Grund dafür ist die Tatsache, dass in der Quantenmechanik alles durch eine Wellenfunktion beschrieben wird. Aber nur, wenn die Wellenfunktion eine Gleichung löst, die sogenannte Schrödinger-Gleichung: Wenn Sie beispielsweise herausfinden wollen, was ein Teilchen tut, müssen Sie die Schrödinger-Gleichung lösen, um zu berechnen, was die Wellenfunktion tut.
Im einfachsten Fall sagt die Wellenfunktion so etwas wie „Das Teilchen bewegt sich nach links“ oder „Das Teilchen bewegt sich nach rechts“. Aber hier ist das Seltsame: Die Schrödinger-Gleichung ist linear. Das bedeutet, dass jede Summe von Lösungen ebenfalls eine Lösung ist. Mathematisch gesprochen kann das Teilchen also nicht nur nach „links“ oder „rechts“ gehen, sondern auch nach „links + rechts“. Dies wird als Superposition bezeichnet, und sprachlich meist zum Ausdruck gebracht, indem man sagt, dass sich das Teilchen in beiden Zuständen zugleich befindet. Aber ist das wirklich eine treffende Beschreibung für die Realität dieses Teilchens? Wir haben die Mathematik, aber wir haben nicht die Worte.
Die Sache mit der Quantenphysik ist: Es fehlen die definitiven Eigenschaften. Dass etwas definitiv ist, bedeutet dabei, dass es entweder so ist oder nicht. Es gibt keine Zweideutigkeiten. So kennen wir es aus unserer Realität: Alle Objekte haben definitive Eigenschaften – egal, ob sich gerade jemand dafür interessiert, was diese Eigenschaften sind, oder nicht. Entweder Sie haben einen Apfelbaum im Garten oder nicht, unabhängig davon, ob Sie es gerade überprüft haben.
Aber in der Quantenphysik ist das nicht so. Denn das Teilchen befindet sich nur so lange an mehreren Orten gleichzeitig, bis man hinschaut und durch diese „Messung“ seine Position bestimmt. Dann befindet es sich plötzlich nur noch an einem der beiden Orte. Wie kann das sein?
Physiker lösen dieses Problem in der Regel so, wie Niels Bohr es angegangen ist: Sie sagen, dass es keinen Sinn macht, zu fragen, wo das Teilchen „wirklich“ war, bevor man es gemessen hat. Und das ist leicht zu sagen, aber was bedeutet es, wenn ein Teilchen nirgendwo „wirklich“ ist? Die Berechnung durchzuführen, ist die eine Sache, es ist eine ganz andere Sache, es zu verstehen.
Nicht nur in der Welt der Teilchen
Nun könnte man natürlich einfach argumentieren: „Wenn es keinen Einfluss auf unsere alltägliche Realität hat, kann uns doch egal sein, dass sich kleine Teilchen nicht wie Objekte aus unserer vertrauten, makroskopischen Welt verhalten.“ Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn tatsächlich kann man das eigenartige Verhalten kleiner Teilchen bis in unsere makroskopische Welt transportieren. Auch größere Objekte können sich theoretisch in einer Superposition befinden, bis man eine Messung durchführt – sogar Lebewesen.





