Welche exakten Bestandteile machen die Wirkung?
Auf welche Weise erzielen sie diese?
In welche Prozesse unseres Körpers greifen sie damit ein?
Erstaunlich oft entziehen sich die Antworten jedoch hartnäckig jeglichen Enthüllungsversuchen. So oft, dass einige die Ernährungsforschung gar in einer Krise sehen. Gerd Antes, ehemaliger Direktor des deutschen Cochrane-Zentrums für evidenzbasierte Medizin, urteilte beispielsweise vor einigen Jahren: „Die Ernährungswissenschaften sind in einer bemitleidenswerten Lage. Studien in diesem Bereich sind von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig. Deswegen gibt es immer wieder völlig widersprüchliche Ergebnisse.“
Ein Beispiel für dieses Dilemma liefert der grüne Tee. Seit Jahrtausenden überbrühen die Bewohner des fernen Ostens die getrockneten Blätter von Camellia sinensis. Und sie entwickeln auch bestimmte Krebsarten weniger häufig als Europäer. Eine schöne Korrelation. Doch Korrelationen liefern nicht zwingend Kausalitäten. Und tatsächlich ist nach einer ganzen Reihe epidemiologischer Studien immer noch unklar, ob der grüne Tee überhaupt ursächlich bei der beobachteten Tumorreduktion mitspielt – oder ob nicht ganz andere Kausalfaktoren hinter den verschiedenen Krebsprofilen von Ostasiaten und Westeuropäern stecken. Schließlich unterscheiden die sich ja nicht nur im Konsum grünen Tees.
Die US-Forscherin Joan Louise Bushman fasste beispielsweise in diesem Zusammenhang 31 epidemiologische Grüntee-Studien als stark wechselhaft zusammen. So bescheinigten sechs Studien dem Getränk eine Senkung des Risikos für Magenkrebs, drei andere dagegen eine Erhöhung. Für Enddarmkrebs errechneten gar drei Studien einen fördernden Effekt und nur eine einen hemmenden. Studien zum Speiseröhrenkrebs dagegen ergaben allesamt eine Risikominderung. Die Autorin schließt daher mit dem sehr vorsichtigen Fazit, dass grüner Tee das generelle Krebsrisiko allenfalls moderat zu senken scheint.
So weit zur Epidemiologie. Aber die Ernährungsforschung hat ja noch andere methodische Pfeile im Köcher – zum Beispiel Biochemie in Tiermodellen. Und hier scheinen vor allem Versuche an Mäusen die antikarzinogene Wirkung des grünen Aufgusses zu bestätigen. Ob Hautkrebs nach UV-Bestahlung, Wachstum implantierter Tumoren oder Tumorbildung durch karzinogene Stoffe – Mäuse, die grünen Tee getrunken hatten, waren oftmals ein wenig besser dran als ihre wassertrinkenden Artgenossen.





