Ob das CERN seine Pläne für den „Zukünftigen Ringbeschleuniger“ tatsächlich in die Tat umsetzen kann, wird sich im kommenden Jahr entscheiden. Vor wenigen Monaten hat das Forschungszentrum aber bereits eine Kostenabschätzung veröffentlicht: Allein die erste Phase des Experiments würde umgerechnet etwa 13 Milliarden Euro kosten.
Dazu sollte erklärt werden, dass das CERN plant, den FCC in zwei Stufen auszubauen. Die erste Stufe heißt FCC-ee und würde Elektronen mit einer Energie von nur 0,4 Teraelektronenvolt kollidieren lassen – also um ein Vielfaches weniger als die Kollisionsenergie der Protonen im LHC. Weil Elektronen jedoch fundamentale Elementarteilchen sind, entstehen bei ihnen deutlich weniger Unsicherheiten in den Messungen als bei den komplexeren Protonen, die jeweils aus drei Quarks aufgebaut sind. Ein Elektronenbeschleuniger wie der FCC-ee könnte daher auch bei geringerer Energie bessere Daten liefern.
Das primäre Ziel dieser ersten Phase wäre es, das Higgs-Boson eingehender zu erforschen. Dieses Elementarteilchen wurde erst 2012 mit dem LHC nachgewiesen und ist damit das jüngste Mitglied im Standardmodell der Teilchenphysik. Kein Wunder also, dass die Forscher am CERN ein großes Interesse daran haben, mehr darüber zu erfahren.
Das eigentliche Ziel des FCC-Projekts wäre jedoch die zweite Stufe, der FCC-hh. Genau wie beim LHC würde es sich hierbei um einen Hadronen-Beschleuniger handeln, in dem Protonen und schwere Ionen zur Kollision gebracht werden können. Welche Kosten für die zweite Stufe anfallen könnten, ist bislang nicht bekannt. In den veranschlagten 13 Milliarden Euro sind sie jedenfalls nicht enthalten. Ebenfalls nicht enthalten sind die laufenden Betriebskosten, die das CERN auf eine weitere halbe Milliarde Euro pro Jahr schätzt.
Doch wozu solch gigantische Summen Geld ausgeben? Welche bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse sind vom FCC zu erwarten? In den Medien liest man immer wieder, dass sich mit dem neuen Beschleuniger herausfinden ließe, woraus die Dunkle Energie und die Dunkle Materie bestehen, die vermutlich 95 Prozent des Universums ausmachen. Und sogar die Generaldirektorin des CERN, Fabiola Gianotti, wird mit der Aussage zitiert, dass „der FCC notwendig [ist], weil die Entdeckung von Teilchen der Dunklen Materie zu einer neuen, vollständigeren Theorie über die Funktionsweise des Universums führen würde.“
Doch die Wahrheit ist: Es stimmt zwar, dass die Entdeckung von Teilchen der Dunklen Materie zu einer vollständigeren Theorie der Funktionsweise des Universums führen würde – sofern die Dunkle Materie tatsächlich existiert. Allerdings gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund zu der Annahme, dass der FCC dabei eine Hilfe sein wird. Die Teilchenphysiker argumentieren gern, dass neue Elementarteilchen erst bei Energien entdeckt werden können, die knapp außerhalb der Möglichkeiten des LHC liegen. Doch in Wirklichkeit hat niemand eine Vorstellung davon, welche Energien das konkret sein könnten. Sehr wahrscheinlich sind sie viele Größenordnungen höher als die Energien, die selbst der FCC erreichen würde. Vermutlich werden sich mit der die Maschine daher überhaupt keine neuen Elementarteilchen finden lassen.





