Umgehend fallen einem dazu einige Namen aus der Biologie ein: Barbara McClintock etwa, die in den 1940er-Jahren begann, „springende Gene“ zu beschreiben, wegen des heftigen Gegenwinds der Fachkollegen jedoch ab 1953 nichts mehr dazu publizierte. Erst in den 1960er- und 70er-Jahren wurden ihre damaligen Erkenntnisse wegen einer Vielzahl passender Folgeergebnisse schließlich vollends akzeptiert und gewürdigt.
Oder Stanley Prusiner, der zunächst von der gesamten Kollegenschaft verlacht wurde, als er 1982 verkündete, er habe winzige Protein-Partikel gefunden, die ansteckende Infektionskrankheiten verursachten. Prionen nannte er diese Partikel, die konkret neurodegenerative Erkrankungen verursachen – etwa Rinderwahn oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Sogar als Prusiner 15 Jahre später den Nobelpreis für seine Prionen-Hypothese bekam, war der Aufschrei in der Fachwelt immer noch laut. Es sollte 15 weitere Jahre dauern, bis das Lachen über die Prionen dank neuer Forschungsresultate endgültig verstummte.
Unglaube und Schlimmeres schlug auch Carl Woese entgegen, nachdem er erstmals die Archaeen neben den Bakterien und den zellkernhaltigen Eukaryoten als dritte Organismen-Domäne aller Lebewesen verkündete. Ähnlich erging es den Australiern Barry Marshall und Robin Warren, die die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter als Ursache für chronisch entzündete Magenschleimhaut bis hin zu Magengeschwüren ausmachten: Auch sie wurden einst gemieden und verschmäht, später jedoch vielfach geehrt und gefeiert.
Bakterien einverleibt
Einer der Klassiker überhaupt für derart verkannte Erkenntnisleistungen ist jedoch die Endosymbionten-Theorie. In den 1960er-Jahren wollte die US-Biologin Lynn Margulis (damals unter dem Nachnamen Sagan) einen Aufsatz veröffentlichen, in dem sie erstmals eine Theorie präsentierte, wie sich bestimmte Standard-Bestandteile der Zellen von Pflanzen, Tieren und Pilzen – sogenannte Organellen – vor Urzeiten entwickelt haben könnten. Demnach hatten sich einzellige Lebewesen damals bestimmte Bakterien einverleibt, diese aber nicht vollends verdaut, sondern vielmehr derart zurechtgestutzt und zu Endosymbionten versklavt, dass sie unter deren Kontrolle schließlich nur noch genau eine Zellfunktion für sie ausübten. Insbesondere die Mitochondrien als „Kraftwerke“ der Zelle wie auch die Plastiden, die in grünen Pflanzen via Photosynthese die Lichtenergie in chemische Energie umwandeln, hatte Lynn Margulis als Organellen mit derartiger „Bakterien-Vergangenheit“ ausgemacht.
Glauben wollte ihr das allerdings niemand. Laut Lynn Margulis lehnten 15 Forschungszeitschriften nacheinander die Publikation ihrer Theorie ab. Erst 1967 druckte das Journal of Theoretical Biology den Aufsatz unter dem Titel „On the Origin of Mitosing Cells“. Heute gilt er als Startschuss zur endgültigen Ausarbeitung der Endosymbionten-Theorie.





