Die beiden Briten haben zwar das Absurde ihrer Theorien betont, sich aber nicht gefragt, ob damit ein Sinn verbunden sein könnte. Diese Frage nach dem Sinn des Absurden stellte erst Albert Camus in seinem 1942 erschienenen Buch „Der Mythos des Sisyphos“. Darin greift Camus die antike griechische Sage auf, in der Sisyphos, der König von Korinth, ewig einen Stein auf einen Berg rollt, nur um ihn vom Gipfel wieder abstürzen zu sehen.
Den Sinn dieses absurden Tuns sah Camus in der Tatsache, dass sich Menschen nicht mit Absurditäten abfinden und sich bemühen, sie loszuwerden. Wenn Sisyphos immer wieder einen Stein packt und nach oben schiebt, macht er dasselbe wie ein Wissenschaftler, der sich eine Aufgabe gestellt hat und hofft, nach deren Erledigung die Wahrheit zu erblicken. Das 20. Jahrhundert führte jedoch zu der Erkenntnis, dass Forschung keine Geheimnisse lüftet und stattdessen vertieft. Übertragen auf Sisyphos heißt das, dass er vom Gipfel nicht in eine Ebene, sondern nur auf höhere Berge schaut und dabei etwas erblickt, das ihn sein Leben lang beschäftigt hält. Dies füllt ein Menschenherz, wie Camus schreibt, und macht Sisyphos zu einem glücklichen Menschen.
Newtons absurde Leere wurde im 19. Jahrhundert durch die Idee eines raumerfüllenden Feldes ersetzt, das aus der Schwerkraft eine Nahwirkung machte, und Darwins zufällige Variationen wurden immer wieder durch Ideen wie die einer Entelechie des Biologischen ergänzt, das dadurch sein Ziel in sich trage. Dem Leben wurde eine Triebkraft zugeschrieben, die bereits in Zellen zu finden sei und ihre Energie dem Stoffwechsel verdanke, der alles Organische in Bewegung und offen für Kooperationen und Symbiosen halte.
Auf den ersten Blick haben die Physik und die Biologie es seit den Tagen von Newton und Darwin herrlich weit gebracht, aber eine Frage kann trotzdem gestellt werden, auch wenn sie provozierend klingt: Hat die Wissenschaft damit Absurdistan verlassen und kann man auffallende Aberwitzigkeiten in ihren Theorien als etwas Vergangenes abtun? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, nur dass die Gegenwart ein Bekenntnis zum Absurden scheut und ihre Hilflosigkeit hinter einem Schwall von großen Worten versteckt, die der Öffentlichkeit vorgesetzt werden, ohne ihrem Verstehen zu helfen. Die Singularität des Urknalls, das Quark-Gluonen-Plasma im Innersten der Welt, die Elektronen als emergente Quasiteilchen der Materie – gibt es etwas Absurderes, als die gerade genannten Vorstellungen, von denen es noch mehr gibt? Leider ja. Es ist nämlich absurd, wenn man meint, mit Absurditäten die Dinge verstehen zu können. Da waren Newton und Darwin schon weiter. Ebenso wie Sisyphos, der den nächsten Gipfel anvisierte.





