep Learning“ wird es Künstlicher Intelligenz zwar möglich, etwa Krebserkrankungen mittels medizinischer Bildvorlagen zu diagnostizieren. Doch so nützlich diese Qualität sein mag, aus Sicht von KI-Experten wie dem kanadischen Informatiker Yoshua Bengio sollte die Intelligenz dieser Systeme nicht überschätzt werden: „Sie sind wirklich dumm. Sie verstehen die Welt nicht. Sie verstehen Menschen nicht. Sie haben nicht einmal die Intelligenz eines sechs Monate alten Babys. Klar, sie können den Weltmeister im Go schlagen. Aber das heißt doch nicht, dass sie irgendetwas anderes können“, stellte Bengio in einem Interview für den New Scientist klar.
Wer dieser Tage in die Zeitungen schaut, bekommt jedoch das Gefühl, dass sich die Lage ändert. Da kann man vom Programm ChatGPT lesen, das Texte schreiben kann, von denen der Wirtschaftsinformatiker Peter Buxmann in einem Interview mit der FAZ im Februar 2023 schwärmte, „die Qualität der von einer KI geschriebenen Texte wird in Zukunft besser werden, die der Menschen aber tendenziell gleich bleiben.“ Doch ich glaube nicht, dass Herr Buxmann dazu etwas zu sagen hat – was auch daran liegt, dass er in demselben Gespräch einräumt, dass Nutzer einer KI nicht wissen, wie die Ergebnisse zustande kommen. Im Falle von ChatGPT sorgt etwa die Arbeit von schlecht bezahlten Menschen aus Niedriglohnländern dafür, dass der KI potenziell diskriminierende Antworten manuell abgewöhnt werden – ob man das wahrhaben will oder nicht.
Unabhängig davon bleibt es auch für die MI von Herrn Buxmann schwierig, Auskunft darüber zu geben, was bessere Texte sind: „ChatGPT ist selbstbewusst und geschwätzig“, wie zu lesen ist. Wobei ich nicht glaube, dass man eine mit diesen Eigenschaften geschaffene Sprache von den Verlautbarungen aus den Abteilungen für Public Relations unterscheiden kann. Am Ende benutzt die KI damit die Sprache der Menschen, die sie eigentlich meiden sollte.





